KolumneVon wegen eine Frage des Personals

Seite: 2 von 4

Wie die Schafe

Und der Hirte muss seine Rolle im System erfüllen, seinem Versprechen nachkommen. Dem Versprechen, das da heißt: „Lasst mich mal machen – ich sorge schon für eure Sicherheit.“ Der Preis für ein Stück Sicherheit ist dann wohl oder übel einfach ein Stück persönliche Freiheit. Das war und ist immer der grundsätzliche Deal.

Deshalb muss der Hirte den Zaun hochziehen, wenn ein Schaf ausbricht.

Da kommt dann auch so ein Irrsinn zustande wie im Jahre 2006. Damals erließ das Kabinett Merkel I ein neues Energiesteuergesetz, welches das alte Mineralölsteuergesetz ablöste. Auslöser für dieses Bundesgesetz war die berüchtigte Energiesteuerrichtlinie der EU, die auch Deutschland umsetzen musste. Die Richtlinie sollte die Funktionsfähigkeit des EU-Binnenmarktes für Energie sicherstellen und Wettbewerbsverzerrungen durch unterschiedliche Steuersysteme vermeiden. Klar soweit.

Die Bundesregierung zog es vor, die Richtlinie so umzusetzen, dass Kraftstoff aus Pflanzenöl plötzlich besteuert wurde. Bis zum 1. Januar 2008 lag die Nettobesteuerung bei null Cent pro Liter, ab dann bei 8,15 Cent, ab 2009 bei 16,55 Cent und seit 2013 bei unglaublichen 44,9 Cent pro Liter.

Aber warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Ganz einfach: wegen Dirk.

Mein Freund Dirk – seines Zeichens Vertriebler – hatte vor einigen Jahren mit einem gewieften Ingenieur namens Dietbert geschafft, was bis dahin niemandem gelungen war: Sie konnten einen Bausatz in Serie produzieren, der es Verbrennungsmotoren möglich machte, mit Rapsöl zu laufen. Und das zunächst in Traktoren und Mähdreschern und schließlich auch in LKW. Die beiden rechneten: Die Preisdifferenz zwischen Rapsöl und Dieselkraftstoff ist so hoch, dass es sich kräftig lohnt. Nach einem Jahr würden die Speditionen ordentlich Gewinn machen. Ein gutes Geschäft für alle.

Wäre ihnen da nicht das EEG in die Quere gekommen. Und nun können wir gemeinsam rätseln, warum die Regierung das nur gemacht hat. Es gab doch am Ende nur Verlierer. Daimler verlor, die Spediteure verloren, Dirk und Dietbert und ihre Mitarbeiter verloren, die Bürger verloren, die Umwelt verlor, die ganze Wirtschaft verlor. Wer gewann eigentlich? Cui bono?

Ich kann Ihnen sagen: Die Antwort ist so einfach wie irritierend.