KolumneVerantwortung und Vertrauen sind Zwillinge des Erfolgs

Markus VäthPR

Meine Frau liebt romantische Komödien. Ich selbst bin zwar eher so der Bruce-Willis- oder Science-Fiction-Typ, aber für eine gutgemachte Romantik-Komödie bin ich durchaus zu haben. Romantische Filme sind Eskapismus pur – wenn sie gut ausgehen. Dann kann man wirklich entspannen und die Welt da draußen für zwei Stunden einfach ausblenden. Sollten Sie also irgendwann ein Bedürfnis nach solcher Art Komödien mit Happy End haben, empfehle ich daher eher den Hundeblick von Ryan Reynolds und weniger den Gift trinkenden Leonardo di Caprio als Romeo, kurz bevor er tot über seiner Julia zusammenbricht.

Romantik-Komödien und harter Arbeitsalltag haben viel gemeinsam. Doch, wirklich. Das ist Ihnen nur noch nie aufgefallen. Gut, es gibt in Ihrem Büro vielleicht keinen Ryan Reynolds oder eine Claire Danes, die mit brechenden Augen „Romeo, mein Romeo“ haucht. Aber in Romantik-Komödien wie auch im echten Arbeitsleben geht es um die gleichen Werte: Verantwortung und Vertrauen.

Verantwortung und Vertrauen sind Zwillinge des Erfolgs

In jeder guten Komödie gibt es den Moment, in dem sich der Held oder die Heldin am Riemen reißt, und das gleich in doppelter Hinsicht. Die Hauptfigur laviert am Anfang vielleicht ein wenig herum oder hüpft durch diverse Betten, aber schließlich übernimmt sie Verantwortung für die eigenen Gefühle und die glückliche Beziehung nimmt ihren Lauf. Das ginge aber nicht ohne Vertrauen in den anderen. Menschen in Romantik-Komödien riskieren auch etwas. Jede wirklich gute Komödie lebt vom schmalen Grat hin zur Tragödie. Man weiß, die Dinge könnten ganz schnell kippen und ist sich nicht sicher, dass es wirklich gut ausgeht (natürlich geht alles gut aus. Sie bezahlen ja nicht ein Heidengeld an der Kinokasse, um Ryan Reynolds als gebrochenen Kerl zu sehen).

Verantwortung und Vertrauen sind Zwillinge des Erfolgs. Das gilt für Romantik-Komödien genau wie für Ihre Arbeit. Im Grunde geht es immer um diese beiden Werte. Viele Unternehmen könnten sich anstrengende und sinnlose Werte-Workshops oder Purpose-Schmerzen ersparen, wenn sie sich auf Verantwortung und Vertrauen als zentrale Werte konzentrieren würden. Als Führungskraft leben Sie diese Werte immer und überall vor, und Ihre Mitarbeiter schauen sich das ab. Von einem Gentleman heißt es, man erkenne ihn daran, wie er sich benimmt, wenn niemand zusieht. Das Gleiche gilt für Führungskräfte. Was denken und tun Sie, wenn niemand bei Ihnen ist? Sind Sie sich der Werte von Verantwortung und Vertrauen auch bewusst, wenn gerade niemand hinsieht?

Remote Work fordert Vertrauen neu heraus

Das Hinsehen und die Zusammenarbeit generell hat sich durch Corona und Remote Work erheblich verändert. Viele Führungskräfte spüren eine Distanz zu Ihren Mitarbeitern und sind erstaunt, wie wichtig doch die physische Zusammenarbeit für den Vertrauensaufbau und -erhalt ist. Viele flüchten daher in eine neue Dominanz der Struktur und vertiefen die fachliche Seite von Meetings und Besprechungen, takten Ihre Zoom-Calls noch mehr durch als vorher. Aber das ist nicht die Lösung. Es braucht eine mentale Offensive von Verantwortung und Vertrauen. Verantwortung ist eine Haltung gegenüber meiner Arbeit, Vertrauen ist eine Haltung gegenüber meinen Mitarbeitern. Wenn im Remote Work die Distanz zu meinen Mitarbeitern wächst, muss ich daran arbeiten, gegenseitiges Vertrauen zu stärken.

Das fällt uns nicht leicht, da wir im Business darauf trainiert sind, Gefühle und Privates auszublenden. Den Kollegen hat nicht zu interessieren, was ich am Wochenende mache oder wie es mir gerade geht. Aber diese Zurückhaltung führt langfristig dazu, dass die Brücke des Vertrauens einstürzen kann. Forschungen am Massachusetts Institute of Technology haben gezeigt, dass Teams erheblich davon profitieren, wenn sie sich zu privaten Dingen oder dazu, wie es ihnen geht, regelmäßig austauschen. Warum? Weil wir Vertrauen nicht zu Visitenkarten oder Anforderungsprofilen aufbauen, sondern nur zu echten Menschen, die wir kennen. Wir müssen wissen, wie jemand tickt, bevor wir ihm einen Vertrauensvorschuss geben.

Seien Sie der Held

Als Führungskraft sollten Sie aktiv in den Vertrauensaufbau investieren. Das beginnt bei Remote Work mit dem simplen Anschalten der Kamera. In schwarze Löcher hineinzusprechen belastet. Weiterhin sollten Sie darüber nachdenken, in die sogenannte Selbsterneuerung Ihres Teams zu investieren. Das bedeutet, von Zeit zu Zeit gemeinsam mit Ihrem Team darüber nachzudenken: Wie arbeiten wir zusammen? Was läuft gut? Warum läuft es gut? Was können wir verbessern? Allein das Angebot solcher Fragen und entsprechender Meetings könnte das gegenseitige Vertrauen anheben, vor allem, wenn solche Meetings regelmäßig durchgeführt werden.

Im Grunde machen Sie so das Gleiche wie Ryan Reynolds und Claire Danes in ihren Filmen. Sie werden zum Helden, übernehmen Verantwortung und investieren in gegenseitiges Vertrauen. Und solange Sie nicht Leonardo Di Caprio heißen, ist das gute Ende damit fast schon garantiert.

 


Markus Väth gilt als einer der führenden Köpfe der New-Work-Bewegung in Deutschland. Er ist Gründer und Geschäftsführer der auf New Work spezialisierten humanfy GmbH und Verfasser der New Work Charta, die sich für eine klare, humanistische und soziale Version von New Work einsetzt. Er hat mehrere Bücher zu New Work und Management verfasst und ist Lehrbeauftragter für New Work und Organisationsentwicklung an der Technischen Hochschule Nürnberg. Mit seinem Ansatz des Organisationscoachings begleiten er und sein Team Unternehmen in ihrer Transformation hin zu echtem New Work und einer neuen Arbeitswelt.