Management10 Dinge, die wir von Richard Branson lernen können

Seit knapp 50 Jahren ist Richard Branson im Business. Der Brite ist einer der erfolgreichsten Geschäftsleute der Welt. Seine Virgin-Gruppe, eine Holding mit 400 Unternehmen, hat ihn zum Milliardär gemacht. Forbes schätzt das Vermögen des 67-Jährigen auf 4,9 Mrd. Dollar. Es scheint, als habe Branson alles richtig gemacht. Dabei entspricht der Sunnyboy keineswegs dem Klischee eines karrieregetriebenen Entrepreneurs in Anzug und Krawatte. Er ist ein Abenteurer, eine Rampensau. Legendär die Fotos, die ihm beim Kite-Surfen zeigen, auf den Schultern eine nackte Schönheit. Oder im Dress einer Stewardess seiner Fluglinie mit knallrot geschminkten Lippen, falschen Wimpern und blauem Lidstrich.

2012 überquerte er als ältester Kitesurfer den Ärmelkanal. Bereits in den 80er-Jahren machte Branson mit immer neuen Weltrekordversuchen Schlagzeilen. Mal als Segler, mal als Heißluftballonfahrer. Branson steckt voller Energie. „Mein Name ist Dr. Yes“, sagte er kürzlich. „Ich habe ein Team, das versuchen muss, mich zurückzuhalten.“

Mit 20 Jahren gründete Branson sein erstes Unternehmen. Es trug den Namen Virgin – ein Schallplattenversand mit einigen Läden. Zwei Jahre später gelang Branson der große Wurf. Mittlerweile hatte er sich ein Studio zugelegt und den damals noch unbekannten Mike Oldfield unter Vertrag genommen. Dessen erstes Album machte ihn reich. „Tubular Bells“ wurde über fünf Millionen Mal verkauft. Es war der Grundstock für Bransons Virgin-Imperium. Hinzu kamen unter anderem eine Fluglinie, eine Schmiede für 3D-Computerspiele und das Projekt Spaceship Two, ein Raumschiff für private Kurzflüge ins All.

Was ist Bransons Erfolgsgeheimnis? Was können wir von ihm lernen?

1. Spaß haben

Niemand würde bestreiten, dass Branson das Leben liebt. Richtigen Erfolg könne nur der haben, der auch Spaß an der Arbeit habe, sagt Branson. Aber das ist nicht alles: Wichtig sei auch, sich Freizeit für Familie, Sport und Hobbies zu gönnen. Die Konsequenz: Wenn Branson ein Projekt keinen Spaß mehr macht, dann trennt er sich von ihm. Und geht Kiten.

2. Raus gehen

Ein guter Chef sitzt den ganzen Tag im Büro? Seine Arbeitswelt hat vier Wände, einen Schreibtisch und einen Computer? Nicht so bei Branson. Er ist auf Achse, besucht Mitarbeiter und Kunden. Hat ein Ohr an der Basis. Wenn er fliegt, dann spricht er mit der Crew, den Piloten – und den Passagieren. Immer in der Hand sein legendäres kleines Notizbuch. Darin vermerkt er Anregungen, Ideen und Impulse. Und: Er nimmt die Menschen ernst. Am nächsten Tag schreibt er ihnen eine kurze Mail und bedankt sich. Seine Philosophie: Ob Konzern oder Start-up, es sei wichtig, den Leuten das Gefühl zu geben, gehört und ernst genommen zu werden. Glückliche und zufriedene Menschen sind treu, arbeiten hart – und mehren den Profit des Unternehmens.

3. Zuhören

Branson lässt seine Mitarbeiter nicht in seinem Büro antanzen. Er geht zu ihnen, verschafft sich ein Bild von ihrer Arbeit, hört zu. Für offene Kritik ist er dankbar, je direkter, desto besser. Er nimmt sich Zeit und sich selbst nicht wichtig. Für Input ist er dankbar.

4. Anders sein

In einer Welt, die sich rasant verändert, ist es wichtig Schritt zu halten. Oder besser noch: Vorauszugehen! Ein Unternehmen muss durch etwas hervorstechen, sich abheben von den Wettbewerbern. Bei seiner Fluggesellschaft hat Branson deshalb den Fokus auf Kundenfreundlichkeit gelegt. Für Branson ist der Kunde immer noch König. Virgin war die erste Fluglinie, die eine Premium-Economy-Class einführte, Entertainmentsysteme in jedem Sitz anbot und sich um einen schnellen Check-in bemühte. Auch gibt es auf einigen seiner Flüge Wellness- und Kosmetikangebote.

5. Ausdauer haben

Branson ist der Erfolg nicht in den Schoss gefallen. In jungen Jahren litt er an Dyslexie, hatte Probleme beim Lesen und Schreiben. Aufhalten konnte ihn das nicht. Auch gab es geschäftliche Rückschläge. Er hatte finanzielle Engpässe, Steuerprobleme, geriet mit dem Gesetz in Konflikt und musste auch mal eine Nacht im Knast verbringen. Die Rückschläge bremsten ihn nicht, sie beflügelten ihn. Er lernte aus ihnen.

6. Regeln brechen

Anders sein, innovativ sein – das ist sein Schlüssel zum Erfolg. Branson erkannte früh, dass Erfolg nicht funktioniert, wenn man kopiert oder anderen auf ausgetretenen Pfaden hinterherläuft. Regeln brechen, ausbrechen, Risiken eingehen, wenn auch kalkulierbare. Das ist seine Welt.

7. „Ja“ sagen

Branson ist ein Ja-Sager. Allerdings nicht im klassischen Sinn. Er ist sicherlich kein Speichellecker. