KolumneVon wegen eine Frage des Personals

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So geht das aber nicht!

Das Ganze ist ein Reiz-Reaktions-Muster: Da bricht einer aus dem Schema aus und macht etwas Neues, etwas Anderes als das, was bisher vorgesehen war. Das ist der Reiz.

Für den Hirten fühlt sich das so an wie ein einzelnes Schaf, das sich nicht mehr mit der Herde bewegt, sondern sich aus der Herde löst und von ihr wegbewegt. Das löst im Hirten Stress aus.

Das stört ihn. Das untergräbt seine Autorität. Da wird Pflanzenöl als Kraftstoff verwendet. Da wird eine Kryptowährung als Zahlungsmittel verwendet. Da bestimmen Mitarbeiter selbst, wann sie arbeiten und wann sie freihaben. Da schreibt und liest in diesem Internetz, oder wie das heißt, jeder einfach, was er will.

Habe ich das etwa erlaubt? Wie stehe ich jetzt denn da! Das sieht ja so aus, als hätte ich die Herde nicht im Griff!

Abgeschüttelt

Wenn Sie jetzt glauben, ich möchte mich Rufen wie „Merkel muss weg!“ anschließen und für einen Personalwechsel sorgen, dann muss ich Sie enttäuschen. Denn wie ich bereits eingangs sagte: Merkel ist genauso wenig das Problem wie Donald Trump oder Martin Winterkorn. Nein, es ist das System, in dessen Rolle als Hirte sie sich einfügen müssen. Ganz egal, welche Farbe ihr Leibchen hat.

Aber es gibt eine gute Nachricht. Die vermehrt auftretenden Eklats und Streitigkeiten, Skandale und Konflikte in unserer Wirtschaft und Gesellschaft – seien es die Gelbwesten in Frankreich oder der lauter werdende Unmut gegenüber der GEZ – zeigen mir eines: Da ändert sich gerade was!

Denn zwei unaufhaltsame Tendenzen kriechen in unserem Land, auf unserem Kontinent, ganz fies aufeinander zu. Auf der einen Seite werden wir immer liberaler, die Möglichkeiten werden immer größer, die Lebensentwürfe immer individualistischer, die Gesellschaft wird immer komplexer. Ich könnte zusammenfassend sagen: Die individuelle Freiheit nimmt zu, die Macht der Hirten nimmt ab.