GastbeitragNeue Fehlerkultur: Mit Achtsamkeit zum Unternehmenserfolg

Mit Achtsamkeit und neuer Fehlerkultur zum Unternehmenserfolg: Drei Tipps, wie das gelingen kann
Mit Achtsamkeit und neuer Fehlerkultur zum Unternehmenserfolg: Drei Tipps, wie das gelingen kannGetty Images

Scheitern im Job ist bitter, doch wie heißt es so schön: Aus Fehlern lernt man! Vor allen Dingen dann, wenn die Aufarbeitung des Misserfolgs achtsam und mit Blick auf die Zukunft gerichtet ist. Im Silicon Valley boomen seit 2009 sogenannte „FailCons“ – Konferenzen, die sich dem Scheitern von Unternehmen widmen. Im Gründervalley schlechthin starteten viele Millionäre, wie beispielsweise der PayPal Gründer Max Levchin, mit einer Pleite, um dann im zweiten oder dritten Anlauf durchzustarten.

Fehlerkultur in Deutschland: den Schuldigen finden

Scheitern ist fern des Silicon Valleys, vor allem hierzulande, nach wie vor ein Makel. Unternehmen und ihre Lenker sind in Deutschland meilenwert davon entfernt, eine positive Fehlerkultur vorzuleben und diese top-down und bottom-up zu etablieren. Doch woran liegt das?

Der Lüneburger Arbeits- und Unternehmenspsychologe Prof. Dr. Michael Frese hat die Fehlertoleranz in 61 Ländern der Welt verglichen. Deutschland landete auf Platz 60, vor Singapur. Es scheint, dass der Umgang mit Fehlern erst noch erlernt werden muss. Fehlerkultur in Deutschland bedeutet vor allem eines: den Schuldigen ausfindig zu machen und ihn oder sie entsprechend zu sanktionieren.

Mindless oder Mindful?

Um aus der Not eine Tugend zu machen und aus Fehlern zu lernen, bedarf es Mut, Selbsterkenntnis und Achtsamkeit. Nur so können neue Wege beschritten werden. Ein wichtiger Weg zu einer toleranten Fehlerkultur im Business ist die Achtsamkeitsmethode nach US-Psychologie-Professorin Ellen Langer: Im gegenwärtigen Augenblick fokussiert, interessiert und neugierig zu sein, ist in der heutigen Arbeitswelt eine unabdingbare Voraussetzung, um Fehler zu erkennen und sie vorab vielleicht sogar schon zu vermeiden.

 

Dazu muss jedoch der Autopilotmodus, in dem sich viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber befinden, ausgeschaltet werden. Fragen Sie sich: Sind Sie noch mindless (gedankenlos) oder schon mindful (achtsam)? Sind Sie fähig, Gelegenheiten zu nutzen – unerwartete Bedrohungen abzuwenden oder kreative Lösungen zu finden? Da sich in der gegenwärtigen digitalen Arbeitswelt Kontexte stetig ändern sind bisherige Vorgehensweisen – vor allem im Umgang mit Fehlern – unbedingt zu hinterfragen.

Unsicherheitsfaktor Mitarbeitergespräch

In Mitarbeiter- und Feedbackgesprächen sind beispielsweise viele Menschen in Verhaltensmustern und Glaubenssätzen gefangen, gehen achtlos in die Situation oder – noch schlimmer: haben Angst vor möglichen Vorhaltungen. Gerade dann sollte man sich fokussieren, um der Situation und seinem Gegenüber konzentrierter und empathischer zu begegnen. Überprüfen Sie Ihren inneren Zustand. Was fühle ich im Moment? Groll, Wut, Unruhe, Angst? Wie nehme ich mein Gegenüber wahr? Eine solche achtsame Grundeinstellung ist Voraussetzung für ein konstruktives Gespräch über mögliche Fehler. Drei Grundprinzipien können dabei helfen, eine neue Fehlerkultur zu fördern und zu etablieren:

1. Respekt und Fairness

Ein gutes Kritikgespräch beachtet den lateinischen Satz: „audiatur et altera pars“ und das heißt, „auch die andere Seite möge gehört werden“. Die Fairness gebietet es, dass unser Gegenüber sich „wehren“ und im Zweifelsfall „nein“ sagen darf und kann.

