FinanzhilfenDiese Hilfen können Kleinunternehmer jetzt beantragen

In einem Fenster eines Cafes im Bremer „Viertel“ hängt ein Schild mit der Aufschrift „Help! Dieser Laden ist geschlossen. Geöffnet werden kann er nur mit Hilfe!“
In einem Fenster eines Cafes im Bremer „Viertel“ hängt ein Schild mit der Aufschrift „Help! Dieser Laden ist geschlossen. Geöffnet werden kann er nur mit Hilfe!“dpa

#1 Soforthilfe für Solounternehmer

Wem als Kleinunternehmer oder Freischaffenden der Umsatz wegbricht, kann an dem Soforthilfe-Programm teilnehmen. Für Selbstständige und Betriebe, die wegen der Corona-Krise existenzgefährdet oder in Liquiditätsengpässe geraten sind, stehen 50 Mrd. Euro bereit. Unternehmen bis zu fünf Beschäftigten (Vollzeitäquivalente) erhalten einen einmaligen Zuschuss von bis zu 9000 Euro für drei Monate, wenn sie nach dem 11. März einen Schadenseintritt erlitten haben. Für bis zu zehn Mitarbeiter sind es 15.000 Euro Einmalzahlung für drei Monate.

Die Zuschüsse, die bei maximaler Ausschöpfung drei Millionen Selbstständige erreichen sollen, müssen nicht zurückgezahlt werden. So können laufende Betriebsmittel finanziert werden. Darunter sind alle laufenden Kosten wie Mieten und Kaution für Büro- und Gewerberäume, Personalkosten oder Leasing-Raten zu verstehen.

Wenn der Mieter die Miete reduziert, können gegebenenfalls nicht ausgeschöpfte Zuschüsse auch für zwei weitere Monate eingesetzt werden. Bewilligt werden die Anträge durch die jeweiligen Länder oder Kommunen. Die Antragstellung soll möglichst elektronisch erfolgen.

#2 Sofort- und Notkredite

Auf Drängen des Mittelstands hat die Bundesregierung eine Lücke in ihrem Rettungsschirm für deutsche Unternehmen geschlossen. Für gesunde Firmen, die nur durch die Corona-Pandemie in Turbulenzen geraten, wird die Haftung zu 100 Prozent freigestellt und auf eine übliche Risikoprüfung verzichtet. Der von der EU gebilligte Schnellkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) soll beschleunigt zu haben sein, wenn der Mittelständler mit mehr als zehn Beschäftigten im vergangenen Jahr oder im Durchschnitt der letzten drei Jahre einen Gewinn ausgewiesen hat.

Pro Firma soll es bis zu drei Monatsumsätze des Jahres 2019 geben oder maximal 500.000 Euro für Betriebe bis zu 50 Beschäftigten und höchstens 800.000 Euro bei mehr als 50 Mitarbeitern. Das Unternehmen darf Ende 2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen sein und muss zu diesem Zeitpunkt „geordnete wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen“. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre. Der Zinssatz für den Schnellkredit liegt mit drei Prozent höher als in dem schon angelaufenen KfW-Notprogramm. Dafür haftet der Bund zu 100 Prozent. Bereits ab Gründonnerstag sollen Hausbanken in der Lage sein, Anträge zu bearbeiten.

Bisherige KfW-Notkredite aus dem Hilfsprogramm des Bundes werden in unbegrenzter Höhe gewährt – ebenfalls über die Haus- oder Förderbank des Bundeslandes bei der KfW. Dabei liegt der Zinssatz der Darlehen für kleine und mittlere Firmen zwischen 1,0 und 1,46 Prozent pro Jahr, bei größeren Unternehmen zwischen 2,0 und 2,12 Prozent. Eine vereinfachte Risikoprüfung und die jeweils niedrigeren Zinssätze gelten für Darlehen bis zu einer Höhe von 3 Mio. Euro. Für Anträge von Kleinstunternehmen und Mittelständlern gilt in dieser Kategorie für die Banken eine 90-prozentige Haftungsfreistellung, bei Großunternehmen von 80 Prozent.

