InterviewStudieren auf Knopfdruck

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Capital 05/2014
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Kritiker sagen, die Online-Bildung bringe vor allem Akademiker weiter, also diejenigen, die schon wissen, wie man lernt. Der Rest lernt nichts. Allzu viele brechen die Kurse auch ab, ernsthaftes Lernen sie das nicht.

Sicherlich ist es leichter, einem Online-Kurs auf akademischen Niveau zu folgen, wenn man schon mal an einer Universität studiert hat. Aber es macht doch keinen Sinn, besser gebildete Menschen gegen weniger Gebildete auszuspielen. Fakt ist: Die Zugangsschwellen sind bei MOOCs wesentlich niedriger als an traditionellen Universitäten. Man braucht weder ein Abitur noch irgendeine andere formale Qualifikation, um daran teilzunehmen. Man braucht nicht einmal die deutsche Staatsbürgerschaft oder eine Aufenthaltsgenehmigung, da Online-Kurse von jedem beliebigen Ort der Welt aus besucht werden können. Kosten entstehen zudem nur dann, wenn man ein verifiziertes Zertifikat erwerben möchte. Der Besuch der Kurse selbst ist und bleibt kostenlos. Das heißt: Es entfallen sowohl administrative als auch räumliche als auch finanzielle Hürden.

Zu den hohen Abbruchraten ist zu sagen: Es kostet nur einen Mausklick, sich für einen Kurs anzumelden. Der Arbeitsaufwand ist aber vergleichbar mit dem in einem Proseminar an einer deutschen Universität. Da das MOOC-Phänomen noch relativ neu ist, unterschätzen wahrscheinlich viele, dass sie zwischen zwei und vier Stunden pro Woche für ihren Kurs einplanen müssen. Die Zahlen trügen aber auch: Wenn nur zehn Prozent von 20.000 Teilnehmern ihren Kurs erfolgreich abschließen, dann sind das auch immerhin 2000 Menschen, die substantiell etwas gelernt haben.

Auch große Unternehmen interessieren sich für Ihre Online-Kurse. Werden Sie künftig auch Weiterbildung für Firmen konzipieren?

Die Kurse bei Iversity werden weiterhin von Universitäten erstellt. Wir arbeiten derzeit daran, möglichst viele Kurse anzubieten, in denen berufsrelevante Fertigkeiten vermittelt werden. So wird z.B. der Kurs “Grundlagen des Marketing” der FH Lübeck ab Anfang Mai schon zum zweiten Mal angeboten. Im ersten Durchlauf haben wir Studierende kennengelernt, die von ihren Arbeitgebern eigens für den Besuch des Kurses freigestellt worden sind. Die Kosten für das Zertifikat in Höhe von 129 Euro wurde auf von deren Arbeitgebern übernommen. Dies sind ermutigende Zeichen, dass auch die Wirtschaft das Potential von MOOCs bei der Qualifikation von Mitarbeitern erkannt hat.

Welche MOOCs belegen Sie denn gerade?

Die Europäische Union wird immer wichtiger für das Leben der Europäer, nicht nur im Bildungswesen. Deshalb und wegen meines Studienhintergrundes verfolge ich den Kurs “The EU in Global Governance” ganz genau. Der ist wirklich gut gemacht und wird von einer Gruppe von Experten und Praktikern gelehrt, wie sie so keine Universität der Welt zu bieten hat.

Mehr zum „Studieren auf Knopfdruck“ in der aktuellen Capital-Ausgabe: Eine Bildungsrevolution rollt seit rund drei Jahren um den Globus: das digitale Studium im Internet. Vorlesungen als kurze Filme, Diskussionen mit Professoren in Chatforen, die abschließende Prüfung auch im Netz – und das Zertifikat kommt am Schluss per Post. „Massive Open Online Courses“ heißen diese Studiengänge. Kurz: Moocs. (Gesprochen: „Muhks“.) Der Markt dafür ist riesig. 

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