Wichtig dabei sind Respekt und Wertschätzung, Achtsamkeit und Akzeptanz dem anderen gegenüber – unabhängig davon, welche Fehler der Gesprächspartner gemacht hat. Wenn man den anderen respektiert, können notwendige Entscheidungen seitens des Mitarbeiters einfacher akzeptiert und angenommen werden. Das gelingt Ihnen, wenn Sie sich in die Lage ihres Gegenübers versetzen und den Menschen aktiv wahrnehmen. Begegnen Sie Ihrem Gesprächspartner also mit einer offenen und aufmerksamen Haltung.

Bei kritischen Themen ist es außerdem wichtig, Missverständnisse auszuschließen, indem Sie nachfragen und in Ich-Botschaften sprechen. So gelingt der wertschätzende und achtsame Dialog auf unterstützende Art und Weise. Das hat positiven Einfluss auf Ihren Mitarbeiter und steigert die Leistungsfähigkeit und Motivation.

2. Achtsame Kommunikation

Vor allem in der Kommunikation ist es wichtig, Körperhaltung, Gesten, Mimik und Sprache zu bemerken. Gedankenlosigkeit kann zu falschen Annahmen und Interpretationen über das Verhalten meines Gegenübers führen. So kommt mir mein Gegenüber vielleicht „impulsiv“ vor, sieht sich aber selbst als „spontan“.

Wenn Sie ihr Gegenüber aus dessen Perspektive wahrnehmen, können Sie das Gespräch weniger wertend führen und Kritik objektiver vermitteln. Viel mehr noch: Sobald wir uns von unserer fehlgeleiteten Überlegenheit befreit haben, können wir Talente und Fähigkeiten entdecken und Lösungen für diejenigen bereitstellen, die wir vorzeitig etikettiert haben. Wie tun wir das?

Wenn Sie bemerken, dass Ihre Gedanken ins Tagträumen abschweifen oder Sie mental schon in der nächsten Besprechung sitzen, bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder zurück, indem Sie denken „Nur das“ – zum Beispiel eben nur diese Unterhaltung.

Eine andere Variante: „Stop, Breathe, Focus“. Stoppen Sie Ihre Aktivität, werden Sie sich Ihres Atems bewusst und (er-)leben Sie den gegenwärtigen Moment. Die Steigerung der Achtsamkeit erhöht unsere Ausstrahlung, Produktivität, Kreativität, fördert das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und hat rundherum einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit.

3. Fehlerkultur pflegen und leben

Die heutige Fehlerkultur basiert in vielen Unternehmen noch auf tradiertem Denken. Fehler sind tabu. „Neue“ Fehlerkultur heißt, den Mut zu haben, Fehler im Arbeitsumfeld zugeben zu können. Ergo: In vielen Unternehmen muss der Umgang mit Kritik und der Umgang mit Fehlern erst gelernt werden.

Nicht so in jungen Unternehmen: Der Slogan „fail fast, recover soon“ ist in der Start-Up Szene fast schon ein Mantra. Aus Fehlern entsteht Wissen. Das frühzeitige Erkennen kann spätere Katastrophen vermeiden. Deshalb sollten Mitarbeiter spüren, dass Fehler offen kommuniziert und gemeinsam im Team konstruktive Lösungsansätze erarbeitet werden können.

Mögliche Fragestellungen dabei könnten sein: „Was müssen wir in Zukunft anders machen?“ oder „Wie wollen wir mit neuen Ideen umgehen?“. Aus Fehlern zu lernen, bedeutet achtsam zu sein, neue Perspektiven einzunehmen, Schubladendenken zu vermeiden und Neues anzunehmen.