Management10 Muster für den radikal-empathischen Führungsstil

Menschen am Tisch im Büro
Aufmerksamkeit der Kollegen gewinnt man durch EmpathieGetty Images

Unsere Arbeitswelt befindet sich im größten Wandel seit der Industriellen Revolution. Zwei Fragen werden dabei immer dringlicher: Wie können Talente rekrutiert werden, um den „War of Talents“ zu gewinnen? Und wie gelingt es, Potentialträger an das eigene Unternehmen zu binden?

Meine Antwort ist der radikal-empathische Führungsstil. Er lässt sich als hochgradig individuell und nachhaltig motivierend beschreiben, weil er an der intrinsischen Motivation, also am inneren Antrieb des Menschen ansetzt. Das ist insofern wichtig, weil Führungskräfte derzeit die Erfahrung machen, dass extrinsische Motivation nicht mehr greift. Die neue Generation der Arbeitnehmer hat ganz andere Ansprüche an die Gestaltung von Lebenszeit. Dazu kommt, dass Vertreter der Generationen Y und Z sich häufig gar nicht erst motivieren lassen. Der demografische Wandel, Fachkräftemangel und die Zunahme an Burn-out-Erkrankungen tun ihr Übriges.

Im Mittelpunkt des radikal-empathischen Führungsstils stehen die Persönlichkeiten von Mitarbeitern, die sich auf zehn Muster reduzieren lassen, jeweils gespeist von einem speziellen intrinsischen Motiv. Sind Muster und Motiv entschlüsselt, können Sie als Führungskraft die daraus resultierenden Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter mit entsprechenden Aufgaben bedienen – und sie so dauerhaft motivieren. Im Folgenden gebe ich Einblicke, wie das gelingen kann.

Intrinsische Motivation PERFEKTION

Perfektionisten sind sehr genau, geradezu pingelig in ihrer Arbeit. Sie achten sowohl bei ihrer eigenen Arbeit als auch der ihrer Kollegen auf eine korrekte Umsetzung ihrer Tätigkeit. Ihr Fokus ist darauf gerichtet, was im Unternehmen verbessert werden sollte. Sie achten auf Disziplin, 100 Prozent Zielerfüllung, Ordnung und Pünktlichkeit. Sie schaffen und verbessern Strukturen, Regeln und Abläufe, haben Sinn für zukunftsweisende Reformen und sorgen für Qualitätssicherheit, gelten als streng und fair, sorgfältig und korrekt. Ihre Körpersprache wirkt aristokratisch. Und ihr Bedürfnis liegt darin, es richtig zu machen.

Tipps für den Umgang mit Perfektionisten:

  • klare und sinnvolle Zielvorgaben, Rahmenbedingungen und Kontrollmöglichkeiten
  • enge Kette an Wertschätzung bezogen auf ihre Stärken: ihre Genauigkeit und ihren scharfen Blick
  • regelmäßiges Entwicklungsgespräch/ Feedback auf der Sachebene
  • Rückmeldung wenn die erbrachte Leistung ausreicht /verhindert die Tendenz zum 150 Prozent
  • Unterstützung dabei, Dinge zu delegieren
  • das Gefühl geben, dass häufig auch 80 Prozent ausreichend sind
  • Anerkennung für das Loslassen und „mal Fünfe grade sein lassen“, das Zeigen von Gelassenheit
  • eigene Schwächen und Fehler eingestehen
  • Botschaft senden: „Du bist gut“

Intrinsische Motivation LIEBE

Helfende sind herzlich und fürsorglich, haben einen guten Sensor für Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, sind aufmerksam und einfühlsam. Sie sorgen für ein gutes Betriebsklima und erkennen unterschwellige Konflikte und Spannungen. Helfende laufen zu Hochformen auf, wenn sie sich für andere einsetzen können, auch dann, wenn ihre Hilfe gar nicht erwünscht ist. In der Unterstützung anderer übertreffen sie sich selbst und reißen dann auch gerne die ganze Arbeit an sich. Die Gefahr, die eigene Kraft zu überschätzen und in einen schweren Erschöpfungszustand zu geraten, ist sehr groß. Ihr Bedürfnis liegt darin, gebraucht zu werden.

Tipps für den Umgang mit Helfenden:

  • Ermunterung dabei, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und sich selbst helfen zu lassen
  • Unterstützung dabei, die Gefühlsebene von der Sachebene zu unterscheiden
  • freundliche Abgrenzung
  • Anerkennung dafür, Hilfe von anderen anzunehmen
  • darauf achten, dass sich die Helfenden nicht zu sehr aufopfern, ihre eigenen Bedürfnisse äußern und Grenzen artikulieren
  • Botschaft senden: „Du bist erwünscht“