InterviewNew Worker auf der Walz um die Welt

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Der Luxusanteil von New Work

Reise zu Hidden Champions und an die Hot Spots, wie hier auf Bali
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Inwiefern ist die Verbreitung von New Work mit der Entwicklung einer Gesellschaft verknüpft?

SCHNELL: Wenn ich es mir erlauben kann, nach sinnstiftender Arbeit zu suchen, dann bedeutet das, dass ich mich nicht nur um meine nächste Mahlzeit kümmern muss, sondern ein bisschen weiter blicken darf. Das ist mit das Entscheidendste daran, warum New Work anspruchsvoll ist: Ich brauche den Rahmen, um mir um den Sinn meiner Arbeit Gedanken machen zu können – das ist sozusagen der Luxusanteil an New Work.

STANIA: Wobei nur die Basics gedeckt sein müssen. Sobald alles Existenzielle da ist, kann auch New Work in einem sehr kleinen Rahmen gedacht werden: in Kasachstan, im Libanon, wo die Leute zum Teil in der Stadt kein Internet hatten und trotzdem sinnbezogen gearbeitet haben.

Welche wichtigen gesellschaftlichen Fragen müssen wir also klären, damit alle Menschen eine Chance auf sinnstiftende Arbeit haben?

STANIA: Wir müssen viel mehr verstehen, wie unsere zukünftige Arbeit durch Technologisierung und Automatisierung verändert wird. Statt sich zu sperren, sollte man sich fragen: Wo bringt uns diese Veränderung hin?

SCHNELL: Häufig wird unterschätzt, dass viele Menschen so in diese ganzen Strukturen eingebunden sind, die wenig hinterfragt werden, weil alles irgendwie einfach geschieht. Menschen fühlen sich passiver, reaktiv statt proaktiv. Menschen sollten es schaffen, proaktiv die Zukunft anzugehen, so, dass sie sich selbst überlegen können, was ihnen wichtig ist. Das ist ein Riesenschritt zur persönlichen Freiheit. Wenn man proaktiv Sachen angeht, hat man sie besser in der Hand, als wenn man im Hamsterrad läuft. Wir stehen an einem Punkt, wo es ungemein wichtig ist, wieder proaktiv zu sein – privat und gesellschaftlich. Bewegungen wie Fridays For Future zeigen, dass sich  Menschen überlegen, was sie wollen und was es für ihr Handeln bedeutet.

STANIA: In Deutschland haben wir eigentlich die perfekte Ausgangslage. Wir haben einen hohen Bildungsstandard, leider sehen wir aber mehr Probleme als Möglichkeiten. Da mal ganz bewusst die Denkart zu verändern braucht Zeit und Mut.

Anna Stania und Nils Schnell wollen ihre New Work Weltreise fortführen. Im Winter soll es ein zweites Mal losgehen – dieses Mal nach Afrika, Südamerika, in die Karibik und nach Nordamerika.