MitarbeiterbindungIm Digi-Tal

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Das Hauptquartier bleibt in Glatten

Am Ende der Halle erlaubt eine Fensterfläche den Blick auf die Zukunft der Firma: Bagger bearbeiten riesige Erdhaufen, hier entsteht der nächste Erweiterungsbau. 30 Mio. Euro will Schmalz in neue Produktionsflächen und einen neuen Verwaltungsbau investieren. Und damit ist schon klar: Das Hauptquartier bleibt in Glatten, Ende der Diskussion.

Hier hatte der Großvater schließlich vor über 100 Jahren eine Rasierklingenfabrik gegründet, bevor der Vater auf Transportgeräte umsattelte. In den 80er-Jahren übernahmen Kurt und Wolfgang Schmalz das Geschäft und stellten noch einmal um: auf Vakuumtechnik. Damit lassen sich schwere Lasten heben, sogar Windradrotoren. In seiner Nische ist Schmalz Weltmarktführer.

Die Marktstellung ist wahrscheinlich sogar noch entscheidender als das bunte Leistungspaket mit Betriebskita und Volleyballfeld. Der Recruiting-Experte Dwight Cribb sagt über Mittelständler wie Schmalz: „Das sind Unternehmen, die häufig branchendominant sind. Da hat man einen richtigen Hebel und kann etwas verändern. Und die Vertreter von Generation Y oder Z wollen ja eigentlich genau das: etwas Sinnvolles machen.“

Die Zusatzleistungen seien zwar wichtig, sagt Daniel Just, Personalchef bei Schmalz. „Aber der Kern ist, dass wir ein langfristig aufgestelltes Unternehmen mit mittelständisch geprägten Entscheidungsstrukturen sind“, so Just. „Das ist ein Pfund, mit dem man heute noch sehr gut wuchern kann. Das schätzt auch die junge Generation.“

Und noch was. „Die Mittelständler müssen ganz klarmachen, dass sie es ernst meinen mit dem Thema Digitalisierung“, findet Katharina Wolff, die Personalberaterin. „Nichts schreckt mehr ab, als wenn der Kandidat merkt: Die wollen das gar nicht so richtig.“

Kurt Schmalz hat durchaus eine Ahnung davon, was die Jungen interessiert. Agile Methoden, laterale Führung, schlanke Hierarchien – wenn der Mittelständler spricht, kommen auch die Buzzwords des modernen Unternehmertums vor.

Der vielleicht noch überzeugendere Hinweis auf die Aufgeschlossenheit und Innovationslust der Brüder steht aber kurz hinterm Werkstor: eine Stromtankstelle, daran angeschlossen die Dienstwagen der beiden Geschäftsführer. Links parkt die B-Klasse von Kurt Schmalz. Und rechts der Wagen von Wolfgang Schmalz: ein Tesla.


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