ExklusivInformant zu MH 17 packt aus

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Halbe Dollarnote als Erkennungszeichen

Seine Auftraggeber sind Profis. Oder haben zu viel James Bond geschaut. Die Kommunikation mit dem Schweizer Mittelsmann läuft größtenteils über Codes auf Websites. Von Telefonzellen aus werden Nummern im Ausland gewählt, die oft zu Restaurants gehören. Nachrichten werden dort hinterlegt. Bei einem der ersten Treffen soll Resch eine Dollarnote signieren. Der Schweizer reißt sie anschließend in zwei Teile, mitten durch die Unterschrift, reicht die eine Hälfte Resch, die er fortan bei sich tragen soll. Die andere Hälfte steckt er ein. Es könne sein, sagt der Schweizer, dass Mitarbeiter von ihm bei dem Ermittler auftauchten, um Nachrichten auszutauschen. Die hätten immer die Hälfte des Dollars dabei. Wer ihn ohne die Dollarnote anspreche, komme nicht von ihm.

Als die Belohnung für die Hinweise auf MH 17 weltweit publik wird, wird Resch von einer Lawine an Mails, Anrufen und Briefen verschüttet. Sein Server bricht sogar zeitweise unter der Last zusammen. Dokumente werden ihm zugestellt, mal besser, mal schlechter gefälscht. Verschwörungstheorien aller Art bekommt der Ermittler zu hören. „Wir haben Wochen gebraucht, um zu sichten und zu sortieren. 99,9 Prozent waren klar als Schwachsinn abzuhaken“, sagt Resch.

Treffen in Hotels

Jede Beweiskette kann anscheinend widerlegt werden. Fotos werden als Fälschungen entlarvt, die entlarvenden Beweise dafür später stellen sich als stümperhaft heraus. Russland präsentiert Bilder von ukrainischen Militärjets, mit Kurs auf MH 17. Glaubhafte Analysen belegen, sie sind gefälscht. Die Regierungen in Kiew und Moskau tun alles, um die Schuld des anderen zu belegen. Die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke. Das Schweigen der USA gibt die meisten Rätsel auf. Ein Kriegsgebiet am östlichen Rand Europas soll nicht akribisch überwacht worden sein? Kaum vorstellbar. Und auch die Ohnmacht der internationalen Ermittler lässt zweifeln. Soll etwas vertuscht werden?

Resch und sein Team vereinbaren mehrere Treffen mit angeblichen Informanten. Jeder Termin akribisch vorbereitet. Meist in Deutschland, in Hotels in der Umgebung von Lübeck. Hier fühlt Resch sich sicher. Es ist sein Spielfeld. Aufforderungen, in die Ukraine oder nach Russland zu kommen, ignoriert er. „Wer wirklich brauchbare Belege hat, und sie verkaufen will, der kommt auch nach Deutschland“, ist sein Credo.

Der Lord im schwarzen SUV

Einige Informanten melden sich bei dem Anwalt von Resch. Auch in dessen Kanzlei finden Treffen statt. Wie im Dezember, als zwei schwarze Geländewagen mit britischem Kennzeichen vorfahren. Drei Herren steigen aus, stellen sich als die Leiter einer Sicherheitsfirma vor, die für die britische Regierung in der Ukraine tätig ist. Der Wortführer trägt den Titel eines Lords. Auf der Website der Firma finden sich Filme, wie schwerbewaffnete Söldner Häuser und Busse stürmen. Sowie der Hinweis, dass das Unternehmen im Bereich Militär, Verteidigung und Geheimdienst tätig sei und enge Bindungen zur britischen Regierung pflege.

Für die Regierung in Kiew habe das Unternehmen, so die Briten, die Kommunikation der Russen aufgezeichnet und ausgewertet. Daraus ginge hervor, dass die Russen MH 17 abgeschossen hätten. Es gebe sogar Videos. Die Beweise sollte es aber nur gegen Bares geben. Die Legende: Das private Unternehmen wolle sich seine im Dienste der Krone erworbenen Erkenntnisse vergolden lassen. Zu plump, findet Resch. Ein zweites geplantes Treffen in Zürich lässt er platzen.