InterviewWie John Strelecky seinen Weg gefunden hat

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Oft wird gesagt, dass es ein neues Phänomen ist, dass Menschen nach der Sinnhaftigkeit in ihrem Job fragen. Vielleicht sogar ein Phänomen der sogenannten Generation Y. Glauben Sie, das stimmt?

Nein, ich glaube nicht, dass es ein neues Phänomen ist. Ich glaube einfach, das hängt an der aktuellen ökonomischen Situation. Wenn die wirtschaftlichen Probleme größer sind, dann sind die Menschen mit anderen Bedürfnissen beschäftigt als der Selbstverwirklichung. In besseren wirtschaftlichen Zeiten rutschen sie in der Bedürfnispyramide nach oben und beschäftigen sich mit Zufriedenheit. Sie haben dann die Flexibilität und Freiheit, das zu tun. Das ist meiner Meinung nach auch keine Frage der Generationen, sondern eher eine der Zeit, in der man lebt. Menschen allen Alters lesen meine Bücher, letztens bekam ich eine Mail einer 80-Jährigen.

Aber gibt es nicht auch in der heutigen Zeit Menschen mit wirtschaftlichen Problemen, die ihrer Selbstverwirklichung im Weg stehen?

Ja, das stimmt. Aber es gibt fast nie eine Lösung für alle Menschen. Ich möchte, dass sich die Menschen fragen, ob das Konzept für sie funktioniert – für ihre Situation und ihr Leben. Denn es zählt nicht, ob es auch für andere funktioniert. Wenn ich mir ein Smartphone kaufe, entscheide ich auch, welches für mich am besten geeignet ist und nicht, welches für andere passt.

Sie geben auf Workshops für Unternehmen, um deren Bestimmung herauszufinden. Ist die Bestimmung eines Unternehmens nicht intrinsisch, Dinge zu verkaufen, die Menschen haben wollen und damit Geld zu verdienen?

Der erste Zweck eines Unternehmen ist es, Geld zu verdienen. Sonst geht es bankrott. Aber der effizienteste und wirksamste Weg zur Profitabilität ist, die Bestimmung des Unternehmens zu definieren, die nicht nur die Mitarbeiter kennen, sondern auch alle anderen Menschen auf der Welt. Auch weil Unternehmen dann erfolgreich sind, wenn sie gute Mitarbeiter haben. Und die klügsten und talentiertesten Menschen wollen nicht mehr nur ein gutes Gehalt, sondern einen Job, der mit ihren Lebenszielen vereinbar ist. Deswegen müssen Unternehmen ihre Ziele so deutlich kommunizieren.

Mit dem Verkauf von Büchern und Angebot von Workshops sind Sie selbst eine Art Unternehmen. Sind Ihre Lebensziele dieselben wie die des Unternehmens?

Die sind definitiv verknüpft. Eins meiner fünf großen Ziele ist es, so viele Menschen wie möglich zu inspirieren. Und das ist auch das Ziel des Unternehmens. Indem ich Interviews gebe, Bücher schreibe und Workshops gebe, verbreite ich meine Ideen.

Ihr Ansatz ist sehr auf den Einzelnen bezogen, braucht es auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, um die Suche nach der eigenen Sinnhaftigkeit zu unterstützen?

Es gibt Bedingungen, die Menschen die Freiheit und Flexibilität geben, über den Sinn ihres Tuns nachzudenken. Und eine dieser Bedingungen ist der Zugang zu Ressourcen. Denn egal was man sich selbst als Ziel setzt, es gibt garantiert jemanden, der irgendwann und irgendwo schon einmal das gleiche Ziel verfolgt und Erfahrungen gesammelt hat. Ich glaube fest daran, dass man diese Menschen finden muss und alles über sie lernen sollte, was möglich ist. Und dieser Zugang zu Wissen existiert in unserer Gesellschaft. Fast jeder besitzt ein Handy, einen Computer oder den Zugang zu einer Bibliothek. Jeder hat Zugang zu Informationen über seine Vorbilder. Und dann geht es wieder um individuelle Entscheidungen: Ist dir bewusst, dass es Vorbilder gibt und bist du bereit, Zeit und Energie aufzuwenden, um mehr über sie zu lernen? Ich glaube wirklich, jeder hat die Möglichkeit dazu.

Ist es nicht auch etwas egoistisch, sich nur mit seinem eigenen Wohlergehen zu beschäftigen?

Diesen Eindruck haben viele Menschen. Aber ich vergleiche das mit der Situation im Flugzeug. Wenn die Sauerstoffmasken herunterfallen, soll man sie sich erst selbst anziehen, bevor man anderen hilft. Im Leben ist das glaube ich ähnlich. Für fast alle Menschen ergibt sich ihre Sinnhaftigkeit auch darin, anderen Menschen, Tieren oder der Natur zu helfen. Menschen wollen einen Unterschied machen. Wenn man ihnen die Freiheit und die Flexibilität gibt, die Sachen zu tun, die sie tun wollen, dann wird das zu einer besseren Welt führen.