PorträtSälzers Bench-Pleite: „Ich dachte, es wäre leichter“

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Bench statt Benetton

Nachdem Sälzer von dem neuen Boss-Eigentümer, dem Finanzinvestor Permira, 2008 nach 13 Jahren im Vorstand vor die Tür gesetzt wurde, weil er sich gegen eine Sonderausschüttung sperrte, ertrank er in Jobangeboten. Sälzer entschied sich für die angeschlagene Münchner Damenluxusmarke Escada. Die Insolvenz konnte er nicht mehr verhindern. Aber er schaffte es, die Firma nach der Pleite wiederzubeleben.

Die Überraschung kam 2014, als der langjährige Haute-Couture-Manager die Premiumliga der Branche verließ und in die Nische wechselte – obwohl es andere Angebote gab. Sälzer hätte bei der italienischen Modeikone Benetton anheuern können. Stattdessen entschied er sich, als Chef und Miteigentümer bei dem britischen Streetwearlabel Bench einzusteigen – bei einer Marke, die schon länger mit sinkenden Umsätzen kämpfte. In der Modebranche rümpften einige die Nase über den Kollegen, der sich mit Ende 50 fortan meistens im Bench–typischen Kapuzenpulli zeigte statt wie früher im dunklen Boss-Anzug.

Gern hätte es Sälzer auch mit Bench wieder allen gezeigt – so wie schon mit Boss und Escada. Doch bis er als Firmenchef im März 2018 so überraschend aufhörte, wie er begonnen hatte, war es ihm nicht gelungen, aus dem Krisenlabel wieder eine Erfolgsgeschichte zu machen. „Bench hat sich für Sälzer als schwierigerer Fall herausgestellt als gedacht“, sagt ein Brancheninsider. Der gefeierte Sanierer ist bei Bench zum ersten Mal an seine Grenzen gestoßen.

Häufiger in Helsinki als in New York

In der Amer-Sports-Zentrale in Helsinki sitzt Sälzer nach seiner Shoppingpause im Outletstore jetzt in einem kahlen Konferenzraum – direkt hinter dem Eingang des luftigen, fast verlassen wirkenden Gebäudes aus Backstein und Glas, in dem es mehr Showrooms zu geben scheint als Büros. Der Konzern führt mit seinen Marken den globalen Wintersportmarkt an, mit 2,7 Mrd. Euro Umsatz und mehr als 8000 Mitarbeitern weltweit. Doch in der Zentrale sitzen keine 100. Der Rest ist über Europa und Nordamerika verstreut bei den zwölf Marken, die das Unternehmen seit den 80er-Jahren wie ein Staubsauger geschluckt hat.

Sälzer trägt ein sportliches Sakko und die Salomon-Schuhe aus dem Shop in Schwarz. Man kann ihm ansehen, dass der frühere Träger des schwarzen Gürtels in Karate in seinem Fitnessstudio in Grünwald mit 60 Jahren noch immer 80 Kilo an der Langhantel stemmt. Auch an diesem Morgen war er schon im Kraftraum – obwohl er erst um kurz vor Mitternacht mit der letzten Maschine aus München gelandet ist. Ähnlich wie in den USA mischen Chairmen in Finnland auch im operativen Geschäft mit. Inzwischen fliegt Sälzer häufiger nach Helsinki zu Amer Sports als nach New York.

Im Gespräch zieht Sälzer plötzlich sein Handy aus der Tasche, er will ein Video zeigen. Neulich hat sich der Betriebsratschef von Boss bei ihm gemeldet und bat um einen Gefallen: einen Abschiedsgruß für den langjährigen Kantinenchef, der in Rente ging. Im Video trägt Sälzer ein schwarzes Boss-Shirt. Das sei in Metzingen gut angekommen, sagt er, als die Aufnahme stoppt. Als er nach dem Krach mit Permira gehen musste, schrieb er seinen Mitarbeitern: „Ich gehe ungern.“ Später sagte er, die Trennung von Boss sei für ihn „wie eine Scheidung“ gewesen.