ManagementMissmanagement: Das kostet eine Kündigung

Ein Mann mit einem Koffer geht durch eine Tür
Und Tschüs! Häufig sind es die besten Mitarbeiter, die gehenGetty Images

Manchen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen weint man keine Träne hinterher, wenn sie kündigen. Andere sind kaum ersetzbar. Dumm nur, das meist diejenigen ein Unternehmen verlassen, die zur zweiten Kategorie zählen. Denn zweifellos haben sie auch die besseren Chancen, einen neuen Job zu finden. Und selbst im Abgang können diese Mitarbeiter noch sehr wertvoll sein. Der Jobwechsel wird schließlich einen Grund haben. Und wenn das Unternehmen den kennt, kann es vielleicht einen weiteren Exodus von guten Arbeitskräften  verhindern. Denn der ist erstens teuer, sorgt zweitens für Unruhe in Belegschaft und kann drittens das ganze Unternehmen in einen Abwärtsstrudel ziehen.

Das National Business Research Institute in Texas hat ausgerechnet, dass die Kündigung eines guten Mitarbeiters bzw. Mitarbeiterin bis zu 150 Prozent von dessen Jahresgehalt kostet. Eingerechnet sind die Kosten für die Stellenausschreibung, die Beauftragung eines Headhunters, der Aufwand für Bewerbungsgespräche und die Erstattung der Reisekosten der Anwärter. Aber das ist längst noch nicht alles: Neue Teammitglieder brauchen Zeit, um sich an Abläufe, Prozesse, Kollegen und Chefs zu gewöhnen. Jede Kündigung führt zu einem Stottern des Motors im Team, weil plötzlich ein Rädchen im Getriebe fehlt. Die Produktivität leidet. Außerdem belastet jede Kündigung eines/r langjährigen Kollegen oder Kollegin die Atmosphäre.

Fragen kursieren: Warum ist er/sie gegangen? Bekommt er/sie beim neuen Job mehr Geld? War der Chef schuld? Oder waren es die Kollegen? Die Arbeitszeiten? Das Betriebsklima? Und vor allem: Sollte ich mich vielleicht auch nach einem neuen Job umschauen? Wenn der /die es schafft, warum nicht ich?

Um die Gründe für eine Kündigung zu erfahren, rät das National Business Research Institute zu einem klärenden Gespräch. Denn der/die Mitarbeiter/-in kann in dieser Situation – sofern er/sie bereits einen neuen Job hat – frei, offen und schonungslos berichten. Und diese Informationen sind Gold wert.

#1 Entspannte Atmosphäre

Fragen Sie den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, am besten über eine neutrale Person, ob er/sie bereit wäre, dem Unternehmen einen letzten großen Dienst zu erweisen: nämlich Kritik zu üben. Quasi das Mitarbeitergespräch mit umgekehrten Vorzeichen. Der betroffenen Person muss klar sein: Die Intention dieses Gesprächs ist es, aus Fehlern zu lernen. Nicht er bzw. sie steht am Pranger, sondern das Unternehmen, denn es hat dabei versagt, ihn bzw. sie zu halten.

#2 Die richtige Person

Wenn der Grund für die Kündigung auf zwischenmenschlicher Ebene liegt, dann macht es keinen Sinn, die beiden Streithähne aufeinander einhacken zu lassen. Fragen Sie also den Mitarbeiter, ob er Einwände gegen seinen Gesprächspartner hat. Oder: Um die Situation so leicht wie möglich zu gestalten, schlagen Sie zwei oder drei Personen vor, von denen er eine aussuchen kann.

#3 Allgemein starten

Fragen Sie nach seiner/ihrer Sicht auf das Unternehmen, wie er/sie es anderen (Freunden und Bekannten) – jetzt, wo er/sie ausgeschieden ist – beschreiben würde. Was hat ihn/sie am meisten gestört, was hat ihm/ihr gut gefallen?

#4 Vorschläge einholen

Fragen Sie, was er oder sie anders machen würde und wie? Welche Strukturen er/sie beibehalten würde, welche aus seiner/ihrer Sicht zu ändern sind. Fragen Sie, ob er/sie sich genug motiviert (lesen Sie hier, wie Chefs ihre Mitarbeiter demotivieren), gefordert und gefördert gefühlt hat. Ob er oder sie zufrieden war mit seinem/ihrem Gehalt?

#5 Gründe für Wechsel

Fragen Sie konkret nach den Gründen für den Wechsel. War er/sie unglücklich? Oder unzufrieden? Wenn ja, warum? Aber beharren Sie nicht auf einer Antwort, wenn er/sie keine geben will

#6 No-Go

Fragen Sie nach der Leistung seiner oder ihrer Vorgesetzten. Aber fragen Sie nie nach der Leistung der Kollegen und Kolleginnen. Das wirkt wie Anschwärzen und bringt das Unternehmen auch nicht weiter, wenn eine vergiftete Atmosphäre unter den (Ex-)Kollegen geschürt wird.

#7 Bewertung

Arbeiten Sie mit den Antworten! Es sind die ehrlichsten, die Sie je bekommen werden. Der/die Mitarbeiter/-in kennt das Unternehmen wie kaum ein zweiter, braucht nicht um seinen/ihrer Job zu fürchten. Machen Sie etwas mit dem Wissen!