InterviewNico Rosberg über seine erste Million

Nico Rosberg in seiner Heimat Monaco: Der frühere Profi-Rennfahrer investiert heute in Start-ups, die Technologien für nachhaltige Mobilität entwickelnMarcel Wogram


Nico Rosberg, 34, wurde 2016 Weltmeister in der Formel 1. Nach dem Titel mit Mercedes beendete der Sohn des Ex-Rennfahrers Keke Rosberg seine Motorsportkarriere und begann als Start-up-Investor für Zukunftstechnologien – vor allem im Bereich nachhaltige Mobilität, aber auch im Food- und Modesektor. Um seine mittlerweile 25 Investments kümmert er sich mit einem kleinen Team in Monaco.


 

Capital: Herr Rosberg, Sie sind als Sohn eines Formel-1-Fahrers groß geworden. Hatten Sie schon immer das Ziel, es selbst in die Formel 1 zu schaffen?

NICO ROSBERG: Ich war als Jugendlicher nicht so selbstbewusst und hatte immer Zweifel, ob ich Profi-Rennfahrer werden kann. Deshalb hatte ich immer einen Plan B in der Hinterhand – zum Beispiel mein Studium der Luft-und Raumfahrttechnik. Das wäre die andere Möglichkeit gewesen, in die Formel 1 zu kommen – als Ingenieur.

Wie war es für Sie, in Monaco aufzuwachsen? Gab es da nicht einen großen Druck zu zeigen, dass man sich etwas leisten kann?

Meine Jugendfreunde und ich kommen alle aus finanziell erfolgreichen Familien. Aber ich wollte immer auf eigenen Füßen stehen und nicht vom Geld meiner Eltern leben. Deshalb hatte ich am Anfang auch nur eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung in Monaco. Mein Antrieb war es, den Lebensstandard zu erhalten, den ich aus meiner Familie gewohnt war. Das war extrem schwierig.

Bis der erste Millionenvertrag beim F1-Team Williams kam.

Das war natürlich ein stolzer Moment. Wenn man den Vertrag sieht, mit so vielen Nullen – das ist schon crazy. Allerdings hatte ich ein kleines Problem: Ich hatte mir von der Bank 100 000 Euro leihen müssen, weil ich in der GP2 einen Unfall hatte und den Schaden bezahlen musste. Deshalb musste ich mit dem Geld erst mal den Kredit zurückzahlen.

Sie sind 2016 als Weltmeister völlig überraschend zurückgetreten. Hatten Sie damals schon einen Plan?

Ich hatte nur das Gefühl und die Überzeugung, dass es der perfekte Moment ist zu gehen. Ich war auf dem absoluten Zenit und wusste, es geht nicht mehr höher. Damals habe ich mir erhofft, dass ich von der Entscheidung, auf dem Zenit zu gehen, den Rest meines Lebens profitieren kann und positiver und selbstbewusster werde. Aber ich hatte noch keinen Plan, ich bin voll ins Nichts gesprungen.

Haben Sie diese Entscheidung nie bereut?

Noch nie. Ich habe die Formel 1 nie als das ultimative Ziel gesehen, sondern immer nur als einen wichtigen Schritt in meinem Lebenswerk. Wenn ich heute zurückschaue, dann mit einem breiten Grinsen. Der Sport geht ja früher oder später eh zu Ende. Ich hätte vielleicht noch maximal fünf Jahre in der Formel 1 gehabt – aber da droht man dann auch auf den absteigenden Ast zu geraten. Darauf hatte ich keine Lust.

Was waren Ihre Vorstellungen für die Karriere nach der Karriere?

Erfolg und positiven Einfluss haben, indem ich viele Millionen Menschen erreiche und inspiriere – so wie es mir in der Formel 1 gelungen ist. Dieses Ziel habe ich jetzt auch mit meinen Investments im Bereich der nachhaltigen Technologien. Da ist gerade wahnsinnig viel in Bewegung.

Wie sind Sie als Motorsportler ausgerechnet auf die Greentech-Branche gekommen?

Nach meinem Rücktritt habe ich versucht, mit möglichst vielen Menschen zu reden, um mich inspirieren zu lassen. Ich habe zum Beispiel Elon Musk angeschrieben, ob er eine halbe Stunde Zeit hat. Besonders wichtig war mein früherer Arbeitgeber Mercedes, der mir das ganze Unternehmen geöffnet hat, damit ich einen Einblick in die Zukunftspläne bekommen kann. Auch zu meinem ersten eigenen Investment bin ich über Daimler gekommen: Das war das Ladesäulen-Start-up Chargepoint aus dem Silicon Valley. Bei den nachhaltigen Technologien gibt es faszinierende Möglichkeiten, als Unternehmer auch einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. So zum Beispiel mit dem Greentech Festival, das dieses Jahr zum ersten Mal in Berlin stattgefunden hat und das grünen Technologien eine globale Plattform bietet. Wir sehen das Festival als Deutschlands grüne Antwort auf die CES in Las Vegas.

Sie sind auch früh bei Elon Musks Raumfahrt-Start-up SpaceX und dem Uber-Konkurrenten Lyft eingestiegen – Unternehmen, die heute Milliarden wert sind. Hat Ihnen das Treffen mit Musk dabei geholfen?

Das Treffen mit Musk hat leider nicht geklappt, er hat einen Tag vorher abgesagt. Bei meinen Investments profitiere ich einfach extrem von meinem Netzwerk. Mir werden mittlerweile viele Angebote von tollen Start-ups auf den Tisch gelegt – auch aus Deutschland.

Wie groß sind Ihre Investments?

Ich mache immer kleine Tickets. Neun von zehn Start-ups gehen den Bach runter, deshalb möchte ich meine Investments breit streuen. In manchen Fällen bekomme ich auch Anteile gegen Unterstützung bei Reichweite, Marketing und Netzwerk. Insgesamt komme ich mittlerweile auf 25 Investments. Dafür habe ich ein eigenes Team mit drei Leuten in Monaco aufgebaut, das sich um meine Greentech-Engagements kümmert.

Sie sind auch an der Elektro-Rennserie Formel E beteiligt. Werden Sie damit Ihren früheren Kollegen den Rang ablaufen?

Die Königin des Motorsports wird in der nächsten Zeit die Formel 1 bleiben. Dort fahren die Gladiatoren. Aber natürlich muss sich die Formel 1 Gedanken machen. Wenn alle irgendwann nur noch mit Elektroantrieb fahren, hat das auch für die Formel 1 Konsequenzen.


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