GründerschmiedenMcKinsey vs. BCG: Welche Beratungen besonders viele Gründer hervorbringen

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Was zieht Berater in die Gründerszene? Oft genannt wird der Wunsch, nachhaltiger arbeiten zu können. „Es sind halt Projekte“, sagt Florian Hübner über seine dreieinhalb Jahre bei McKinsey. „Ich kann heute über kaum eines sagen, was daraus geworden ist. Ich hoffe aber, dass ich in zehn Jahren sehr genau sagen kann, wo Uberall steht.“ Uberall ist Hübners Baby, ein Start-up, das Unternehmen beim Location-Marketing hilft. Er hat es 2012 gemeinsam mit den Roland-Berger-Alumni David Federhen und Josha Benner gegründet. Inzwischen haben sie 190 Mitarbeiter und Büros in San Francisco, Kapstadt, London und Paris. Im Berliner Hauptquartier herrscht Platznot, ein neues Office soll im Herbst bezogen werden. Hübner scheucht ein paar Mitarbeiter aus einem der raren Konferenzräume, dann legt er los: „Beratungen wie McKinsey beschreiben sich als sehr unternehmerisch, aber in Wahrheit ist das überhaupt nicht so. Projekte an Firmen zu verkaufen, da trägt man doch kein unternehmerisches Risiko.“

Florian Hübner hat Uberall gegründet
Florian Hübner hat Uberall gegründet (Foto: Patrick Desbrosses)

Hübner fing 2008 bei McKinsey an – nicht das einfachste Jahr. Gemeinnützige oder aufregend innovative Projekte waren damals Mangelware, stattdessen dominierte Geschäft von der Stange: Fusionen, Übernahmen, Ausgestaltung von Angeboten. „Schon auch coole Fragen“ seien das gewesen, sagt Hübner, der an der Arbeit schätzte, ständig unter „motivierten, schlauen Leuten“ zu sein. Aber er haderte auch damit: „Man würde ja sagen, dass die Beraterarbeit total abwechslungsreich ist. Aber die Instrumente sind doch immer wieder die gleichen.“ Der Wandel, den er mit Uberall kontinuierlich erlebe, sei „viel, viel stärker“.

Aufstieg oder Abgang

Es ist nicht so, dass McKinsey und BCG in Scharen Berater davonliefen – die Fluktuation bleibt, so ist zu hören, mit circa 15 Prozent jährlich auf dem branchenüblichen Niveau. Bei McKinsey bleiben Berater im Schnitt drei bis vier Jahre. Die Topberatungen pflegen ihr „Up or out“-Prinzip: Wer nicht aufsteigt, bekommt einen Abgang nahegelegt. Benjamin Grosch, als Partner bei BCG für Alumni-Aktivitäten zuständig, betont, seine Firma sei als Arbeitgeber nach wie vor attraktiv, unter Hochschulabgängern sei kein abnehmendes Interesse zu spüren. „Es gibt einen Gründertrend, der aber hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass die Digitalisierung viele neue Geschäftsmodelle ermöglicht.“ Grosch freut sich über gründende Berater, vor allem wenn sie im Alumni-Netzwerk aktiv bleiben: Sie bringen anderen Input ein als Manager aus Konzernen. „Wir sind darauf angewiesen, dass wir in engem Kontakt mit den Alumni bleiben, um Thought-Leader in wichtigen Gebieten zu bleiben.“

Zwar sind von Alumni, die zu Konzernen wechseln, häufiger Beratungsaufträge für die Ex-Kollegen zu erwarten. Wer in die Start-up-Szene geht, hilft BCG dafür beim Branding: Die Strahlkraft erfolgreicher Gründer färbt auf die Beratung ab. „Für uns senden die Alumni eine starke Botschaft“, sagt Grosch. „BCG bringt dir das Handwerkszeug bei, um erfolgreicher Gründer zu werden.“

Dazu gehört etwa die Fähigkeit, viel und lange arbeiten zu können – wenn es sein muss, wird eben bis um vier Uhr nachts noch an der Präsentation gebastelt. Außerdem: eine gewisse intellektuelle Wendigkeit, Furchtlosigkeit vor großen Fragen. „Man lernt, sich schnell in neue Themen einzudenken und kreativ zu sein, wenn es darum geht, Wissen zu beschaffen“, sagt Sophie Chung. Soft Skills, ausdauernd trainiert, seien ebenfalls von Nutzen. „Du gehst als McKinsey irgendwo rein und wirst erst einmal gehasst. Wie schafft man es da, Vertrauen aufzubauen? Das bekommt man schnell beigebracht.“

Genau wie ein angstfreies Verhältnis zu großen Namen – selbst Berufsanfänger bekommen es bei den großen Beratungen schnell mit CEOs zu tun. „Man ist entspannt im Umgang mit Leuten, die im ersten Moment wichtig erscheinen“, erzählt McKinsey-Alumna Jutta Steiner, gelernte Mathematikerin und Gründerin des Berlin-Londoner Blockchain-Start-ups Parity. Für sie hatte die Beraterstation noch ein Plus: „Der McKinsey-Stempel im Lebenslauf ist hilfreich, etwa im Gespräch mit Investoren.“ Auch der Umgang mit Excel und Powerpoint gehört zum Berater-Einmaleins, was für die Gründungsphase ein Startvorteil ist. Ex-Berater sind in der Regel geübt in strukturiertem, analytischem Denken, haben ein schnelles Zahlenverständnis, hinterfragen vermeintliche Wahrheiten. Wenn es gilt, Märkte auf ihr Potenzial zu untersuchen, Geschäftsmodelle durchzurechnen, Businesspläne aufzustellen, werden genau diese Fähigkeiten gebraucht.