InterviewWie eine Frau mit Haarbürsten ihre erste Million machte

Seite: 2 von 2

Wollen Sie darüber sprechen?

Warum nicht? Ich habe Brustkrebs und muss Chemotherapien machen. Die Krankheit ist in meinem Fall früh erkannt worden und heilbar. Das sollte weder stigmatisiert noch verschwiegen werden.

Wie gehen Sie im Alltag damit um?

Ich kann meine Arbeitszeit flexibel planen und viel von zu Hause machen. Aber bei uns arbeiten viele junge Menschen, die sich große Sorgen machen, wenn der Boss nicht mehr zwölf Stunden arbeitet. Für die will ich auch Präsenz zeigen. Da kann sich das Leittier nicht einfach zurückziehen.

Machen Sie sich selber Sorgen um die Zukunft? 

Wir sind als Gründer voll ins finanzielle Risiko gegangen. Wir haben uns zunächst weder um Altersvorsorge gekümmert noch schwere Krankheiten einkalkuliert. Da denkt man anfangs überhaupt nicht drüber nach. Aber wir haben jetzt eine finanzielle Basis aufgebaut, mit der wir die nächsten großen Schritte planen.

Was wird das sein? 

Wir starten in diesem Jahr den Markteintritt in den USA. Damit haben wir so lange gewartet, bis wir die Finanzkraft, die Produkte, die Erfahrung und die Mannschaft aufgebaut haben, um diesen wichtigen Markt zu erobern. Wenn das klappt, rechnen wir mit Umsätzen in zweistelliger Millionenhöhe. Der Schritt wird unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Dafür werde ich wohl auch selbst von Amerika aus arbeiten.

Haben Sie nie ans Aussteigen gedacht?

Wir haben schon einige Kaufangebote von den großen fünf der Branche bekommen. Es ist nicht so, dass das nicht verführerisch gewesen wäre. Aber uns war immer klar, dass wir die Firma mit den nächsten Expansionsschritten noch sehr viel wertvoller machen werden. Das lassen wir uns nicht entgehen.

In China sind Sie schon länger vertreten. Ist der Markt nicht viel schwieriger als die USA? 

Ich kenne China durch meine vorherigen Tätigkeiten seit 25 Jahren. Ich habe in Hongkong einen exzellenten Partner, mit dem ich seit über 20 Jahren bei Produktion, Logistik, Lagerung und Verschiffung zusammenarbeite.

Sie haben in den sieben Jahren Ihres Unternehmertums viel gelernt. Was würden Sie bei der nächsten Gründung anders machen? 

Ich arbeite tatsächlich schon an einem neuen Projekt, das aber noch nicht spruchreif ist. Und ich habe meinem Mann gesagt: Ich möchte das nicht mehr mit dir zusammen machen, ich mache das alleine. Eine gemeinschaftliche Unternehmensgründung kann für die Beziehung eine extreme Belastung sein. Wir sind beide schonungslos miteinander in der Zusammenarbeit. Als Paar muss man immens viel Geduld, Verständnis und Disziplin aufbringen, damit die Firma die Liebesbeziehung nicht auffrisst.

 


Erste Million erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Interviews aus dieser Serie finden Sie hier. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay