InterviewRegina Halmich über ihre erste Million

Regina Halmichimago images / STAR-MEDIA


Regina Halmich, 43, machte Frauen­boxen in Deutschland populär. Von 1995 bis 2007 war sie unge­schlagene Weltmeisterin, von ihren 56 Profi­kämpfen verlor sie nur einen.


Frau Halmich, Sie haben nach der mittleren Reife eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin gemacht. Wie kamen Sie zum Boxen?

Das zeichnete sich eigentlich schon mit 14, 15 Jahren ab. Selbstverständlich war das aber nicht. Anfang der 90er-Jahre konnte sich kaum jemand vorstellen, dass ich einmal davon leben können würde.

Damals war Frauen das Amateurboxen sogar verboten.

Also hat mein damaliger Trainer gesagt: Dann schließen wir uns eben dem amerikanischen Verband an – und holen das Profiboxen für Frauen nach Deutschland.

Das Interview mit Regina Halmich aus der Reihe „Meine erste Million“ ist in Capital 07/2020 erschienen

Wann konnten Sie davon leben?

Im August 1995 wurde ich von Universum unter Vertrag genommen, das war damals einer der größten Boxställe Europas. Ich bezog ein monatliches Gehalt von 3500 Mark.

Es gab keine Kampfprämien?

Doch, später habe ich für Siege sogenannte Kampfbörsen bekommen. Da habe ich dann mal 30.000 oder 50.000 Euro verdient. Aber das ist brutto – und der Promoter und der Trainer kriegen auch noch ihren Anteil.

Wann war die erste Million da?

Das kam erst ganz zum Schluss. Der Knoten ist geplatzt, als das ZDF in die Liveübertragung eingestiegen ist – auch wenn ich am Anfang noch um ein Uhr nachts gezeigt wurde und erst 2003 ins Hauptprogramm gerückt bin. Bei meinem Abschiedskampf 2007 haben dann neun Millionen Menschen zugeschaut – das waren über 30 Prozent Marktanteil.

Damit wurde es lukrativ?

Da habe ich dann schon im sechsstelligen Bereich verdient. Aber fast bis zum Schluss wollte man mir nicht das Geld geben, das mir zustand – so viel wie meinen männ­lichen Kollegen. Da habe ich gesagt: Jetzt reicht’s mir. Erst für die letzten drei, vier Kämpfe konnten wir durchsetzen, dass ich nicht nach Geschlecht, sondern nach
Einschaltquote bezahlt wurde.

Und wofür haben Sie das Geld ausgegeben?

Ich bin normal geblieben, habe mir nicht sofort den Porsche geleistet. Man darf nicht vergessen: Das Geld, das wir als junge Profisportler verdienen, muss reichen bis zum Ende.

Kümmern Sie sich um Ihre An­lagen selbst?

Ich komme aus einem bodenständigen Elternhaus. Mein Vater ist Bilanzbuchhalter, der macht noch heute meine Steuer. Ich habe fürs Alter vor­gesorgt und Aktien und eine Wohnung gekauft.

Wie verdienen Sie heute Ihr Geld?

Ich halte Motivationsvorträge bei Firmen, habe immer noch gute Sponsoren, kommentiere Boxkämpfe im Fernsehen und moderiere auch mal Veranstaltungen. Das Schöne ist: Jeder Monat ist anders.

Was haben Sie noch vor?

Im Prinzip habe ich alles erreicht, was ich wollte. Natürlich habe ich kein Millionenpublikum mehr. Aber wichtig ist, dass man auch mit kleineren Dingen zufrieden ist. Wenn ich heute einen Vortrag halte, und danach sagen mir hundert Leute, dass es ihnen was gegeben hat, dann macht mich das auch glücklich.


Erste Million erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Interviews aus dieser Serie finden Sie hier. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay