InterviewTina Müller: „Erfolg darf man sich nicht schön reden“

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Welche drei Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten bei Mitarbeitern, die für Sie arbeiten beziehungsweise die Sie rekrutieren?

Unternehmergeist, Kreativität und Loyalität, denn diese drei Eigenschaften stehen für mich in unmittelbarem Zusammenhang zum Thema „agile Unternehmenskultur“.

Was war einer Ihrer größten Fehler in der Vergangenheit und wie haben Sie daraus gelernt beziehungsweise Ihr Handeln verändert?

Einer meiner größten Fehler war es, vor 15 Jahren eine Shampoo-Linie für Senioren einzuführen. Aber natürlich will keine Frau ein Shampoo haben, wo dick und fett „40+“ drauf steht. Die Produkte lagen wie Blei im Regal.

Aber so ist das eben: man macht täglich Fehler. Ich habe daraus gelernt, dass man sich Erfolg nicht schön reden darf. Wenn man merkt, dass etwas in die falsche Richtung läuft, sollte man schnell reagieren. Ich folge da dem Motto „kill your darlings“: Ich greife lieber sofort ein und mache klar Schiff. Natürlich ist das manchmal schmerzlich. Aber ein Neustart ist besser, als an etwas zu hängen, das nicht funktioniert oder gar Zeit und Kraft damit zu verschwenden, es zu retten.

Grundsätzlich habe ich relativ schnell eine Vorstellung davon, wie etwas sein sollte. Wenn aber im nächsten Meeting jemand ist, der mir sagt, dass diese Idee totaler Mist war, kann ich das sehr gut annehmen. Wenn sich herausstellt, dass ich in die falsche Richtung laufe, kann ich meine Meinung revidieren. Das ist übrigens noch eine Erkenntnis, von der ich überzeugt bin: Bei Douglas sagen wir immer „teamwork always wins“ – ich halte es für unglaublich wertvoll, wenn das Kollektiv des Teams mitdenkt und gegebenenfalls auch eingreift.

Was sind momentan Ihre größten Investitionen in die Zukunft?

Die größten Investitionen sind die in das richtige Personal, in die richtige Technologie, in unsere Filialen, um aus ihnen einen „Point of Experience“ zu machen. Unsere Filialen müssen in mehrerlei Hinsicht moderner werden: Vor allen Dingen sollen sie künftig einen besonderen Erlebnischarakter haben. Wie das aussehen kann, testen wir zum Beispiel gerade in unserer Filiale in der Kaiserstraße in Frankfurt. Hier bieten wir unseren Kunden viele digitale Touchpoints, die zu einer völlig neuen Form von Beratung und Erlebnis führen.

Ich bin überzeugt, dass Filialen an Bedeutung nicht verlieren werden, weil sie eben mehr bieten: individuelle Beratung, einzigartigen Service und ein persönliches Einkaufserlebnis

Tina Müller

Wie wird sich Ihre Branche in der Zukunft weiter entwickeln beziehungsweise verändern?

Der Kosmetikmarkt wird sich in Europa weiter positiv entwickeln weil die Menschen immer mehr bereit sind in ihre eigene Schönheit zu investieren. Das gilt im Übrigen nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Und Beauty betrifft heute nicht mehr ausschließlich den Kosmetikbereich, sondern umfasst auch den Pflegebereich. Deshalb entwickelt sich der Markt für Premiumkosmetik und -pflege auch überproportional.

In diesem Zusammenhang spielt die Vielfalt der Einkaufsmöglichkeiten natürlich eine wichtige Rolle. Online wird für unsere Branche weiterhin eine große Rolle spielen. Aber ich bin überzeugt, dass Filialen an Bedeutung nicht verlieren werden, weil sie eben mehr bieten: individuelle Beratung, einzigartigen Service und ein persönliches Einkaufserlebnis. Nur in der Filiale können unsere Kunden die ganze Produktvielfalt unmittelbar erleben: verschiedene Texturen auf der Haut spüren, diverse Produktlinien ausprobieren, an unterschiedlichen Duftnoten riechen, neue Farbnuancen am eigenen Augen Make-Up testen – das ist es doch, was ein Beauty-Erlebnis ausmacht.

Wie würde Ihr (innovatives) Bild des Unternehmens der Zukunft aussehen?

Für mich stellt ein innovatives Unternehmen den Kunden permanent in den Mittelpunkt und findet auf seine individuellen Bedürfnisse die richtige Antwort. Das erfordert, dass wir vielleicht auch einmal radikale Innovationen schaffen: Produkte, die völlig neu ansetzen und unsere Kunden überraschen. Oftmals sind genau das die Innovationen, die Bedürfnisse befriedigen, die Kunden zuvor vielleicht noch gar nicht bewusst waren und somit auch völlig neue Märkte eröffnen.

Wer oder was inspiriert Sie und welchen Einfluss hat das auf Ihre Rolle?

Mich persönlich inspirieren unsere rund 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Douglas. Sie alle sind Markenbotschafter unseres Unternehmens und damit das Herz von Douglas. Ich freue mich auf jeden Besuch in einer unserer 2500 Filialen: die Erlebnisse am Puls unseres Unternehmens und in den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen sind für mich jedes Mal wahnsinnig inspirierend. Ich komme danach immer mit tollen Eindrücken und einem ganzen Strauß an neuen Ideen zurück.