ManagementSo demotivieren Chefs ihre Mitarbeiter

Nichts ist demotivierender als dauerhafter Stress
Nichts ist demotivierender als dauerhafter Stress Getty Images

Die beste Lektion in Sachen Mitarbeitermotivation ist erschreckend banal. Und kostet nicht einmal etwas. Sie lautet: Hören Sie auf zu demotivieren. Immer mehr Unternehmen lassen sich immer neue und immer teurere Benefits einfallen, um Mitarbeiter erst zu werben und dann zu halten. Sie lassen sich die Motivation einiges kosten. Dabei ist das gar nicht nötig. In der Regel bringen Mitarbeiter eine gesunde Portion Motivation mit, brennen für neue Aufgaben, doch nur allzu oft wird das Feuer erstickt.

Ein gern zitiertes Beispiel stammt aus der Versicherungsbranche. Ein Konzern hatte das „Jahr der Lebensversicherungen“ ausgerufen. Alle Mitarbeiter zogen an einem Strang, setzten alles daran, das Geschäft mit den Lebensversicherungen zu steigern. Und tatsächlich. Unter äußerster Kraftanstrengung schafften sie ein Plus von 50 Prozent. Auf der Jahresabschlussfeier bedankte sich der Vorstandsvorsitzende, die Belegschaft war in Feierlaune. Und dann sagte der Chef diesen einen Satz, der die Stimmung in den Keller trieb: „…und im nächsten Jahr werden wir diese Summe nochmals um 30 Prozent steigern. Das ist unser neues Jahresziel!“ Das Ergebnis zu halten wäre schon ein Erfolg. Schließlich hatten alle Mitarbeiter sich dem einen Ziel untergeordnet, andere Aufgaben hintangestellt, sich aufgeopfert. Das Ergebnis noch einmal zu steigern, schien unmöglich. Das Lob verpuffte, es klang fast wie ein Vorwurf, nach: „Da ist immer noch Luft nach oben.“ Über das Erreichte konnte sich an diesem Abend niemand mehr freuen. Der Motivationskiller hatte einen Blattschuss gesetzt.

Das National Business Research Institute in Texas hat eine Studie dem Thema Demotivation gewidmet und eine Liste erstellt, wie Manager Mitarbeitern den Spaß an der Arbeit nehmen, und damit die Produktivität des Unternehmens gefährden. Das sind die zehn größten Motivationskiller:

#1 Pessimismus

Der Chef sollte ein leuchtendes Beispiel sein. Skeptiker, Zyniker und Nörgler, die alles schlecht reden und lieber kritisieren als loben, töten auf Dauer die Motivation. Wenn eh alles schlecht ist, warum sollen sich die Mitarbeiter dann noch den Allerwertesten aufreißen?

#2 Gehalt

Geld ist nicht alles. Aber wenig Geld kann zu viel Unmut führen. Das Gehaltsgefüge in einem Unternehmen sollte ausgewogen sein, die Bezahlung sich an der Leistung orientieren. Wer viel und Gutes leistet, sollte das auch vergütet bekommen. Denn das Gehalt ist auch immer ein Zeichen von Wertschätzung. Wenn sich Leistung aber nicht auf dem Lohnzettel widerspiegelt, besteht die Gefahr, dass der Mitarbeiter bald nur noch Dienst nach Vorschrift macht. Denn darin hatte Helmut Kohl recht: „Leistung muss sich lohnen.“

#3 Unsicherheit

Wer glaubt, der Chef habe ihn auf dem Kieker, oder aber er fürchtet um seinen Arbeitsplatz, weil ständig Berater und Optimierer durch die Gänge des Unternehmens streunen, der wird nicht die beste Arbeit abliefern. Auch wenn manche Chefs glauben, der Druck würde zu härterem Arbeiten anspornen. Wer sich aber um seine Existenz fürchtet, der hat selten den Kopf frei für seinen Job. Vielmehr kämpft er mit Sorgen und Zukunftsängsten.

#4 Druck

Der Motivationskiller Nummer eins ist Stress. Kurzfristig kann Stress zwar helfen, die Leistung zu steigern. Andauernder Druck ist dagegen gesundheitsgefährdend und killt die Motivation. Wer wegen Stress schlecht schläft, sich morgens nur mühsam aus dem Bett quält und sich nur widerstrebend zur Arbeit schleppt, wird sich auch nicht für die Arbeit motivieren können. Dass Motivation über Druck aufgebaut werden könne, ist ein Trugschluss.

#5 Geringschätzung

Wer gute Arbeit leistet, ist stolz darauf. Und möchte auch dafür gelobt werden. Ein einfaches „Danke“ kann schon Wunder bewirken. Lob und Anerkennung sind immer noch die beste Motivation. Doch oftmals sehen die Vorgesetzten über die herausragende Arbeit hinweg, erst bei einem Fehler reagieren sie. Tschüss Motivation.