KarriereSchleichender Psychoterror: die vier Phasen des Mobbings

Symbolbild Mobbing
Symbolbild MobbingGetty Images

Was ist noch normales Kabbeln unter Kollegen, was ist schon Mobbing? Diese Frage quält viele Betroffene. Denn oft bekommen sie zu hören: Du bist einfach zu empfindlich. Leider hat der Gesetzgeber keine offizielle Definition festgeschrieben. Die systematische Schikane unter Kollegen oder vom Vorgesetzten kann zudem viele verschiedene Formen annehmen. Auch das macht das Fazit „Ich werde gemobbt“ so schwierig.

Obwohl jeder Fall etwas anders gelagert ist, definieren Arbeitsrechtsexperten vier „klassische“ Phasen des Mobbings. Sie beschreiben die Eskalationsstufen des Psychoterrors am Arbeitsplatz.

Phase 1: Der Auslöser

Oft ist ein konkreter Konflikt der Auslöser. Es kommt zu ersten Schuldzuweisungen und auch vereinzelten persönlichen Angriffen. Die Schikane muss nicht sofort einsetzen. Manchmal bereitet ein Streit wachsenden Ressentiments den Nährboden.

Phase 2: Die Zuspitzung

„Der ungelöste Konflikt gerät in den Hintergrund, die betroffene Person wird immer häufiger zur Zielscheibe von systematischer Schikane“, beschreibt die IG Metall die nächste Phase. Die Schikane führt dazu, dass das Opfer unter den Kollegen ausgegrenzt und isoliert wird. Die Folge des Psychoterrors: Das Selbstwertgefühl nimmt ab, der Betroffene gerät in die Opferrolle.

Phase 3: Die Eskalation

Das Mobbing richtet jetzt greifbaren Schaden an. „Die gemobbte Person ist völlig verunsichert und verängstigt, kann sich nicht mehr konzentrieren und macht Fehler“, beschreibt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di diese Stufe. Das Opfer werde nun gleich doppelt zur Zielscheibe. Denn wegen der Fehler drohen arbeitsrechtliche Sanktionen wie Abmahnung, Versetzung oder gar Kündigung. Oft verkenne die Unternehmensführung den wahren Auslöser der nachlassenden Performance, kritisiert die IG Metall. Dasselbe könne für behandelnde Ärzte gelten, die bei Reaktionen auf das Mobbing Fehldiagnosen stellen. In schlimmen Fällen kann diese dritte Phase mehrere Jahre dauern. Die Schikane wird zum Arbeitsalltag.

Phase 4: Das Ende

Der unerbittlich mobbende Chef oder Kollege hat das Ziel erreicht. Das Mobbing-Opfer erhält wegen unbefriedigender Leistung die Kündigung oder verlässt das Unternehmen. „Oft sind psychosomatische Krankheiten oder langfristige Krankschreibungen die Folge, manchmal auch eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit“, warnt die IG Metall.

Mobbing kann das Selbstwertgefühl und auch die Karriere zerstören. Umso entscheidender ist es für Betroffene, es nicht zur vierten Phase kommen zu lassen. Schon bei der Zuspitzung des Konflikts, spätestens aber während der Eskalationsstufe müssen auf die Erkenntnis „Ich werde gemobbt“ Taten folgen.