ArbeitsweltLebenslanges Lernen: Der Sprung Ihres Lebens

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Schritt für Schritt


Beispiel 5: die Journalistin, die nun Projekte managt – eine Geschichte aus der Capital-Redaktion.


Ich bin Journalistin, seit fast 20 Jahren, und ich kann mir schwer vorstellen, etwas völlig anderes zu tun. Allerdings ist unsere Branche früh von der Digitalisierung durchgerüttelt worden: Leser gehen heute nicht mehr zum Kiosk, sondern ins Netz, und da gucken sie oft auch lieber Netflix. Der Journalismus muss sich also etwas einfallen lassen – und wir auch. Die Capital-Redaktion füllt darum längst nicht mehr nur ein Monatsmagazin.

Es gibt die Website, Bücher, Newsletter, Veranstaltungen. Gelernt haben wir natürlich alle etwas anderes: Artikel schreiben für Zeitungen. Mein Job aber bewegt sich heute oft sehr weit weg davon. Für Capital organisiere ich mittlerweile etwa die Talentekür „Junge Elite – die besten 40 unter 40“ und mache vieles, was über journalistisches Handwerk hinausgeht: Studien entwickeln, Projekte planen, digitale Umfragen aufsetzen.

Vieles davon habe ich im Vorbeigehen gelernt, beim Machen. Diese Form der Weiterbildung dürften die meisten kennen: Man wächst an seinen Aufgaben. Und tatsächlich geht es ja beim lebenslangen Lernen auch selten um einmalige, radikale Veränderungen, sondern um beständige kleine Schritte – genau das sollte man sich stets vor Augen halten, wenn man sich von dem Thema überfordert fühlt.

Vor einigen Monaten etwa habe ich selbst gemerkt, dass ich mich beruflich wieder ein Stück entwickeln sollte. Kurz denke ich tatsächlich darüber nach, programmieren zu lernen – weiß dann aber schnell: Es kostet sehr viel Zeit, führt sehr weit weg von meinen jetzigen Aufgaben und ist genau deshalb Quatsch. Ich entscheide mich stattdessen für einen Workshop „Projekte planen und managen“.

Zwei Tage, ein internes Angebot unseres Verlags Gruner + Jahr. Ein weiterer kleiner Schritt und genau richtig. Der Workshop beginnt stressig, da ich am Tag zuvor ein Interview geführt habe, das ich dringend noch aufschreiben muss. Selbst in der Kaffeepause tippe ich und lerne anschließend: Als Projektmanagerin hätte ich mehr Zeitpuffer und besseres Risikomanagement einbauen müssen.

Auch sonst erkenne ich oft Fallen wieder, in die ich schon getappt bin. Etwa: keine konkreten Projektziele zu formulieren. Die zwei Tage Workshop machen aus keinem einen kompletten Projektmanager. Aber sie haben mir ein Rüstzeug gegeben, das mir nun hilft, strukturierter zu arbeiten – bei Projekten, bei Artikeln und bei den nächsten kleinen Schritten.


Der Beitrag ist erstmals in der Capital Printausgabe 07/2019 erschienen.