BerufslebenUnterfordert und gelangweilt: Was man gegen Boreout im Büro tun kann

Es muss nicht immer Überforderung sein, auch Unterforderung kann ein Problem seindpa

Bis zu zehn Prozent der Beschäftigten – je nach Dauer und Lage der Arbeitszeit – leiden laut Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) an Unterforderung im Job. Auch das Gefühl, nicht ausgelastet zu sein, kann auf das Gemüt schlagen – und krank machen. Häufig wollen Betroffene zudem kaschieren, dass sie nicht viel zu tun haben, und täuschen eine hohe Arbeitsbelastung – inklusive Überstunden – vor. Genau dies wird dann zum gesundheitsschädlichen Stressfaktor. Auch im privaten Umfeld, wo Stress gern als Kennzeichen für Erfolg im Job gilt, können Langeweile und Unterforderung dazu führen, sich im Vergleich zu Freunden und Bekannten minderwertig zu fühlen.

Vier Tipps, was Sie tun könne, wenn das Frustgefühl im Büro scheinbar untragbar wird:

#1 Boreout eindeutig identifizieren

Keine Lust, zur Arbeit zu gehen, haben wir alle mal. Das ist kein echtes Alarmzeichen. Stellen Sie aber fest, dass Sie über Wochen oder gar Monate mit schlechtem Gefühl in die Firma fahren, sich schon bei einem leichten Schnupfen mehrere Tage krankmelden, am Sonntagabend Bauchweh bekommen, weil das Wochenende zu Ende geht, dann steckt vermutlich mehr dahinter. Richtung Boreout deuten die Symptome auch, wenn Ihnen wirklich nichts im Job Freude macht, Sie einen Großteil der Zeit privat im Internet surfen, beim aus dem Fenster schauen von einem anderen Arbeitsleben träumen – und abends trotzdem total geplättet nach Hause kommen. Dann heißt es: handeln. Als ersten Schritt empfiehlt es sich, über einen Zeitraum von mindestens einer Woche Aufgaben, Umgang damit und persönliches Befinden zu dokumentieren. So lässt sich besser erkennen, wo genau der Schuh drückt.

#2 Mit dem Vorgesetzten reden

Niemand möchte vor dem Chef zugeben, dass er in den vergangenen Monaten vor allem Youtube-Videos geschaut und Solitär gespielt hat. So offen sollten Sie das natürlich auch nicht einräumen. Statt den Ist-Zustand ausführlich darzustellen und zu beklagen, stellen Sie den Wunsch nach neuen Herausforderungen und Weiterentwicklung in den Vordergrund. So präsentieren Sie sich als ambitionierter und engagierter Mitarbeiter, der im Unternehmen vorankommen und für sein Gehalt etwas leisten will. Das wissen Chefs in der Regel zu würdigen. Im Idealfall haben Sie eine relativ genaue Vorstellung davon, was Sie lieber als Ihre aktuelle Tätigkeit machen würden. Fällt Ihnen dazu partout nichts ein oder erteilt Ihnen der Vorgesetzte eine klare Absage, hilft es vermutlich nur, sich nach einem neuen Job umzuschauen.

#3 Außerbetrieblichen Ausgleich suchen

Bei drohendem Boreout kann es zumindest vorübergehend auch helfen, sich neue Herausforderungen außerhalb des Arbeitsplatzes zu suchen. Lernen Sie eine neue Sprache, beginnen Sie damit, ein Instrument zu spielen, machen Sie einen Photoshop-Kurs, kochen Sie für ein Dutzend Freunde ein Fünf-Gänge-Menü oder trainieren Sie für einen Halbmarathon. Mit ein bisschen Nachdenken fallen Ihnen sicher etliche Vorhaben ein, mit denen Sie schon mal geliebäugelt haben. Entscheiden Sie sich für eine Aktivität, die in den Bereich Weiterbildung fällt, könnte das auch schon ein erster Schritt in Richtung eines möglichen neues Jobs sein, der Sie mehr fordert. Der private Ausgleich muss auch nicht zwingend eine Herausforderung darstellen. Schon eine simple Abendverabredung mit guten Freunden kann einen öden Tag im Büro angenehmer machen.

#4 Notfalls einen Schlussstrich ziehen

Helfen Ihnen indes weder das Gespräch mit dem Chef noch der Japanisch-Intensivkurs, aus dem Loch aus Unterforderung und Langeweile herauszukommen, gibt es nur noch eins: kündigen und woanders neu anfangen. Innerlich haben Sie sich in dem Fall ohnehin schon längst verabschiedet. Bei der Suche nach einem neuen Job sollten Sie nun jedoch ganz strikt darauf achten, dass dieser sich nicht wieder als monotone Verwaltungstätigkeit entpuppt, für die Sie Ihr Studium oder Ihre Ausbildung gar nicht benötigt hätten.