
Das US-amerikanische „Time“-Magazin hat eine Vorliebe für Listen. Jedes Jahr kürt die Redaktion die 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Einfluss wird dabei häufig gleichgesetzt mit aktueller Popularität. In der diesjährigen Liste stehen Maler David Hockney, „Game of Thrones“-Schauspielerin Emilia Clarke und Make-up-Künstlerin Pat McGrath neben US-Präsident Donald Trump, Papst Franziskus und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.
Nun hat das Magazin zum fünften Mal die vermeintlich einflussreichsten Menschen des Internets gewählt. Die Gruppe besticht laut „Time“ mit globalem Einfluss per Social Media und der Fähigkeit, die Nachrichtenlage zu lenken. Auf ein Ranking der 25 Namen hat die Publikation verzichtet. Auf die Liste haben es unter anderem die Rapper Cardi B und Lil Nas X geschafft, die chinesische Influencerin Zhang Dayi, die koreanische Boyband BTS oder die Saudi-Araberin Rahaf Mohammed al-Kunun, deren Flucht vor ihrer Familie nach Kanada für Schlagzeilen sorgte.
Dies sind nach Ansicht von „Time“ einige der einflussreichsten Menschen im Internet:
#7 Hongkong-Protestler
Die Demonstranten in Hongkong stecken einfach nicht zurück. Für sie geht es bei den Protesten um die Unabhängigkeit von Festland-China und damit um ihre lange garantierte Freiheit. Anfang August stellten die Demonstranten erneut ihre Schlagkraft unter Beweis, als sie den internationalen Flughafen von Hongkong besetzten. In den Wochen zuvor waren Zehntausende von Demonstranten gegen die von Peking eingesetzte Stadtregierung auf die Straße gegangen. Schwarze Kleidung und Regenschirme sind Erkennungszeichen der Bewegung. Die organisiert sich vorwiegend über soziale Medien, laut „Time“ vor allem über die Messaging-App Telegram und das Online-Forum LIHKG, das als Hongkonger Version von Reddit bezeichnet wird.
#6 Emma Chamberlain
Emma Chamberlain ist der neue Superstar des Influencer-Marketings. Die Schülerin hat geschafft, wovon selbst erfolgreiche YouTuber bislang meist nur träumen konnten: Die 18-Jährige wird von Louis Vuitton hofiert. Dabei ist aber nicht ganz klar, wer von der Kooperation mehr profitiert. Chamberlain ist neben der ein Jahr jüngeren Popsängerin Billie Eilish die Vertreterin eines neuen, hippen, unbedarften Umgangs mit Luxusmarken. Bei oft zwei Millionen Instagram-Likes pro Post und mehr als acht Millionen YouTube-Abonnenten ist Chamberlain trotz oder gerade wegen ihres jungen Alters ein Social-Media-Powerhouse.
#5 Der Herzog und die Herzogin von Sussex
Den Herzog hätte sich „Time“ im Grunde schenken können. Seit die Beziehung von Prinz Harry und der Schauspielerin Meghan Markle bekannt wurde, ist die weltweite Klatschpresse dem Meghan-Wahn verfallen. Wenigstens etwas Gutes hat das Ganze. Die Herzogin von Sussex war in ihrem vorherigen Leben eine begeisterte Instagrammerin. Nun nutzt sie ihre Kenntnisse, um sozialen Themen und Projekten auf dem Account SussexRoyal weltweite Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dazu gehört, dass sie und ihr Mann jeden Monat alle Abos kündigen und einer neuen Gruppe von Organisationen folgen – ein Social-Media-Hauptgewinn für die Betroffenen.
#4 Ariana Grande
Beyoncé, wer? „Time“ hat sich statt der Queen of Pop lieber für Ariana Grande entschieden. Die vereint seit Jahren mädchenhaftes Pferdeschwanz-Wippen mit knappen Outfits und einer vier Oktaven umfassenden Gesangsstimme. Ähnlich wie Beyoncé hat sich auch Grande in der vergangenen Zeit ein feministisches Image erarbeitet. Der Songtitel „Thank U, Next“ zur gescheiterten Verlobung wurde umgehend zum geflügelten Wort. Im Februar 2019 gelang Grande, was zuletzt die Beatles geschafft hatten. Sie belegte die Top 3 der Billboard Hot 100 Charts.
#3 Fridays for Future
Heute kann eine Schülerin in Schweden eine globale Bewegung auslösen. Greta Thunbergs Schulstreik hat Millionen von Menschen inspiriert, ihrerseits sofortiges politisches Handeln für den Klimaschutz zu fordern. Die meist jungen Aktivisten organisieren sich online über die Hashtags „FridaysforFuture“ und „SchoolStrike4Climate“. Nach den Demonstrationen im März 2019 wird am 20. September zu einem weltweiten Generalstreik aufgerufen, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.
#2 Alexandria Ocasio-Cortez
Schwingt Trump Tweets wie Keulen, ist Alexandria Ocasio-Cortez die Florettkämpferin des sozialen Netzwerks. Ex-Vizepräsident Joe Biden mag momentan der Favorit der Demokraten sein, um Trump 2020 herauszufordern. Die wahre Zukunftshoffnung der Partei aber ist AOC. Dank einer engagierten Graswurzel-Kampagne mitsamt kluger Social-Media-Strategie gelang es der unbekannten Aktivistin aus New York City quasi über Nacht, zur jüngsten Kongressabgeordneten der US-Geschichte zu werden. Schmutzkampagnen der Gegenseite prallen bislang an der Politikerin ab. Die sammelt im Gegenzug mit humorvollen bis leidenschaftlichen Reaktionen auf Twitter Punkte im Kampf für Klimaschutz, Minderheiten- und Frauenrechte.
#1 Donald Trump
Das Entsetzen der Anfangszeit ist mittlerweile normales Nachrichtengeschäft geworden. Redaktionen stellen Journalisten ab, die immerzu den Twitter-Account von Donald Trump im Blick behalten. Nie hat sich ein US-Präsident (oder vermutlich sonst ein Regierungschef einer führenden Industrienation) derart ungefiltert per sozialen Medien zu Wort gemeldet. Trump droht Nordkorea, verkündet politische Richtungswechsel oder beschwert sich über vermeintliche Respektlosigkeiten. „Am 17. März sendete er binnen eines Tages 29 Tweets“, berichtet „Time“.































