InterviewNora Wohlert: „Wir müssen noch für viele Dinge kämpfen“

Seite: 3 von 3

Die Schwierigkeit, Kontrolle abzugeben

Welche Führungseigenschaft ist Dir persönlich an Dir wichtig?

Ich möchte für mein Team gerne eine Art Mentorin sein – was ich aber sicherlich noch nicht optimiert habe. Ich würde gerne gar nicht so viel vorgeben, sondern jeden im Team dazu befähigen, selber zu wachsen, einen Weg zu beschreiten. Ich muss aber sagen, da bin ich selbst noch auf dem Weg.

Was sind da die Herausforderungen?

Was es am schwersten macht, ist der eigene Perfektionsanspruch und die Schwierigkeit, Kontrolle abzugeben.

Was nimmst du dir sonst noch vor, wie planst du deine berufliche Zukunft?

Die nächsten Jahre sehe ich mich auf jeden Fall bei Edition F. Wir fühlen uns noch immer, als stünden wir ganz am Anfang und wollen ganz viel ausprobieren. Zum Beispiel haben wir uns entschieden, dass wir weiterhin nicht den klassischen Start-up-Weg gehen wollen – mit regelmäßigen Finanzierungsrunden und schnellem, starkem Wachstum. Wir wollen unser Unternehmen nachhaltig aufbauen, kontinuierlich aus eigener Kraft wachsen und einen gewissen Prozentsatz an Anteilen behalten, weil wir selbstbestimmt entscheiden wollen, wie sich das Unternehmen entwickelt. Wir führen Edition F also ein bisschen wie ein Familienunternehmen.

Wenn es Edition F nicht gäbe – was würdest du am liebsten tun?

Ich könnte mir vorstellen in die Politik zu gehen, weil das ein Bereich ist, das hier und da innovative Impulse gebrauchen kann und ich von mir behaupten würde, dass ich dazu an der ein oder anderen Stelle beitragen kann. Was mir auch am Herzen liegt: Die Start-up-Szene insgesamt. Daher könnte ich mir auch vorstellen, selbst in ein Unternehmen zu investieren, am liebsten in ein weibliches, denn die Gesamtinvestmentszene ist immer noch sehr männlich geprägt. Ich bin schon der Meinung, dass man mit einer guten Idee auch als Frau auf jeden Fall Geld am Markt bekommt, aber man schon merkt, dass es gerade im Early-Stage-Investmentbereich schwieriger ist, jemanden von einer Idee zu überzeugen, der vielleicht das Produkt nicht unbedingt selbst nutzen möchte. Und ich glaube viele Frauen haben einfach Ideen, die ein persönliches Need umschreiben.