BörsengangToniebox-IPO: Wie zwei Väter ein digitales Abspielgerät für Kinder erfanden

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Heute sind 120 Hörspielfiguren auf dem Markt, sie kosten je 14,99 Euro. Dazu kommen noch einmal 25 sogenannte Kreativ-Tonies für 11,99 Euro. Das sind Figuren, die sich mit eigenem Inhalt bespielen lassen, und das per Handy-App auch aus der Ferne. So können Eltern, die verreist sind, Gutenachtgrü.e schicken oder Großeltern den Enkeln Geschichten vorlesen. Es gibt deutsche Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind und ihren Kindern Tonies in Tarnuniform geben, um über sie Nachrichten zu schicken. Für die Zukunft sind auch andere Anwendungsfälle denkbar: etwa für Senioren, die Probleme haben, Smartphones zu bedienen. Auf einer Frühchen-Station sind schon Tonieboxen im Einsatz, die mit der Stimme der Eltern laufen, wenn diese gerade nicht bei dem Baby sein können.

Die Branche schaut anerkennend auf die beiden Väter: „Die Toniebox ist ein Einstieg für Kinder in die digitale Welt, den die Eltern mit den Figuren sehr gut kontrollieren können“, sagt Ulrike Schelling, Sprecherin von Idee+Spiel. Der Verband vertritt 800 Spielwarenfachgeschäfte. Die Händler könnten die Tonies gut präsentieren, das Ganze sei ein geschlossenes System, die Lizenzen der Figuren seien sehr gut gewählt.

In der nächsten Zeit wollen Faßbender und Stahl vor allem die Warenverfügbarkeit im Griff haben. Damit es nicht wieder zu Engpässen kommt, haben sie das Volumen vervierfacht. Knapp fünf Millionen Figuren und 600.000 Tonieboxen sollen verkauft werden. Zum Vergleich: 2014, aus diesem Jahr stammt die aktuellste Zahl, wurden in Deutschland 70 000 stationäre CD-Player verkauft. Mittlerweile sind die Stückzahlen so gering, dass sie nicht mehr gesondert erfasst werden. Der CD-Player ist ein Auslaufmodell, Boxine auf Wachstumskurs: Dieses Jahr soll der Umsatz bei 50 Mio. Euro liegen und das Unternehmen aller Voraussicht nach profitabel sein.

Die Geschäftsführer haben mit Großkunden gesprochen, sich für das Weihnachtsgeschäft Festbestellungen geben lassen. Aber so richtig wissen, was passiert, könne keiner. „Das ist immer auch ein bisschen Glaskugel“, sagt Faßbender. „Wir können die Boxen nicht unbegrenzt auf Lager legen.“

Marcus Stahl tippt derweil auf seinem Handy herum. Er muss eine Luftfracht freigeben. Eigentlich werden die Würfel per Zug und Schiff aus China nach Deutschland gebracht, doch schon seit sechs Tagen hängen 9000 Toniebox-Startersets wegen einer kaputten Lokomotive in Weißrussland fest. Deswegen werden sie ausnahmsweise ins Flugzeug verladen. Damit sie pünktlich zu Weihnachten in den Regalen stehen.