#3 Steuerstundungen

Wer dem Finanzamt nachweisen kann, dass die Corona-Krise für finanzielle Engpässe verantwortlich ist, kann etwa die Vorauszahlung von Gewerbesteuern aussetzen. Auch eine Steuerstundung ist möglich. Hier ist es ratsam, dem Amt die genau dokumentierten Umsatzausfälle darzulegen. Die Formulare sind auf den Webseiten des zuständigen Finanzamts zu finden und sind üblicherweise online auszufüllen.

Auf Säumniszuschläge wird das Finanzamt in den kommenden Monaten voraussichtlich verzichten. Die Ausnahmesituation führt außerdem zur Aussetzung von Vollstreckungen.

#4 Arbeitgeberbeiträge

Die gesetzliche Krankenversicherung hat in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, dass Unternehmen in Notlage sich auf Antrag die für die Monate März bis Mai fälligen Beiträge für Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung stunden lassen können, um nicht in Liquiditätsprobleme zu geraten. Der Arbeitgeber muss dafür weder eine Sicherheit bieten, noch werden Stundungszinsen oder Säumniszuschläge berechnet.

Allerdings gilt die Möglichkeit zur Stundung nur, wenn andere Hilfen der Regierung nicht greifen. So sieht etwa die Ausweitung der Kurzarbeit vor, dass Firmen die Sozialbeiträge für die Ausfallstunden komplett vom Staat erstattet werden.

#5 Kurzarbeitergeld

Deutschland zählt gerade so viele Kurzarbeiter wie noch nie zuvor. Während die Bundesregierung in der Finanzkrise noch 1,4 Millionen Kurzarbeiter zählte, rechnet sie jetzt mit mehr als zwei Millionen. Die Agentur für Arbeit muss sich auf Kosten von mehr als 10 Mrd. Euro einstellen.

Rückwirkend bis Anfang März können Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen. In diesem Fall übernimmt die Agentur für Arbeit neben der Lohnfortzahlung auch die Zahlungen der Sozialversicherung Ihrer Mitarbeiter. Das geht hier online. Wer Leiharbeiter beschäftigt, kann für diese ebenfalls Kurzarbeitergeld beantragen. Aber Achtung: Der Antrag ist nur gültig, wenn mindestens zehn Prozent der Angestellten von der Kurzarbeit betroffen sind. Diese bekommen dann 60 bzw. 67 Prozent ihres regulären Netto-Lohns – je nachdem, ob sie Kinder haben oder nicht. Der Arbeitgeber kann den Betrag noch aufstocken.

#6 Grundsicherung

Wer seinen Lebensunterhalt plötzlich durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nicht mehr bestreiten kann, hat ein Recht auf Grundsicherung. Die Arbeitsagenturen in Deutschland passen sich derzeit an die Lage an und stellen sich darauf ein, den plötzlich Erwerbslosen die Grundsicherung unkompliziert verfügbar machen zu können. Da auch die Jobcenter-Mitarbeiter größtenteils aus dem Homeoffice heraus tätig sind, kann es zu überlasteten Leitungen kommen. Derzeit werden zusätzliche Rufnummern eingerichtet. Alle Informationen und Nummern dazu finden Sie hier.

Die Vermögensprüfung oder Prüfung der Höhe der Wohnungsmiete soll während der Corona-Krise ausgesetzt werden, um unnötig lange Wartezeiten zu vermeiden. Laut Finanzminister Scholz kann diese zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, zunächst würden formlose Anträge telefonisch oder schriftlich ans zuständige Amt genügen. Das gilt auch für Solo-Selbstständige, die eigentlich nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert sind. Die Regierung rechnet damit, dass es bis zu 1,2 Millionen zusätzliche Bezieher von Grundsicherung geben wird – und dadurch 10 Mrd. Euro Mehrkosten entstehen.

 


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