InterviewNora Wohlert: „Wir müssen noch für viele Dinge kämpfen“

Seite: 2 von 3

„Unternehmen haben Angst, Etabliertes aufzugeben“

Die Community ist das Herzstück von Edition F. Welche Rolle spielen Netzwerke denn für die Gleichstellung?

Sie sind super wichtig. Wenn sich Menschen zusammentun, über Themen nachdenken, diskutieren, gemeinsam die Agenda setzen, werden Themen größer in der öffentlichen Wahrnehmung und dadurch wird auch ein politischer Druck ausgeübt. Obwohl es schon viele Jahre Frauennetzwerke gibt und beim Thema Gleichberechtigung in Deutschland schon viel erreicht wurde, ist es wichtig, dass wir uns in Netzwerken zusammenschließen, um nicht alleine kämpfen zu müssen. Und ich glaube, wir müssen noch für viele Dinge kämpfen.

Für Gleichberechtigung in der Arbeitswelt spielen flexible Arbeitsmodelle eine große Rolle. Warum tun sich viele Unternehmen genau damit oft so schwer?

Ich glaube, Unternehmen haben Angst, bestimmte Dinge, die schon etabliert sind, aufzugeben, Angst davor, dass etwas schlechter wird. Deshalb halten sie lieber am Status quo fest. Allerdings glaube ich, dass die meisten Unternehmen eher Angst haben sollten, wenn sie nichts ändern. Was ich sehr stark beobachte ist, dass junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer andere Ansprüche an ihr Arbeitsumfeld haben.

Welche sind das?

Wenn ich so zehn Jahre zurückschaue in meinem Berufsleben, war es für mich total normal, dass ich am Wochenende in der Agentur noch Pitches gemacht habe, und mir, wenn ich um 19 Uhr gegangen bin von Kollegen anhören durfte „Hast dir wohl den halben Tag freigenommen“. So etwas nehmen junge Menschen heute nicht mehr bereitwillig hin – obwohl sie trotzdem Karriere machen wollen.

„Beim Thema Sichtbarkeit ist noch viel zu tun“

Was muss sich in Unternehmen also am dringendsten verändern?

Beim Thema Sichtbarkeit ist viel zu tun. Ich glaube, dass es noch sehr in unserer Arbeitskultur verankert ist, dass man guckt, wer da ist, wie oft und wie lange. Es entsteht das Gefühl, dass diejenigen am meisten arbeiten, die am längsten da sind. Ich denke, wenn es in diesem Bereich keine Bewegung gibt, werden Unternehmen in fünf, spätestens zehn Jahren große Probleme haben, neue Talente für sich zu gewinnen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch zu halten.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Wow! Wir freuen uns riesig. Wir sind als „Journalisten des Jahres“ in der Kategorie „Entrepreneur“ ausgezeichnet worden! ✨ Und das sagt die Jury: „Edition F hat sich als digitale Plattform für Frauen längst einen Namen gemacht – und im Jahr 2017 die großen Debatten rund um Sexismus und Gleichberechtigung entscheidend mitbestimmt. Dazu hat das Team um die Gründerinnen Susann Hoffmann, Nora-Vanessa Wohlert und Chefredakteurin Teresa Bücker mit der ‚Female Future Force‘ eine neue Art Fortbildungsakademie für Frauen aufgebaut – die darüber hinaus als Netzwerk funktioniert. Die richtige Initiative zur richtigen Zeit.“ All das wäre ohne euch nicht möglich gewesen. Seit über drei Jahren dürfen wir jeden Tag mit und von der Community, den Leserinnen und Lesern, lernen – und wir freuen uns wahnsinnig auf 2018 mit euch! 💕 #jdj2017 #bestesteam #happyhappyhappy #entrepreurship #femalefutureforce #communitylove #thefutureisfemale #femalefutureforceday

Ein Beitrag geteilt von EDITION F (@editionf_com) am

Wie geht Ihr mit dieser Veränderung um, was sind Eure Arbeitsmodelle bei Edition F?

Bei uns ist das aktuell auch ein sehr großes Thema und es ist spannend zu beobachten, welche unterschiedlichen Einschätzungen es dazu innerhalb des Teams gibt. Wir haben grobe Regeln für das gesamte Team, zum Beispiel dass jeder etwa vier bis fünf Tage im Monat Homeoffice machen kann, und wer darüber hinaus noch Homeoffice-Tage braucht, kann das nach Absprache auch tun. Es gibt aber auch Teilzeit- und Sabbatical-Modelle. Die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr unterschiedlich. Wir besprechen daher, was für jeden einzelnen das Richtige ist und was gleichzeitig für uns als Unternehmen möglich ist, denn beides muss im Einklang sein.