InterviewMia Julia über ihre erste Million

Mia Julia, Party-Schlagersängerin
Mia Julia, Party-Schlagersängerindpa


Mia Julia, 32, geboren als Julia Brückner, gelernte Friseurin, arbeitete zunächst als Darstellerin in Pornofilmen. Mittlerweile tritt sie als Sängerin am Ballermann, beim Oktoberfest oder bei Après-Ski-Partys auf. Pro Auftritt bekommt sie 13.000 Euro und gilt damit als bestverdienende Künstlerin ihres Fachs in Deutschland.


Capital: Frau Brückner, wie wird man Party-Schlagersängerin?

MIA JULIA: 2012 habe ich noch Pornofilme gemacht. Nicht aus finanziellen Gründen, das war eher ein beklopptes Hobby. Dann bin ich in einem Musikvideo mit Künstlern aus Mallorca aufgetreten, und einer davon hat mich zur Eröffnung der Partysaison auf die Insel eingeladen. Dort lernte ich durch Zufall die Agentin des Bierkönigs kennen, einer der bekanntesten Diskotheken am Ballermann. Die wollte mich auf der Bühne, und ich habe gesagt, ich probier’s mal und schaue, ob ich da Spaß dran habe – und ob ich überhaupt singen kann.

Scheint geklappt zu haben?

Nach meinem ersten Auftritt kam der Big Boss und sagte: Du darfst jetzt wöchentlich kommen. Dann haben wir – mein Mann Peter und ich – uns in die Szene reingefühlt und unseren „Mallorca-Style“ entwickelt. Wir haben uns gesagt, wir müssen die Musik machen, auf die junge Leute Bock haben.

Mittlerweile haben Sie über 300 Auftritte im Jahr. Wie halten Sie das durch?

Der Job ist kein Zuckerschlecken. Das ist schon anstrengend, aber ich liebe das. Ich kann auch mal entspannt auf der Couch liegen, weil ich meine Energie auf der Bühne rauslasse. Viele sehen nur die halbe Stunde Halligalli beim Auftritt, aber die meiste Zeit verbringen wir im Flieger oder im Auto. Das Reisen und die wenigen Stunden Schlaf, das zehrt manchmal.

Wie fühlte es sich an, als die erste Million auf Ihrem Konto war?

Unwahr. Ich dachte: Jetzt brauchst du nicht mehr so viele Existenzängste haben. Andererseits will ich nicht, dass das Geld über meine Person entscheidet. Das ganze Finanzielle macht eher mein Mann. Wenn ich alle hundert Jahre mal einkaufen gehe, schaue ich immer noch auf den Preis. Ich weiß einfach, was ein Euro bedeutet – ich habe Friseurin gelernt und 1200 Euro im Monat verdient, was schon richtig gut war. Ich spüre immer noch, wie ich damals zum Bankschalter gegangen bin und Angst hatte, ob noch Geld auf dem Konto ist und ich die Handyrechnung bezahlen kann. Dieses Gefühl habe ich bis heute in mir.

Was leisten Sie sich jetzt?

Ich habe gar nicht so viele Ansprüche. Wir wohnen immer noch zur Miete, und wenn wir demnächst nach Köln umziehen, werden wir auch da was mieten, wir haben uns immer noch nichts gekauft. Letztes Jahr haben wir uns immerhin ein ordentliches Auto gegönnt, damit ich nicht immer schon gerädert beim Auftritt ankomme.

Für Newcomer kann die Unterhaltungsbranche hart sein. Wie schützen Sie sich vor Ausbeutung?

Es ist wahnsinnig wichtig, ein stabiles Umfeld zu haben. Peter hat mich als Friseurin kennengelernt, wir haben uns das zusammen erarbeitet. Bei ihm hatte ich nie Angst, dass der einen Euro an mir verdienen will. Das ist unser gemeinsames Projekt, und wir haben immer über alles gesprochen: Was ist okay, was macht dir Spaß? Irgendwann war automatisch klar, dass Peter mein Management macht. Wir merken auch, wenn wir an komische Menschen geraten, denen es nur um den schnellen Euro geht.


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