InterviewReinhold Messner über seine erste Million

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Sie haben Ihre Bergsteiger-Karriere Ende der 80er-Jahre beendet, um durch die Antarktis und die Wüste Gobi zu wandern, warum?

Bergsteigen war für mich zur Routine geworden, ich kannte und konnte das. Aber mich treibt die Neugierde an, ich will ständig etwas Neues lernen – auch wenn sich meine Sponsoren getrennt haben, als ich mit dem Bergsteigen aufgehört habe. Sie fanden, dass das Wandern nicht passen würde, ich sei doch Bergsteiger. Mir war das egal. Ähnlich ist das bei meinen sechs Museen in Südtirol: Als die liefen und sich dann auch selbst trugen, habe ich die Führung an meine Tochter abgegeben. Mein Egoismus besteht darin, ausschließlich neue Ideen zu verwirklichen. Ich bin kein Verwalter.

Ihre sechs Museen in Südtirol drehen sich rund um das Thema Berg und zeigen beispielsweise Kunst, die unser Verhältnis zum Gebirge thematisiert. Die Museen erzielen nicht nur Gewinn, Sie kommen dabei – anders als die meisten anderen Museen weltweit – ohne Subventionen aus, wie ist Ihnen das gelungen?

Erstens habe ich Synergien geschaffen: Die Museen liegen zwar an unterschiedlichen Standorten, aber jeweils drei liegen nah beieinander. Wir brauchen deshalb nicht sechs, sondern nur zwei Hausmeister – und die sechs Museen haben nur eine gemeinsame Verwaltung.  Zweitens achten wir sehr darauf, wen wir einstellen. Wenn in Italien ein Unternehmen wie wir mehr als 20 Mitarbeiter hat, ist es quasi unmöglich, Mitarbeitern zu kündigen. Drittens habe ich die Museen im Gebirge platziert, sodass die Häuser das Thema Berge auch tragen.

Reinhold Messner: „Das Alter ist ein Massaker“

Sie hatten zwischenzeitlich ein Sportgeschäft und drei Läden für alternative Produkte, alle sind pleite, was haben Sie daraus gelernt?

Ach, ich habe diese Läden nicht selbst operativ  gesteuert, sondern habe die Führung jeweils einem Co-Gesellschafter überlassen. Diese haben es nicht geschafft, die Geschäfte profitabel zu machen. Ich habe daraus gelernt, dass Dinge nicht funktionieren, wenn ich sie nicht selber mache.

Sie haben sich immer wieder neu erfunden, zuletzt mit den Museen, was ist ihr aktuelles Projekt?

Ich mache Filme über die Berge, darüber hinaus gibt es keine Pläne. Ich versuche, währenddessen gesund alt zu werden, aber das Alter ist ein Massaker. Es stellt jemanden wie mich vor große Probleme, weil ich immer Sachen gemacht habe, von denen andere nicht mal geträumt haben. Ich versuche jetzt, auch diese Herausforderung anzunehmen. Irgendwann werde ich nur noch Berge hochsteigen, die kinderleicht sind, ich klettere also nicht entlang der steilen Felswände, sondern auf sicheren Pfaden.

Sie geben Motivationsseminare bei Firmen. Was haben Sie dabei über die Wirtschaft gelernt?

Ich habe lange Zeit nichts von der Steuer abgesetzt, weil ich gar nicht wusste, dass man das so macht. Dabei hätte ich wohl meine Reisen angeben können, weil sie die Basis für meine Einnahmen, meine Vorträge und Bücher sind.


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