ManagementMit mentaler Stärke die Karriere meistern

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Die Macht der inneren Bilder

Die Visualisierung als Voraussetzung für Höchstleistungen ist eine der wirksamsten mentalen Techniken, die uns zur Verfügung steht. Die bildhafte Vorstellung beeinflusst unser Unterbewusstsein, aktiviert Erlebnisnetzwerke im Gehirn und arbeitet nach dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung („self-fulfilling prophecy“). Athleten nutzen ihre geistige Vorstellungskraft nicht nur für die Optimierung ihrer Bewegungsvorstellung, sondern auch zur Psychoregulation und Motivation.

Philipp Lahm, Ex-Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, berichtete nach dem WM-Finale, dass er sich im Vorwege immer wieder an die Szene erinnert habe, als Lothar Matthäus den WM-Pokal 1990 in Rom in die Höhe reckte. Lahm sagte, er habe sich dann vorgestellt, wie er selbst den WM-Pokal 2014 in den Himmel von Rio de Janeiro stemmt.

Besondere Herausforderungen im Job wie Präsentationen oder schwierige Verhandlungen und Gespräche lassen sich gleichfalls mit Hilfe von Visualisierung vorbereiten und bewältigen. Die Imagination wirkt strukturbildend im Gehirn – je öfter wir uns etwas vorstellen, desto stärker bahnen wir die entsprechenden Verknüpfungen im Gehirn. Auf diese Weise kann ein innerer Erfolgsfilm zum realen Triumph werden. Wichtig ist, dies regelmäßig zu tun und dabei sämtliche Sinne einzubeziehen – die Vorstellung muss so lebendig und detailreich wie möglich sein.

Die Kunst der Entspannung

Geistige Ruhebilder, also die Visualisierung eines schönen Rückzugsortes, erzeugen unmittelbare Ruhe und Entspannung. Was Sportlern bei Nervosität vorm Wettkampf hilft, kann der weiblichen Führungskraft ebenso vor einer Präsentation zur Gelassenheit verhelfen. Um den Nutzen von Regeneration und Entspannung weiß jeder Spitzensportler. Bei Top-Managerinnen ist ein gutes Energiemanagement ebenso wichtig. Gerade bei Frauen wirkt sich die permanente Doppelbelastung durch Beruf und Familie psychisch wie physisch negativ aus. Stress beeinflusst unser Leistungsvermögen und wirkt sich unter anderem negativ auf das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel aus, beeinträchtigt langfristig auch die Gedächtnisleistung.

Um dauerhaft leistungsfähig zu bleiben, sind Bewegung, gesunde Ernährung, mentale Kraft, Selbstvertrauen, Freude, ein stabiles soziales Umfeld und ausreichend Schlaf essentiell. Wer sich nicht erholt, wird überholt – dann mündet das Karrierestreben plötzlich in einer körperlichen Sackgasse.

Aus dem Sport lässt sich noch etliches mehr für aufstrebende Chefinnen lernen – sei es die Kunst der Konzentration, also die absolute Fokussierung trotz Störfaktoren und negativer Einflüsse, oder das Nutzen des inneren Dialogs, den wir permanent mit uns selbst führen und der uns, richtig geführt, bestärken und unterstützen kann. Wer sich als weibliche Führungskraft solche mentalen Techniken zu Nutze macht, schafft auch den Weg an die Spitze – egal, ob es ein Hürdenlauf oder ein Marathon wird.