ManagementJunge Elite - Wir schaffen das

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Konzerne sind auch sexy

Franz Koch, Ex-CEO von Puma und Mykita-Geschäftsführer, erzählte offen über die Auf und Abs seiner Karriere
Franz Koch berichtete auf dem Junge-Elite-Gipfel von seinen Erfahrungen
© Jan Philip Welchering

Für alle, die kein Lieferdienst in Berlin sind, eine gute Nachricht: Die klassische Konzernkarriere ist immer noch attraktiv, zumal sich die Arbeitsbedingungen und Strukturen langsam verändern.

Viele aus dem Kreis der „Jungen Elite“, die sich Anfang November zu einem Gipfel in der Berliner Google-Repräsentanz trafen, spüren, dass bei ihren Unternehmen etwas passiert. Julia Daecke etwa, die vor fünf Jahren von Roland Berger zur Deutschen Telekom wechselte: „Die Arbeit bei der Telekom macht mir Spaß“, sagt sie – in ihrer Leitungsfunktion im Bereich Technik beschäftigt sie sich mit Themen rund um das Planen, Bauen und Betreiben von Netzen. „Die Telekom ist ein dynamisches Unternehmen trotz der Größe.“

Auch Christian Baier, der mit 39 schon Finanzvorstand bei Metro Cash & Carry ist und vor viereinhalb Jahren vom Finanzinvestor Permira zum Großhändler kam, hat den Konzernkulturschock längst verdaut. Früher sei die Metro noch sehr zentralistisch gesteuert und hierarchisch geführt worden, sagt er. Das gehe heute nicht mehr und habe sich deutlich gewandelt: „Einerseits fordern wir heute den Dialog und das Einbinden von Mitarbeitern in Entscheidungsprozesse, andererseits denken wir stärker aus Kundensicht.“

Der Konzern an sich wird von der „Jungen Elite“ nicht als Last empfunden, nicht alle wollen gründen, und viele schätzen auch die Kraft der großen Organisation. Es hilft einfach, wenn das Geld für ein Projekt da ist – und man nicht bei der KfW oder bei Investoren betteln muss.

„Was will ich eigentlich?“

„Man muss ganz ehrlich zu sich sein“, sagt Franz Koch. „Was passt zu mir, was kann ich, und was will ich eigentlich?“ Wohl nur wenige haben sich diese Fragen so intensiv gestellt wie er – denn Koch ist eine Ausnahmeerscheinung. Mit nur 32 Jahren wurde er Chef von Puma. Doch er war nach nur zwei Jahren den Posten wieder los – als der Sportartikelhersteller in die Krise geriet und ihm der Eigner PPR das Vertrauen entzog.

Dann lagen die Optionen vor ihm: wieder Konzern, einreihen. Oder Geschäftsführer bei einem Mittelständler. Selbst Gründer werden wollte er in der Post-Puma-Phase nicht.

Schließlich fand er in Berlin bei der Brillenmanufaktur Mykita seine neue Heimat. Bei dem 2003 gegründeten Unternehmen ist er als Gesellschafter und Geschäftsführer eingestiegen. „Ich kann hier wirklich gestalten“, sagt er. „Es ist direkter, ehrlicher, irgendwie realer.“

Koch, der 2011 zu den „Top 40“ zählte, trägt die doppelte Disruption in sich: Er war ganz oben in einem Konzern, jetzt ist er in einem Unternehmen mit 300 Mitarbeitern, mitten in Kreuzberg – das mit individuellen Designbrillen selbst eine Branche aufmischen will.