GastbeitragMitarbeitergespräche fangen schon in der Schule an

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Es gibt kein richtig oder falsch

Deshalb gibt’s im Norwegen und Dänemark erst ab der achten Klasse Noten. In Schweden bereits in der sechsten Klasse. Ausgedrückt in den Zahlen A bis F. Doch was sagen die letztendlich aus, wenn ihre Basis für deutsche Begriffe äußerst unklar ist.

„Und? Wie war der Mathe-Test?“, frage ich meine Tochter vorsichtig (6. Klasse, schwedische kommunale Grundschule in einem Stockholmer Vorort). „Keine Ahnung“, so die lässige Antwort aus dem Nebenzimmer. „Sind nicht alle fertig geworden. Wir schreiben morgen weiter.“ Und wenn man es dann versemmelt hat, dann schreibt man einfach noch einmal. Denn im Norden geht es nicht um richtig oder falsch, sondern darum, dass du lernst zu lernen und dich als Persönlichkeit zu entwickeln. Es geht um dich und deine Einzigartigkeit als gesamter Mensch und den Beitrag, den du für die Gemeinschaft leisten kannst. In der Schule, wie auch später in den Unternehmen. Entlassen wir unsere Kinder also aus den Boxen und bieten wir ihnen stattdessen hohe Decken.

Schweden holen sich keine fiesen Beulen. Denn ihre Decken hängen hoch. „Högt i tak” sagt man dazu in Schweden, „Høyt under taket” in Norwegen. Das bedeutet, für jede Meinung und jede Idee ist genug Platz unter der Decke. Denn Wikinger wollen alle Ideen. Nichts ist wertvoller als der Blickwinkel eines anderen. „Wir lernen schon sehr jung, Autoritäten in Frage zu stellen, und ich denke, das ist im Job sehr hilfreich. Ich benötige jedes Feedback, das ich bekommen kann“, so Marianne verantwortlich für die Abteilung Risiko beim Biotechunternehmen Novozymes in Dänemark.

Was erhalten wir dadurch? Selbstbewusste Knirpse, die neugierig bleiben und mutig werden. Die groß werden und „erst machen, dann entschuldigen“, so Jenny, PR Verantwortliche bei den Scandic Hotels in Schweden. „Erst ausprobieren, dann kritisieren“, wäre eine andere nordische Variante. Erst anfangen, dann verbessern. Das ist die Grundlage für disruptives Denken, Offenheit für Digitalisierung und Innovationen. Und das könnte der Grund sein, weshalb Schweden den „Europäischen Innovationsanzeiger“ anführt, dicht gefolgt von Dänemark auf Platz zwei. Sie haben’s schon in der Schule gelernt.

Raus aus der Box! Die kann man nur stapeln

Was ist Ihr persönlicher Beitrag zu unserer Welt von morgen? Teamfähigkeit? Ideenreichtum? Unangepasstheit? Einzigartigkeit? Empathie? Neugierde? Mut? Reflektion? Tiefgang? Anteilnahme? Impulse? Oder visionäre Reden? Wir benötigen alle Facetten für das sogenannte „New Work“, die Zukunft der Arbeit. Denn die ist nicht mehr linear, sondern lebt von der Vielfalt. Und das macht Menschen auch glücklich (und en passant 20 Prozent produktiver): Die Freiheit, sie  selbst sein zu dürfen. In Mathe eine null, dafür ein Herzensfänger, der Menschen eint? Latein auch nicht besser, aber der, der immer die richtigen Fragen stellt? Wir benötigen alle Talente, denn mit nur Stürmern gewinnt man kein Fußballspiel. Also Augen auf und hingeschaut:

Da stand mal ein kleines Mädchen mit Brille und Hasenzahnlächeln an einem Waschbecken in der Ecke eines schmucklosen deutschen Klassenzimmers. Nicht das erste Mal. Ganz sicher nicht das letzte Mal. Es war nicht besonders intelligent, aber es hatte ein strahlendes Lächeln, ein Plappern, das nie enden wollte und eine Menge Fantasie. Im deutschen Schulsystem war für dieses Mädchen kein Platz in der ersten Reihe.

Das Leben kannte ein paar Umwege. Doch heute reist sie durch die Welt interviewt Menschen, steht sie als Rednerin bei Veranstaltungen auf der Bühne, plappert unentwegt, lächelt immer noch und verändert mit ihren Ideen ein kleines bisschen die Welt. Dieses Mädchen war ich. Und ich möchte zusammen mit Ihnen unser deutsches Bildungssystem verändern. Für unserer Kinder und für unser Land. Sind Sie dabei?