PorträtCarsten Maschmeyer - der American Dreamer

Carsten Maschmeyer im Wework-Büro in Seattle
Carsten Maschmeyer im Wework-Büro in SeattleCarlos Chavarría

Die zwei Männer sind sich noch nie begegnet, trotzdem gibt es zur Begrüßung ein großes Hallo. Hände fliegen empor und klatschen auf Schultern, Carsten Maschmeyer drückt Dave Hanley an die Brust, CEO des Start-ups Tomorrow Ideas.

„Endlich sehe ich, dass es dich wirklich gibt!“, ruft Maschmeyer.

„Brother!“, stößt Hanley aus, leicht überrumpelt.

Hier im Tomorrow-Büro in Seattle treffen sich die beiden erstmals persönlich: Hanley, ein Mann mit glatt rasiertem Schädel, Gründer des Versicherungs-Start-ups – und Maschmeyer, der in dieses Start-up investiert. Wenig später sitzen sie in einem Besprechungsraum. Einer von Hanleys Mitgründern stellt sich vor: Er habe einst eine Firma gegründet, sie verkauft, die Welt bereist, sei dann bei Tomorrow eingestiegen …

„… also hast du mit zehn angefangen!“, ruft Maschmeyer.

Die Runde lacht höflich.

Es ist Ende Mai, und Maschmeyer reist durch die USA, um sein Netzwerk mit Gründern und Risikokapitalgebern auszubauen. Los Angeles, Seattle, San Francisco. Weit weg von Deutschland, wo Maschmeyer als einer der schillerndsten Geschäftsmänner gilt. Reich geworden ist er mit seinem Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD), einem Vermittler von Finanzprodukten. Wegen dessen fragwürdiger Methoden – Stichwort Strukturvertrieb, bei dem Kunden weitere Kunden werben – gilt der Milliardär noch heute vielen als „Drückerkönig“.

Doch das war bei Weitem nicht die einzige Rolle, die er im Lauf der Zeit innehatte: Man kennt ihn als Kanzlerfreund, Ehemann der Schauspielerin Veronica Ferres, TV-Star in „Die Höhle der Löwen“. Heute 60 Jahre alt, hat er so viele Häutungen durchlaufen, dass man sich fragt, wo zwischen der Reiz-, Hass- und Kunstfigur der Kern des Carsten Maschmeyer steckt. Nun, auf der mehrtägigen USA-Reise, auf der Capital ihn begleitet, will er zeigen, dass man ihn als Investor ernst nehmen muss.

Gegen die Langeweile

Die Tomorrow-Leute hat Maschmeyer bisher nur über Skype gesprochen, jetzt will er sie kennenlernen. Gefunden hat das Start-up sein fünfköpfiges Team, Maschmeyer Group Ventures in San Francisco. Dort machen rohe Backsteinwände und Nitro-Cold-Brew-Kaffee eine Botschaft klar: Wir gehören dazu, sind Teil des Silicon Valley. Diese Ambitionen kreuzen sich nun in Seattle aufs Vortrefflichste mit Maschmeyers Vergangenheit. Als sogenanntes Insurtech will Tomorrow die Versicherungsbranche umpflügen – eine Branche, die Maschmeyer so gut kennt wie wenige andere.

Am Konferenztisch setzt der zweite Mitgründer zur Vorstellung an. Früher habe er für das US-Verteidigungsministerium gearbeitet, das Department of Defense …

„… und jetzt arbeitest du für das Department of Offense!“, ruft Maschmeyer. Noch mal höfliches Gelächter, am lautesten lacht er selbst. Start-up, Offensive, schon klar.