KarriereSo werde ich meinen Chef los - in neun Schritten

Wütender Mann

Wirtschaft, wir haben ein Problem! In Deutschland ist das Verhältnis zwischen Chefs und Mitarbeitern oft zerrüttet. Das legen Studien nahe, wie der Engagement-Index der internationalen Unternehmensberatung Gallup. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer (21 Prozent) ist laut der aktuellen Erhebung für das Jahr 2016 mit seinem Chef zufrieden. Knapp 80 Prozent sind es nicht. Der Ärger mit dem Chef geht soweit, dass sogar 18 Prozent, also ebenfalls fast jeder Fünfte,  im vergangenen Jahr überlegt hat, wegen seines Vorgesetzten zu kündigen. Und die Chefs? Die fühlen sich pudelwohl in ihrer Rolle, klopfen sich selbst auf die Schultern, was sie doch für tolle Typen sind. 97 Prozent, auch das ergab die Gallup-Studie, halten sich selbst für eine gute Führungskraft. Ein krasser Widerspruch zu der Wahrnehmung in der Belegschaft. Und Besserung ist kaum in Sicht. Nur 40 Prozent der Führungskräfte haben in den vergangenen zwölf Monaten eine Weiterbildung besucht, um den Umgang mit den Mitarbeitern zu verbessern.

Für die Unternehmen ist schlechte Personalführung ein Desaster. Laut Gallup entsteht der deutschen Wirtschaft dadurch ein Schaden von bis zu 105 Mrd. Euro. Jährlich! Sind Mitarbeiter emotional kaum an ihren Arbeitgeber gebunden, wirkt sich das direkt auf wichtige Wettbewerbsfaktoren wie Fehlzeiten, Produktivität, Rentabilität, Qualität und Kundenbindung aus. Demotivierte Mitarbeiter zeigen weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein – und sie schweigen zudem häufiger zu Fehlentwicklungen. Laut Gallup hat jeder dritte Mitarbeiter in den letzten zwölf Monaten gegenüber seinem Vorgesetzten mindestens einmal schwere Bedenken nicht geäußert – bei den Mitarbeitern ohne emotionale Bindung schwieg sogar fast jeder Zweite.

Dabei muss jedes Unternehmen froh sein, wenn die Mitarbeiter kritisch sind. Vor allem auch mit dem direkten Vorgesetzten. Und zur Not auch an dessen Stuhl sägen, anstatt selbst zu kündigen. Vorausgesetzt, die Kritik am Chef ist berechtigt. Aber wie werde ich ihn nun los, den ungeliebten Chef? Eine Anleitung in neun Schritten:

#1 Kollegen befragen

Zunächst einmal, sind Sie sicher, dass das zerrüttete Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten nicht auch an Ihnen liegen kann? Waren Sie scharf auf seinen Posten, fühlen sich von der Firmenleitung über- und von ihrem jetzigen Chef hintergangen? Schlechte Ausgangslage. Suchen Sie das Gespräch mit ihren Kollegen, fragen sie, wie ihr Verhältnis zum Boss ist. Deckt sich das mit ihren Erfahrungen, dann müssen Sie etwas tun. Packen Sie die Säge aus!

#2 Boss konfrontieren

Suchen Sie das Gespräch mit ihrem Chef, wischen Sie sich aber zuvor den Schaum vom Mund. Bleiben Sie ruhig und sachlich beim Showdown. Wenn einer laut wird, dann soll es der Choleriker auf der anderen Seite des Schreibtisches sein. Das ist gut für #3.

#3 Personalchef konsultieren

Der Schritt erfordert Mut. Aber was haben Sie zu verlieren? Sie leiden unter der Knute des Antreibers. Die Alternative, selbst zu kündigen, ist wie Aufgeben, den Chef gewinnen lassen. Schildern Sie sachlich, wie es Ihnen ergeht. Erklären Sie, dass Sie bereits mit dem Vorgesetzten direkt gesprochen haben, und wie er reagiert hat. Und dass Sie in diesem Moment zwar für sich sprechen, aber im Grunde die Meinung der Belegschaft präsentieren. Ziehen Sie aber keine Kollegen ungefragt in diese Angelegenheit mit rein. Das sieht aus, als wollten Sie sich hinter den anderen verstecken. Raten Sie aber dem Personalchef, sich doch einmal umzuhören. Das Problem: Ihr Vorgesetzter wird zunächst eine schützende Hand „von oben“ haben. Denn derjenige, der ihn eingestellt hat (im Zweifel der Personalchef, vor dem Sie gerade sitzen), müsste sich selbst eingestehen, verantwortlich für eine Fehlbesetzung zu sein. Aber Sie haben den Fall zunächst einmal offiziell gemacht – und damit alles richtig. In einem professionellen Unternehmen werden diese Gespräche vertraulich behandelt. Und der Beschwerde wird nachgegangen. Wer weiß, vielleicht sind Sie ja auch nicht der erste, der sich beklagt.

