ManagementJunge Elite - Wir schaffen das

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Lieber Angreifer sein!

Panya Putsathit
Panya Putsathit, 39, hat mit einem Kommilitonen vor vier Jahren Mein Fernbus gegründet. Ihre Firma ist unangefochtener Marktführer bei Fernbus-Angeboten – und macht der Deutschen Bahn zu schaffen
© Jan Philip Welchering

Attackieren oder verteidigen – die „Junge Elite“ Deutschlands ist auf beiden Seiten zu finden. Für Panya Putsathit war klar, auf welcher Seite er mitmischen will: als Angreifer. Auf die Deutsche Bahn.

Vor einigen Jahren saß er in einem Speisewagen der Bahn, auf der Fahrt von Stuttgart nach Berlin, genauer gesagt im „Karriereexpress“, einem Sonderzug, in dem die Bahn sich als Arbeitgeber für Hochschulabsolventen präsentiert. In Berlin sollte noch ein Assessment-Center sein.

Panya Putsathit und Torben Greve, beide damals 25 Jahre alt, waren fast fertig mit ihrem BWL-Studium und schon mal auf Jobsuche. Nach all den Gesprächen trafen sich die beiden im Bordbistro und landeten wieder bei ihrer Idee: „Wie wäre es, wenn wir so was aufziehen wie den National Express?“

Die Idee hatte sie seit ihrem England-Aufenthalt, bei dem sie sich kennengelernt hatten, nicht losgelassen. Dort waren sie häufig mit diesem Fernbus gereist, gut und günstig. Und nun passte an diesem Tag, an diesem Ort alles so gut, dass sie ihrer Idee einen Namen gaben: Victoria. So hieß das Mineralwasser, das ihnen die Bahn serviert hatte. Es sollten zehn Jahre vergehen, bis aus dem Projekt Victoria Mein Fernbus werden würde, das größte Fernbusunternehmen in Deutschland, das der Deutschen Bahn Millionen Kunden abspenstig gemacht hat.

„Unsere größte Sorge zu Anfang war, dass Konzerne mit viel Geld und Power wie die Bahn den neuen Markt für sich klarmachen“, erinnert sich Putsathit. „Wir haben versucht, unter dem Radar zu fliegen. Die sollten ruhig denken, dass das ein Hobbyprojekt ist.“ Im Juni 2011 gründeten sie ihr Unternehmen. Kurz zuvor hatten sie ihre Jobs gekündigt, seither lief das Projekt auf Hochtouren, alles vom heimischen Schreibtisch aus.

„Wir sind gerannt und gerannt“

Wie so häufig bei allem, was heute als Disruption, also als Zerstörung von Geschäftsmodellen, bezeichnet wird, merkte die Bahn viel zu spät, dass die beiden Jungunternehmer ernste Konkurrenten sind. Doch da flog die Idee schon. Als Anfang 2013 der Fernverkehr liberalisiert wurde, hatte Mein Fernbus 30 Busse auf der Straße, bediente zahlreiche große Routen deutschlandweit. „Die Schnellen und Schlauen fressen die Langsamen und Trägen. Wir sind flexibler und schneller“, sagt Putsathit.

Das sind große Worte aus einem vollen Mund. Aber mittlerweile gehört das zur Lehre: Der etablierte Anbieter wähnt sich lange in Sicherheit. Die Angreifer spielen nach neuen Regeln. „Eine größere Risikofreude zeichnet diesen Karrieretypen aus“, sagt Thomas Tomkos, Deutschlandchef der Personalberatung Russell Reynolds. „Diese Generation an Entscheidern hat eine Vision, zeigt bei der Umsetzung eine extreme Leistungsbereitschaft und trifft schnelle Entscheidungen.“

„Bei uns ist alles durch die Decke gegangen“, sagt Putsathit. „Wir sind gerannt und gerannt. Wir wollten uns die Marktführerschaft auf keinen Fall abringen lassen.“ Deshalb sind sie Anfang dieses Jahres mit Flix Bus zusammengegangen, dem ärgsten Konkurrenten aus München.

Nun ist Putsathit gemeinsam mit vier anderen Chef von 750 Mitarbeitern. 800 Busse fahren für das Unternehmen, mehr als 25 Millionen Fahrgäste haben sie bislang transportiert, bald wollen sie nach Frankreich und Italien expandieren.

Bei der Suche nach Investoren und Partnern von Omnibusbetrieben setzen sie auf ihre Erfahrung und ihren Auftritt. Anzug und Krawatte sind Pflicht, in Jeans und Rolli trifft man sie nur im Büro. „Wir wollten auf keinen Fall als die hippen Studenten daherkommen, die einfach irgendetwas gründen, Hauptsache, es ist online“, sagt Putsathit.