Interview"Jeder Schuh könnte Strom produzieren"

Hahna Alexander, Solepower
Hahna Alexander, Solepower
© Solepower

Hahna Alexander ist CEO und Mitgründern des US-Start-ups Solepower. Sie nimmt an der Tech-Konferenz Cube Tech Fair teil, die vom 10. bis 12. Mai in Berlin stattfindet. Capital ist Medienpartner der Veranstaltung.


Wieso braucht man einen Schuh mit Stromgenerator?

Wir dachten zuerst, es wäre toll, wenn die Schuhe als Ladegerät für Smartphones funktionieren könnten. Wir haben dann allerdings festgestellt, dass den meisten Leuten eine Ersatzbatterie reicht. Als viel sinnvoller erwies es sich, Arbeiter in gefahrvollen Umfeldern mit solchen Schuhen auszustatten. Dann kann ein GPS-Sender mit Strom versorgt werden, der jederzeit die genaue Position meldet. Und andere Sensoren, die die Tempretaur messen oder mögliche Müdigkeitserscheinungen.

Wie kamen Sie darauf?

Ich glaube, wir haben einfach zu viele Folgen von einer Serie geschaut, in der es um ein Spezialeinsatzkommando ging. Dessen Mitglieder konnten die Positionen ihrer Kollegen in Gefahrensituationen immer und überall bestimmen. Wir haben dann Industriearbeiter aus allen möglichen Branchen interviewt und festgestellt, dass es ziemlich breite Anwendungsbereiche gibt – von der Baubranche bis zur Polizei. Gerade da ist es wichtig, dass die Schuhe sich selbst wieder aufladen, weil die meisten Arbeiter keine Zeit haben, ihre Geräte an die Steckdose zu hängen.

Und gibt es dafür eine Nachfrage?

Ja, schon. Im Moment konzentrieren wir uns auf drei Branchen, für die eine gleiche Hardware-Plattform genutzt werden kann: die Bauindustrie, das Militär und die Feuerwehr, wo die Schuhe auch mit Lichtern ausgestattet werden, so dass die Feurwehrleute sich untereinander im Rauch sehen können. Natürlich sehen wir unser Ladesystem letztendlich im Grunde in jedem Schuh. Man könnte ja auch elektronische Kleingeräte damit aufladen.

War es schwer, Geld für Ihr Projekt aufzutreiben?

Geld zu bekommen, ist niemals leicht. Wir hatten das Glück, dass wir gute Kontakte zu Frühförder-Investoren und einzelnen Geldgebern hatten.

Schuh mit Stromgenerator
Schuh mit Stromgenerator
© Solepower

Unterstützung von der US-Armee

Welche technischen Probleme müssen Sie lösen?

Die vielleicht größte Herausforderung ist die Steuerung der Energieversorgung. Es hängt sehr stark von der Anwendung ab, wie der Strom verbraucht wird. Also auch davon, wie die Sensoren miteinander abgestimmt werden. Außerdem ist das Ladesystem selbst ziemlich komplex. Wir nutzen kleine mechanische Einheiten, ähnlich denen, die man in einer automatischen Uhr findet. Das System ist kleiner als ein Kartenspiel, aber muss ein großes Gewicht aushalten. Zudem muss es funktionieren, solange der Arbeitsschuh in Gebrauch ist, also Millionen von Zyklen überstehen. Das ist aus Ingenieurssicht eine ziemliche Herausforderung. Aber zum Glück hatten wir Unterstützung von einer Forschungseinheit der US-Armee.

Woher holen Sie sich ansonsten das Know-how?

Wir sitzen in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania, wo es ein sehr gutes Netzwerk von Akzeleratoren und Inkubatoren gibt. Und mögliche Kunden wie Baufirmen oder Energiekonzerne. Es gibt ein militärisches Testgelände, das nicht weit von uns liegt und das wir nutzen können. Eine Reihe von Industriebetrieben kann uns mit kleinen Stückzahlen der Teile beliefern, die wir brauchen – was bei Hardware-Prototypen oft wichtig ist. Im Grunde kann ich mir kein besseres Umfeld für ein Hardware-Startup vorstellen.

 

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