Business-KniggeWann im Job Duzen erlaubt ist

Duzen oder Siezen: Die Antwort ist manchmal nicht ganz einfach
Duzen oder Siezen: Die Antwort ist manchmal nicht ganz einfachGetty Images

Wer mal im Job falsch geduzt hat, weiß: Das Pronomen ist eine Büchse der Pandora. Das scheinbar so harmlose „Du“ ist symbolträchtig. Es signalisiert Vertrautheit, wenn nicht gar Freundschaft und vor allem Augenhöhe. Die muss nicht immer wörtlich zu verstehen sind. Bietet der Chef dem Angestellten das „Du“ an, ist damit noch lange nicht ein Umzug in die Führungsetage verbunden. Zumindest auf emotionaler Ebene aber werden Sprachbarrieren eingerissen. Vor allem im Beruf will Duzen gelernt sein.

Siezen bietet Sicherheit

Für die Experten von Knigge.de ist Siezen im Umgang mit Erwachsenen der Normalzustand. „Jede volljährige Person hat nach allgemeiner Auffassung ein Recht darauf, mit ‚Sie‘ angesprochen zu werden. Dies ist die Regel, das ‚Du‘ demnach die Ausnahme“, betonen die Benimm-Experten. Siezen besitzt für sie einen unschätzbaren Vorteil: Man ist auf der sicheren Seite. Das ‚Sie‘ „ist absolut wertfrei und immer richtig. Das ‚Du‘ hingegen hat viele Schattierungen; die Grundlagen, auf denen es beruht, können sich ändern oder wegfallen“, warnen die Hüter guten Benehmens. „Die Rückkehr zum ‚Sie‘ dürfte in diesen Fällen recht schwierig, wenn nicht unmöglich sein.“

Zwischen Vorgesetztem und Untergebenen ist die Sache meist klar. Der Ranghöhere bietet dem Rangniedrigeren das „Du“ an. Aber was ist, wenn der Chef jünger ist als man selbst? Auch dann raten die Knigge-Autoren dringend dazu, den Vorgesetzten bis auf Widerruf zu siezen. Unter Kollegen entscheidet ebenfalls die Hierarchie darüber, wer wem das „Du“ offerieren darf. „Wenn der Kollege mit Ihnen auf einer Stufe steht, können Sie ihm das ‚Du‘ anbieten, müssen es aber nicht. Fingerspitzengefühl ist gefragt“, heißt es auf „Knigge.de“.

Duzen nicht ohne Vorwarnung

Heikel kann die Ansprache bei einer Betriebsfeier werden, wenn man die Partner der Mitarbeiter kennenlernt. Wird zum Beispiel die Ehefrau geduzt, nur weil man sich auch mit dem Kollegen oder dem Chef per „Du“ anspricht? Die Benimm-Experten empfehlen in diesem Rahmen ebenfalls, „fremde Personen nicht spontan und ohne Vorwarnung zu duzen“. Das gelte vor allem bei Ehefrauen von Kollegen. Schließlich wird das „Du“ im privaten Rahmen unter Gleichgestellten von der Dame angeboten.

Allerdings müssen auch die tendenziell konservativen Etikette-Verfechter feststellen: In manchen Berufsgruppen habe sich eine inflationäre Verwendung des „Du“ als Teil der Unternehmenskultur etabliert „Duzen sich alle Mitarbeiter, dürfte es schwierig sein, sich dem zu entziehen“, heißt es auf „Knigge.de“. Denn der „Stil des Hauses“ gebe bei der Ansprache unter Kollegen den Ton vor.