Gastbeitrag4 Schritte zum souveränen Umgang mit dem Methodenwahn

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#2 Den Kern klären

„Welches Problem soll gelöst werden?“, „Was ist das Ziel der Veränderung?“ – die Antworten auf diese Fragen geben den Kurs für die Wahl der richtigen Methode vor. Denn sie sichern deren Passgenauigkeit. Beispielsweise bewirkt agiles Arbeiten eben nicht zwingend die Umsetzung von mehr Projekten, wie häufig angenommen. Es geht darum, nicht das Symptom zu behandeln, sondern zum Schmerz, der Ursache, vorzudringen – und sich nicht mit schönen, sondern mit wahren Gründen zu beschäftigen. Das Aufbrechen der Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ist zwingend.

Der Unternehmenszweck, der Purpose, wie auch die Unternehmenswerte wirken zusätzlich als Leitplanken für eine nachhaltige Methodenwahl in der sich immer schneller verändernden Welt. Sie geben Orientierung und Stabilität und die Grundlage für Vertrauen.

Eine souveräne Auswahl braucht Objektivität und Rationalität der Entscheider. Nur diese Einstellung ermöglicht in der VUCA-Aufregung und angesichts der vollmundigen Versprechen der verschiedenen Methoden-Anbieter die Trennung der richtigen von den schönen Argumenten. Also, nicht schnell emotional den Favoriten wählen, sondern genauer hinschauen. Wie der kühle Blick gelingt? „Murder your Darlings“ ist ein hilfreiches Instrument. Das heißt, konsequent all das, was man persönlich intuitiv bevorzugt, streichen oder zumindest kritisch hinterfragen.

#3 Die richtige Auswahl treffen

Was gibt es eigentlich alles? Und was verbirgt sich hinter der jeweiligen Methode? Verschaffen Sie sich einen Überblick über Methoden, deren Facetten, Zielsetzungen und Vor- wie Nachteile. Und das immer wieder zu hörende „Das geht bei uns nicht“ oder auch „Bei uns ist das anders“ ist ein absolutes No-Go. Veränderung bedeutet, die Komfortzonen zu verlassen und Vorwände zu überwinden. Es geht schließlich um die Lösung des identifizierten Problems – und da könnten verschiedene Methoden passen. Möglicherweise ist auch eine Hybrid-Lösung oder die Ko-Existenz verschiedener Lösungen sinnvoll.

Was hilft Ihnen in diesem Schritt? Genaues Zuhören – Sie brauchen einen ehrlichen Bericht, jenseits aller Schönfärberei.

Ihre Entscheidung orientiert sich an folgender Maxime: Je unklarer das zu erreichende Ziel und der Weg dorthin sind, umso eher eignen sich Bausteine aus dem agilen Methodenkasten. Liegen die Anforderungen im Erfahrungsschatz des Unternehmens, greifen Sie auf tradierte Methoden zurück.

Die Perspektiven von Mitarbeitern, Kunden und weiterer Stakeholder liefern unverzichtbare weitere Impulse, die zu oft unberücksichtigt bleiben. Der letzte Check der Vorteile, Chancen, Bedenken und die ganzheitliche Kalkulation der Kosten in Relation zum angestrebten Ergebnis sichert Ihre Entscheidung.