Management5 Gründe, wieder mal einen Roman zu lesen

Bücher bilden. Und entspannen
Bücher bilden. Und entspannen
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Es ist kein Geheimnis, dass erfolgreiche Leute viel lesen. Bill Gates zum Beispiel. Oder Warren Buffet. Am Ende eines jeden Jahres verraten sie, welche Bücher sie am meisten beeindruckt haben. Darunter sind hauptsächlich Sachbücher. Aber wie sieht es eigentlich mit Belletristik aus?

Ist Belletristik nur reine Unterhaltung? Michael Morvan, Gründer und Chef des US-Tech-Unternehmens Cosmo, sieht das anders. Jeden Abend liest er Krimis. Als Unternehmer, sagt Morvan, müsse man sich mit sämtlichen Details, angefangen bei Strategien über Produkte bis zu Personalführung, beschäftigen. In einen Roman einzutauchen, sich mit den Charakteren zu identifizieren und zu versuchen, die Rätsel zu lösen, habe zwei Effekte für ihn. Zum einen: Beim Lesen könne er sehr schnell von den Alltagsproblemen im Job abschalten. Zum anderen: Das Lesen von Romanen fördere seine Kreativität. Seine Fantasie kenne dabei keine Limits. Und so solle es auch im Job sein.

Tatsächlich haben wissenschaftliche Studien belegt, dass das Lesen von Romanen sich positiv auf die Ausbildung von sozialen Fähigkeiten auswirkt. Hier sind fünf Beispiele.

1. Urteilskraft stärken

Romane zu lesen kann helfen, Menschen und Situationen besser und jenseits der eigenen Logik einzuschätzen, sagt Michael Benveniste, Professor an der Universität von Puget Sound in Tacoma/Washington. Gerade in Situationen, die von tiefen Emotionen geprägt sind, hilft Lesen die Urteilskraft zu stärken. „Belletristik bietet Raum für Spekulationen. Über Werte wie Glauben, Normen und Erfahrungen, die im sozialen Kontext eine große Rolle spielen“, sagt Benveniste.

2. Emotional einlassen

Menschen, die viele Romane lesen, fällt es leichter, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Das hat eine Studie der Universität von Toronto herausgefunden. Das liegt daran, dass Leser sich emotional auf die Geschichte einlassen. Sie entwickeln Bilder aus einzelnen Informationen, werden Teil der Story, in der sie komplexen Charakteren begegnen und Situationen, die sie im wirklichen Leben nie erleben würden. Keith Oatley, Professor für kognitive Psychologie an der Universität von Toronto, vergleicht das mit einer Computersimulation – beispielsweise am Flugsimulator. „Novellen und Dramen können uns helfen, die Komplexität des sozialen Lebens besser zu verstehen“, sagt er.

3. Empathie schulen

Sich in eine Person aus einem Roman hineinzuversetzen kann helfen, empathischer mit Menschen im realen Leben umzugehen. Das läge daran, dass man eine Beziehung zu einer Figur im Roman aufbaut, sagt Raymond Mar, ein Psychologe von der York Universität in Kanada. „Unser Denken und Fühlen wird von der Handlung einer Geschichte beeinflusst“, sagt Mar. In unserem Tun würden wir Erfahrungen aus der eigenen Vergangenheit reflektieren – oder aber auch Erfahrungen aus Büchern. Auch wenn die Handlungsstränge in Romanen oft frei erfunden seien, könnten sie Auswirkungen auf unser Psyche und unser Handeln haben, so der Psychologe.

4. Stress abbauen

Nach einer Studie der Universität von Sussex baut das Lesen von Romanen Stress besser ab als das Hören von Musik, ein Spaziergang oder – ganz britisch – eine Tasse Tee. Lesen verringert das Stresslevel um 68 Prozent, will der Neuropsychologe David Lewis herausgefunden haben. Nach sechs Minuten Lesen sinke der Puls und die Muskeln entspannten sich, so Lewis. Sich in einem Buch zu verlieren, sei die ultmative Entspannung. „Dabei spielt es keine Rolle, was für ein Buch man liest. Wer liest, entkommt den Sorgen und dem Stress des Alltags und verliert sich für eine Weile in der Welt des Autors.“

5. Ratschläge finden

Romane handeln oft von besonderen Menschen mit stark ausgeprägten Charakteren, die detailliert beschrieben werden, sagt Juliette Wells vom Goucher College in Baltimore. Sie helfen, im täglichen Leben zu inspirieren. „Ich selbst habe mich oft dabei überrascht, wie ich heimlich Elizabeth Bennet aus „Stolz und Vorurteil“ von Jane Auston zitiere, die sagt: Meine Courage wächst jedes Mal, wenn man versucht mich einzuschüchtern.“