InterviewMichael Michalsky über seine erste Million

Michael Michalsky
Michael Michalsky, Modeschöpfer und Designer dpa


Michael Michalsky, 51, zählt zu den international bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Designern. Elf Jahre lang prägte er das Design des Sportartikelherstellers Adidas. 2006 machte er sich mit seinem eigenen Mode- und Lifestyle-Unternehmen in Berlin selbstständig.


Capital: Herr Michalsky, wie kommt ein Junge vom Land auf die Idee, Modedesigner zu werden?

MICHAEL MICHALSKY: Damals gab es bei uns einen Bücherbus, der einmal im Monat vor unserer Tür hielt. Da habe ich mich mit der wichtigsten Lektüre über Mode, Design und Architektur eingedeckt. Eines Tages bin ich im „Stern“ auf eine Reportage über Karl Lagerfeld gestoßen. Ich dachte sofort: „So was willst du später auch machen.“

Womit haben Sie Ihr Modestudium in London finanziert?

Mit Nebenjobs. Die waren zum Teil abenteuerlich, haben aber meinen Charakter sehr geprägt. Mein Lieblingsjob war Türsteher für einen Londoner Club. Jeden Abend eine coole Schar an Leuten zusammenzustellen hat mir Spaß gemacht.

Und wie sind Sie nach der Uni in die Modeszene eingestiegen?

Ich hatte erst kleine Styling-Aufträge, aber noch kein festes Angebot. Dann stieß ich im Kultmagazin „The Face“ auf eine Stellenanzeige von Levi’s. Das war ungewöhnlich. Warum suchten die in einem englischen Magazin einen Chefdesigner in Deutschland? Ich war der festen Überzeugung, dass die genau nach mir suchten. Drei Wochen später hatte ich ein Vorstellungsgespräch.

1995 kam der Karrieresprung zum Chefdesigner bei Adidas.

Ein Headhunter rief mich an. Dann hatte ich ein Gespräch mit Robert Louis-Dreyfus, der die Marke ein Jahr zuvor übernommen hatte. Wir haben uns gleich gut verstanden, und am Ende unseres Gesprächs bot er mir den Job an.

Wissen Sie noch, wie der erste Arbeitstag bei Adidas war?

Ehrlich gesagt hatte ich schon Respekt vor der Aufgabe. Am ersten Tag kamen mir Zweifel: Der Umzug, ein neuer Job – war das vielleicht ein Fehler? In der Kantine sah es auch nicht unbedingt nach Glamour und Fashion aus. Aber meine Neugierde siegte, und am Ende blieb ich ganze elf Jahre bei Adidas.

„Ich rede nicht so gern über Geld“

Warum sind Sie gegangen?

Ich war nicht unglücklich. Der Job war super, die Kollegen auch. Ich hatte aber irgendwann das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich wollte meine eigenen Kollektionen entwerfen, mit meinem eigenen Namen für meine Kreationen stehen.

Wann wussten Sie, dass Sie den Durchbruch geschafft haben?

Einer der Schlüsselmomente war, als die deutsche „Vogue“ mich als „neuen deutschen Modepapst“ bezeichnet hat. Das war stark übertrieben, gefreut hat es mich trotzdem. Aber als mein großes Vorbild Karl Lagerfeld in einer seiner Kampagnen meine Sachen getragen hat, da wusste ich – jetzt!

Wann haben Sie realisiert, dass Sie Ihre erste Million hatten?

Ich rede nicht so gern über Geld. Ich zähle es auch nicht, und Statussymbole drücken Unsicherheit aus. Ich habe für meinen Erfolg hart gearbeitet und bin happy, dass ich die Chance habe, meine Leidenschaft jeden Tag auszuleben.

Neben Mode machen Sie noch Parfums, Handtaschen, Brillen, Möbel, Geschirr. Wie groß soll das Angebot noch werden?

Hoffentlich noch viel größer. Mein Traum ist, ein großes Michalsky-Kaufhaus zu eröffnen. Einige Abteilungen müssen noch gefüllt werden, aber daran arbeite ich gerade.


Das Interview stammt aus der Capital-Printausgabe 10/2018.