InterviewVerona Pooth über ihre erste Million

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Hatten Sie in der Zeit der Firmeninsolvenz 2008 Ihres Mannes Franjo Pooth Angst, Ihre eigene finanzielle Sicherheit könnte in Gefahr sein?

Nein, da es sich nicht um eine Privatinsolvenz, sondern um eine Firmeninsolvenz handelte und ich mit der Firma Maxfield GmbH beruflich nichts zu tun hatte. In meiner ganzen Karriere war meine finanzielle Existenz nie in Gefahr. Steuererklärungen sind ja nicht immer einfach. Da verzetteln sich viele. Bei mir gab es nie Steuerprobleme. Ich legte großen Wert auf einen kompetenten und vertrauenswürdigen Steuerberater. Ich habe auch nie Verträge unterzeichnet, die mir finanziell geschadet hätten. Da war ich wirklich immer ein kleiner Spießer. Unter meinen Freunden, im Management oder bei meinen Anwälten hieß es immer: Oh Gott, jetzt hat Verona den Vertrag. Das kann ja wieder Wochen dauern, bis sie ihn unterzeichnet. Ich war und bin ein Kontroll-Freak. Ich habe tatsächlich wochenlang darüber nachgedacht, ob alles so richtig ist und nachverhandelt, bis ich wirklich mit den Verträgen einverstanden war.

Was hat Ihre Sicht auf Geld am stärksten beeinflusst?

Meine Mutter hat mir immer erklärt: Geld ist etwas, was dich unabhängig macht. Ich wollte mein eigenes Ding machen und mir von niemanden etwas sagen lassen müssen. Geld kann mir als Frau zu Emanzipation verhelfen. Und wenn ich damit gut umgehe, kann ich mir ein Leben ermöglichen, wie ich es mir vorstelle. Geld kann auch Gutes tun. Ich habe vor kurzem einen sehr schönen Artikel über mich gelesen, in dem man mir zur Spendenmillionärin gratulierte, weil ich einen siebenstelligen Betrag an die SOS-Kinderdörfer gespendet habe.

Müssen Sie heute noch arbeiten?

In meiner aktuellen finanziellen Situation muss ich mir um die Zukunft keine Sorgen machen, aber im Herzen bleibe ich Unternehmerin und habe den Wunsch, noch viele Jahre weiter zu arbeiten. Gerade ist meine Autobiografie „Nimm dir alles, gib viel“ erschienen. Daran habe ich über ein Jahr gearbeitet. Wenn man ein guter Unternehmer ist, ist das eine Art Instinkt wie ein Jäger, der auf Jagd geht. Das geht auch nicht weg. Aber es ist jetzt nicht mehr gepaart mit dieser Angst, im hohen Alter nicht abgesichert zu sein. Ich habe immer gedacht, ich muss aus eigener Kraft mein Leben auf die Reihe kriegen.

Ihren Kindern geht es heute anders.

Mein Vater war Ingenieur, meine Mutter war selbstständig und hatte einen Friseursalon in Hamburg, ich war ein typisches Scheidungskind. Meine Eltern hatten nie die finanziellen Mittel, mir zu sagen: Wir geben dir ein Startkapital, ob das eine Wohnung ist oder ein Studium oder ein Auto. Ich musste für alles, was ich haben wollte, immer selbst arbeiten. Deswegen finde ich es wichtig, sich in jungen Jahren etwas aufzubauen und darauf aufzupassen. Ich sage auch zu meinem 15-jährigen Sohn Diego: Ich weiß, wie sich das anfühlt, kein Geld zu haben. Und ich wusste immer, ich muss meinen kleinen Hintern hochkriegen und mir etwas einfallen lassen. Wieder alles auf eine Karte setzen und jedes Angebot annehmen. Diego, du hast natürlich viel mehr Sicherheit hinter dir, weil du in einer finanziell anders gestellten Familie aufwächst. Aber du darfst den Instinkt, aus eigener Kraft erfolgreich zu werden, nie aus den Augen verlieren.