Gastbeitrag4 Schritte zum souveränen Umgang mit dem Methodenwahn

Symbolbild Management
Symbolbild ManagementGetty Images

Agilität und Design Thinking, Holacracy, Beyond Budgeting und Working out Loud – jeder möchte up to date sein und meint, keine gerade aktuelle Welle verpassen zu dürfen. Wer will schon verantwortlich dafür sein, dass das eigene Unternehmen, der eigene Verantwortungsbereich auf die allseits geforderte Veränderung nicht reagiert hat? Also werden Methoden und Neuerungen wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben, bis (spätestens) im nächsten Jahr eine neue Sau auftaucht, die die alte vergessen lässt.

Dabei wird häufig blind Buzzwords gefolgt, es werden Ressourcen verbrannt, die häufig an anderer Stelle bitter fehlen. Und der Nutzen der Methode bleibt oft unberücksichtigt. Zudem werden die Mitarbeiter demotiviert bis hin zur inneren oder gar der realisierten Kündigung. Folgen, die sich gerade in den immer volatileren und komplexeren Zeiten kein Unternehmen leisten kann.

Deshalb ist es ein Muss für jeden Manager, sich aus dem Wahn um die gerade gehypte Methode zu verabschieden und souveräne Entscheidungen für sein Unternehmen, seinen Bereich zu treffen. Aber was können Entscheider konkret tun? Vier Schritte zum souveränen Handeln:

#1 Ursachen und Treiber erkennen

Buchcover
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Getreu dem Motto „Gefahr gekannt, Gefahr gebannt“ ist Klarheit über Ursachen und Treiber des Methodenwahns die Grundlage für eine souveräne Entscheidung. Der blinde Glauben in die Magie von Erfolgsversprechen zu einer Methode, einer Neuerung wirkt so, dass weder Hintergründe noch Eigeninteressen des Überbringer hinterfragt werden. Die unbedingte Fixierung auf die eine und nur diese Methode verstärkt dies und ermöglicht, dass diese als Non-plus-ultra-Lösung gehypt wird.

Dazu kommen stark vereinfachte Hoffnungssätze, die gerade in Zeiten der Unsicherheit ein begehrtes Gut werden. Wirken sie doch wie Strohhalme auf der Suche nach Halt. Aussagen wie „Selbstorganisierte Teams brauchen keine Führung“ oder auch „Freiraum beflügelt Mitarbeiter zu Höchstleistungen“ gewinnen schnell eine unwiderrufbare Eigendynamik.

Welche Treiber befeuern die Methodenjagd? Die omnipräsente Digitalisierung und Globalisierung wirken nur oberflächlich als Treiber, auch wenn sie Veränderungsdruck auslösen. Erst das Zusammentreffen mit inneren Treibern ermöglicht den Methodenwahn.

Angst bewegt als ein innerer Treiber die im Beruf Etablierten wie auch die „Frischlinge“. Die einen verfolgt die Angst, nicht mehr mithalten zu können, oder auch um den Verlust der erreichten Position, während die anderen eher existenzielle Ängste bewegen. Je größer die Angst ist, desto geringer die Risikobereitschaft. Schlichte, mutlose Risikovermeidungsstrategien im Sinne von „Ich nehme das, was alle nehmen, damit gehe ich kein Risiko ein“ sind sicher die letztendlich schlechteste Wahl.

Die zumeist negativen Presseberichte schüren zudem eine Untergangsstimmung, die den Blick auf die Fakten vernebelt und Unternehmen scharenweise in den Methodenwahn treiben.