ManagementDie wichtigsten Regeln zur Digitalisierung

D.Lab der Deutschen Bahn
Das D.Lab der Deutschen Bahn: Hier plant der Konzern seine digitale Zukunft – Foto: Ramon Haindl

„Industrie 4.0“ und „Digitale Transformation“ – diese Schlagworte fehlen derzeit in keinem Medienbericht über die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Der Wettbewerb ist heute global und digital. Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung anderen. Doch viele Unternehmen tun sich schwer mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle. Was müssen Vorstände und Geschäftsführer jetzt tun, um nicht von der Konkurrenz oder gar jungen Start-ups abgehängt zu werden? Für mich gibt es sieben goldene Regeln der Digitalisierung – wer diese beachtet, ist auf dem richtigen Weg.

1. Digital Unit: Digitale Lösungen im geschützten Raum entwickeln

Erfolgreiche Ideen und Lösungen für die digitale Transformation haben ihren Ursprung oftmals in einem geschützten Raum. Das Team ist hier in der Lage, innovative Methoden und neue Projekte zunächst losgelöst vom Unternehmen, der internen Kultur und gewachsenen Hierarchien zu entwickeln und zu testen. Neue Projekte und Geschäftsmodelle, die innerhalb des Unternehmens, also in nicht geschützten Räumen, entwickelt wurden, scheitern unserer Erfahrung nach regelmäßig, da sie oftmals durch klassische Denkweisen und Vorgaben geprägt sind. Zusätzlich unterliegen sie traditionellen Entwicklungsschritten und Kompromissen zwischen den Abteilungen. Freiraum, Nutzenzentrierung und eine geeignete Test- und Umsetzungsmethodik gehören daher mit zu den wichtigsten Voraussetzungen, um mit neuen Vorgehensweisen innovative Konzepte zu testen und erfolgreich aufzubauen.

Noch einen Schritt weiter geht die Gründung einer Digitaleinheit, die als eigenes Eco-System arbeitet. Lösungsansätze lassen sich unvoreingenommen entwickeln und als Prototyp live testen. Ausschließlich erfolgreich getestete Ideen werden weiterentwickelt und in das Unternehmen übertragen. Auf diesem Weg wird bereits im Vorfeld überprüft, dass die entwickelte Idee erfolgreich ist und Rentabilität und Umsatz steigert. Möglichen Vorbehalten gegen “Neues”, dem “Bewahrertum” im Unternehmen, wird entgegengewirkt.

2. Entwicklung und Tests von Digitalprodukten nach dem Lean Start-up-Ansatz

Moderne Methoden aus dem Silicon Valley wie „Lean Start-up“ sind bei der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen klassischen Managementansätzen überlegen und führen durch einen agilen und schlanken Arbeitsprozess sehr viel schneller zum Erfolg. Das Entscheidende ist, Ideen von Beginn an Nutzertests zu unterziehen und direkt mit der ersten Entwicklung zu einem Prototyp, der weder designtechnisch noch funktional ausgereift sein muss, unter realen Bedingungen zu testen.

Im Gegensatz dazu wird in Unternehmen in der Regel zunächst ein großer, langfristig angelegter Projektplan erstellt, der dann wasserfallartig von oben nach unten durch alle Abteilungen abgearbeitet wird. Dabei fehlt der Beweis, dass die betreffenden Innovationen das Problem überhaupt lösen. Gelingt die Produkteinführung nicht, wurde viel Geld verbrannt. Wenn man scheitert, was durchaus ein wichtiger Bestandteil der Entwicklungskultur ist, sollte man möglichst schnell und günstig scheitern: „Fail fast and cheap“. Durch Lean-Start-up wird schon in einer frühen Phase deutlich, ob ein digitales Geschäftsmodell oder Geschäftsprozess das Potential hat, erfolgreich zu sein, ein Problem löst und den Nutzer überzeugt.

3. Nutzerfokussiert durch Design Thinking

Ebenfalls aus dem Silicon Valley bekannt und erprobt: Design Thinking. Bei der Digitalisierung sollten Produkte und Produktfeatures in erster Linie auf Basis von Kundeninformationen und -wünschen entwickelt werden. Diese Bedürfnisse können durch Design Thinking-Methoden schnell identifiziert werden.

Im Unternehmen werden Produktinnovationen dagegen oftmals von Beginn an zu komplex entwickelt. Produkt-, IT-Entwicklern und Ingenieuren geht es mit Liebe zum Detail eher um eine maximale Anzahl an Funktionen und um ein aus ihrer Sicht perfektes Produkt – im schlechtesten Fall nutzt oder überzeugt kaum eine dieser Funktionen den Kunden, weil sie das Nutzerproblem nicht lösen oder das Kundenbedürfnis nicht erfüllen.

Digitale Innovationen lassen sich nach dem Motto „fake it until you make it“ direkt online und offline am Kunden testen, ohne dass dahinter bereits eine konkrete Entwicklung oder ein funktionsfähiges Produkt steht. Produkte können sogar komplett ohne IT-Aufwand getestet werden. Die Struktur einer App lässt sich beispielsweise von einem Papier auf ein Smartphone oder Tablet übertragen, um damit den Nutzer zu befragen und erste Anhaltspunkte zu seinen Bedürfnissen zu ermitteln. Entscheidend ist, dass das Produkt auch im weiteren Verlauf nur die allernötigsten Funktionen umfasst, die man braucht, um ein Problem zu lösen – so genannte MVPs (Minimum Viable Products). Idealerweise vergehen so von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt nur wenige Wochen. Und Schnelligkeit ist einer der Schlüssel bei der digitalen Transformation.