InterviewWarum ein Konzern agil sein muss wie ein Start-up

Béatrice Guillaume-Grabisch ist Vorstandsvorsitzende der Nestlé Deutschland AG
Béatrice Guillaume-Grabisch ist Vorstandsvorsitzende der Nestlé Deutschland AGNestlé / Flickr


Wie bleibt man zukunftsfähig? Und wo bleiben dabei die Menschen? Wie wird die Zukunft der Arbeit gestaltet – und vor allem der Weg dort hin? Was treibt Unternehmenslenker um? Wenn Unternehmen sich neu erfinden müssen, um sicher auf Kurs zu bleiben: Was ist unverzichtbar? Stefanie Unger hat Strategen und Denker namhafter Unternehmen nach diesen und vielen weiteren Faktoren befragt – mehr auf www.zukunftsfähig.com.


Was hält Sie nachts wach?

Im Vordergrund steht für mich immer die Reputation der Lebensmittelindustrie – und damit auch die von Nestlé. Als Unternehmen ist es wichtig, diese Reputation als höchstes Gut zu wahren. Um dieses Ansehen zu erreichen, müssen sie viel Zeit investieren und hart arbeiten. Ohne Reputation und Vertrauen kommen sie nicht sehr weit.

Von welchem Unternehmen können Sie am meisten für Ihre Zukunft lernen und warum?

Von Start-ups. Die haben eine Art und Weise, agil zu arbeiten und zu denken, die große Konzerne in der Regel selbst nicht hinbekommen. Start-ups können sich sehr gut an den Wandel anpassen. Wenn wir mit der Veränderungsgeschwindigkeit nicht mithalten oder als Großkonzerne die Agilität der Start-ups nicht in unsere Struktur integrieren können, dann werden wir einige große Chancen verpassen.

Wer beschäftigt sich bei Ihnen im Hause mit dem Thema Zukunft?

Ganz klar: alle. Wir sind auf dem Weg, die Organisation für die Zukunft fit zu machen. Und damit meinen wir alle. Sicherlich mit unterschiedlichen Facetten. Wer direkt mit dem Verbraucher Kontakt hat, beschäftigt sich zum Beispiel mit Ernährungs- und Produkttrends, diejenigen, die mit dem Handel zu tun haben, schauen sich an, wo es bei der Gestaltung des Einkaufs und dem Vertrieb langgeht.

Wie werden sich die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Mitarbeiter in der Zukunft ändern und wie beschäftigen Sie sich damit?

Sicherlich dadurch, dass die Mitarbeiter viel mehr Flexibilität im Arbeitsumfeld suchen und fordern. Sie versuchen den Einklang zwischen dem privaten und beruflichen Leben zu ermöglichen. Da gibt es ganz unterschiedliche Phasen im Leben, in denen von einem Millennial etwas anderes erwartet wird als von jemanden der über 50 ist. Wir versuchen das mit unterschiedlichen Angeboten zu berücksichtigen.

Also durch Arbeitszeitmodelle oder ähnliche Tools?

Genau, etwa durch Homeoffice-Angebote oder eine Kita in Büronähe. Die Leute wollen nicht auf der Autobahn im Stau stehen. Deswegen gehen sie lieber direkt nach der Arbeit vor Ort zum Fitnesscenter bevor sie nach Hause fahren. Wir können und müssen uns in Zukunft noch viel besser auf die individuellen Wünsche und Lebensphasen unserer Mitarbeiter einstellen und auf ihre familiäre Situation eingehen.

Wie würden Sie Ihr Bild von der Arbeit der Zukunft beschreiben?

Ich habe gelesen, dass die Generation Z noch mal ganz anders ist als die Generation Y. So viele Jahre liegen da eigentlich nicht dazwischen, aber laut dem, was ich gelesen habe, bevorzugt die Generation Y Open-Space-Büros und die Generation Z geht wieder in die Richtung von strukturierteren Büros. Wir werden hier kontinuierlich Bewegung und Veränderung sehen. Der Mensch kann viel, flexibel und mit unterschiedlichen Modellen arbeiten. Eins aber bleibt nach wie vor gleich. Er braucht immer den sozialen Kontakt und Austausch. Und auch wenn man viel digital erledigen kann, braucht man doch die physische Präsenz. Diese sorgt für eine andere Qualität des Arbeitens.