InterviewWarum ein Konzern agil sein muss wie ein Start-up

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Was war einer Ihrer größten Fehler in der Vergangenheit und wie haben Sie daraus gelernt beziehungsweise Ihr Handeln verändert?

Fehlende Antizipation und Timing. Also eine Lancierung, die zu früh gemacht wurde. Die Entscheidung an sich kann richtig sein, aber wenn das Produkt zu früh auf den Markt kommt, hat es vielleicht nicht den Erfolg den es haben könnte und sollte. Gleiches gilt wenn man zu spät ist. Dann ist die Chance schon vorbei. Der technologische Fortschritt verändert das Konsumverhalten auch im Lebensmittelsektor. Nehmen wir das Thema Digitalisierung, diese bietet unendlich viele Chancen. In der Kommunikation mit dem Verbraucher, in der Art und Weise Kunden zu inspirieren, andere Möglichkeiten und Wege zum Erfolg zu beschreiten, neue Produkte vorzustellen und so weiter. Hier passiert viel und die Technologie verändert sich rasend schnell. Jetzt haben wir gerade einmal ein paar Jahre Digitalisierung hinter uns und schon kommt bereits der nächste Bruch. Die Aufgaben, die früher über Internetseiten oder durch Tippen auf dem Smartphone erledigt hat, kann man jetzt mit der Spracherkennung durchführen – was wiederum viele neue Möglichkeiten eröffnet.

Welche Herausforderungen stellt das für Sie dar und wo sehen Sie Ihre größten Chancen dadurch?

Mit der gesprochenen Sprache geht eben alles viel schneller. Versuchen Sie einmal eine Sprachnachricht als SMS einzutippen und im Vergleich Siri etwas zu diktieren. Letzteres geht viel schneller. Und auch leichter. Diese Technologie wird sich kontinuierlich mit der Weiterentwicklung verbessern. Siri erkennt die gesprochene Sprache heute schon viel besser als dies vor einigen Jahren noch der Fall war.

Wie könnte das im Lebensmittelsektor eingesetzt werden?

Nehmen Sie beispielsweise unseren digitalen Chatbot „KIM“ bei Maggi, der ihnen auf ihre Fragen und Bedürfnisse hin ein leckeres Rezept zusammenstellt. Bisher müssen die Nutzer auf Facebook ihre Fragen per Hand in das Smartphone oder Tablet eintippen. Wenn sie das in Zukunft mündlich in der Küche beim Blick in den Kühlschrank machen können, dann ist das im Alltag einfach praktisch und eine klare Erleichterung. Vor allem, wenn sie zwischen Kochen und Tastatur nicht mehr hin und her wechseln müssen.

Wenn Sie drei Eigenschaften nennen müssten, die für Sie die ideale Führungskraft in der Zukunft haben sollte, welche wären das?

Erstens: Antizipationsfähigkeit. Zweitens: die Fähigkeit holistisch zu agieren, also nicht nur einen Bereich zu sehen, sondern 360 Grad strategisch und in Zusammenhängen zu denken. Drittens: Menschen mitzunehmen auf die Reise, ihnen eine klare Orientierung zu geben und so eine gute Balance aus der passenden Kommunikation, Motivation und Inspiration zu schaffen. Man braucht die Fakten und die Emotion.