ExklusivInformant zu MH 17 packt aus

Seite: 3 von 3

Unterlagen vom ukrainischen Geheimdienst?

Zeitgleich finden laut Resch auch Treffen mit einem russisch sprechenden Mann  statt. Zweimal hätten sie den etwa 35 bis 40-Jährigen getroffen. Er hätte jeweils einen dicken Ordner mit Unterlagen, Kopien von Dokumenten mit Stempeln und den Verweisen „streng geheim“ dabei gehabt. Angeblicher Absender: der ukrainische Geheimdienst SBU. Der Mann, so habe er gesagt, hätte viele Kontakte in die Spitze der Ukraine.

Laut Informant sollen die Originalunterlagen längst vernichtet worden sein. Auch diese Anordnung dazu findet sich in den Unterlagen wieder. Capital konnte sie einsehen. In den vorgelegten Dokumenten, deren Echtheit nicht verifizierbar ist, wird Bezug auf den Abschuss von MH 17 genommen, über die Verhaftung von Zeugen berichtet, die Verlegung von Truppen. In einer Anordnung vom 24. Juli 2014 an den Leiter der Direktion der SBU im Gebiet Lugansk heißt es, dass einer der Militärangehörigen Videoaufnahmen des Ereignisses gemacht habe. Der Mann sei zu identifizieren und vorläufug festzunehmen.  

Der Informant habe jedoch darauf bestanden, direkt mit Reschs Auftraggebern zu sprechen. Außerdem habe er versucht, einen Keil in Reschs Team zu treiben. Ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar sei ein Spitzel der Ukrainer, behauptete er. Das hätten Nachforschungen ergeben. Resch brach den Kontakt zu dem Russen ab, schätzte ihn als nicht glaubwürdig ein. 

Handelseinig mit Informant

Erst vor wenigen Wochen kam der Kontakt zustande, der nun zum Durchbruch geführt haben soll. Der Mann habe morgens um 9 Uhr unangemeldet vor seinem Wohnhaus gestanden, sagt Resch, und um ein Gespräch gebeten. Das habe man dann an einem öffentlichen Ort geführt. Über die Inhalte der Gespräche darf Resch nicht reden. Er hat gegenüber seinen Auftraggebern eine Verschwiegenheitserklärung abgeben müssen.

Der Informant schien ihm so glaubwürdig, dass er erstmals den Schweizer Mittelsmann zum nächsten Treffen bestellte. Es kam der Mann mit der halben Dollarnote. Und angeblich wurde man sich handelseinig. Ende Mai wurde Resch, so sagt er, sein Honorar ausgezahlt und die Suche eingestellt.

„Ich rechne damit, dass sehr bald etwas passieren wird“

Vier Tage später klingelt es erneut an seiner Tür. Ein Herr, der sich als Mitarbeiter einer großen deutschen Anwaltskanzlei vorstellt, macht Resch ein Angebot für seine gewonnenen Informationen. „Das könnte ein Test meiner Auftraggeber gewesen sein“, vermutet Resch. Oder aber der Anwalt habe im Auftrag einer Behörde gearbeitet.

Nach zehn Monaten Ermittlungen ist Resch froh, dass der Fall abgeschlossen ist. Wer MH 17 abgeschossen hat, das kann auch er nicht sagen. Resch zuckt mit den Schultern. In die Details des letzten Informanten sei er nicht mehr eingeweiht. Das zumindest sagt Resch. Bis dahin habe es für jede Version gut gemachte Belege gegeben. „Je länger wir ermittelt haben, umso undurchsichtiger wurde es.“ Aber, so Resch weiter: „Ich rechne damit, dass sehr bald etwas passieren wird. Wer so viel Geld für Informationen zahlt, der behält sie nicht für sich.“