#4 Betriebsrat einschalten

Wenn Sie merken, dass die direkten Gespräche mit ihrem Boss und dem Personalchef nicht gefruchtet haben, oder die Situation sogar schlimmer geworden ist, dann ist es Zeit, den Betriebsrat einzuschalten – oder die Gewerkschaft. Dadurch wächst der Druck auf die Firmenleitung sich des Falls anzunehmen. Er kann nun nicht mehr einfach in der Schublade verschwinden.

#5 Dokumentation erforderlich

Das wichtigste, um den Chef abzusägen, ist: Fakten, Fakten, Fakten. Dokumentieren Sie möglichst konkrete Fälle. Wann und wie kam es zu welcher Situation oder Reaktion? Bleiben Sie dabei sachlich, lassen sich nicht von ihren Emotionen leiten, lassen Sie die Fälle für sich sprechen. Zitieren Sie Vorfälle, notieren Sie sich mögliche Zeugen, den Ort, die Umstände. Fragen Sie aber zuvor ihre Kollegen, ob sie genannt werden möchten. Im besten Falle bestätigen die Kollegen die Dokumentation schriftlich. Ein solches Dossier hat Sprengkraft. Fühlen Sie sich als alleiniges Opfer ihres Chefs, versuchen sie zu ergründen, warum das der Fall sein könnte. Mobbing durch den Chef kommt nicht selten vor. Stehen Ihre Kollegen hinter Ihnen, fragen Sie um Erlaubnis, auch deren Vorfälle zu dokumentieren. Viele werden allerdings davor zurückschrecken, weil sie Angst um ihren Job haben – oder Konflikte scheuen.

#6 Der Boss vom Boss

Gewappnet mit der Dokumentation, versuchen Sie ein vertrauliches Gespräch mit dem Chef ihres Vorgesetzten zu arrangieren. Aber nur dann, wenn Sie ihm zutrauen, objektiv zu sein. Schließlich hat er den Kerl gefördert, der Ihnen das Leben schwer macht. Andererseits hat er ein Interesse an einem motivierten Team, das bestmögliche Leistungen bringt und zum Erfolg des Unternehmens beiträgt.

#7 Eskalation suchen

Thematisieren Sie das Verhalten Ihres Chefs im Kreise der Kollegen. Nach Meetings, die im Chaos endeten, nach cholerischen Ausbrüchen, nach Beleidigungen. Hält Ihr Vorgesetzter sich im Beisein anderer Ihnen gegenüber im Zaum, versuchen Sie Situationen herbeizuführen, in denen er die Maske fallen lässt – beispielsweise in Konferenzen. Im Idealfall sogar im Beisein seines Bosses. Sie wissen am besten, bei welchen Punkten er explodiert. Je mehr Zeugen es gibt, um so schwieriger ist es für die Firmenleitung, den Beschwerden nicht nachzugehen.

#8 Argumentation vorbereiten

Auch wenn Sie zu 100 Prozent im Recht sind, Sie müssen auch damit rechnen, kein Gehör zu finden. Gerade in kleineren Unternehmen, wenn vielleicht eine Old-Boys-Connection die Fäden zieht. Eine eingeschworene Truppe, zusammengeschmiedet in heißen Saunanächten oder an der Bar im Golfclub. Dann versteht die Firmenleitung nur eine Sprache: Kohle. Recherchieren Sie. Ein demotiviertes Team stottert nur noch wie ein V8-Motor auf einem Zylinder. Tragen Sie Krankheitstage zusammen, Umsatzkurven oder Kundenbewertungen. Schlechte Bilanzen können aus einer Nagelfeile eine Flex machen, die am Chefsessel sägt.

#9 Worst Case vorbereiten

Den Boss anzuschwärzen, kann immer zum Bumerang werden. Das sollten Sie nicht vergessen. Halten Sie für alle Fälle schon einmal Ausschau nach einem anderen Job. Das Gute: Sie können nur gewinnen. Entweder wird Ihr Vorgesetzter gefeuert oder er besinnt sich. Oder Sie können erhobenen Hauptes das Unternehmen verlassen. Das tut Ihnen gut. Immerhin haben Sie nicht klein beigegeben. Und mal ehrlich, jeder weitere Tag in einem solchen Unternehmen, wäre reine Verschwendung.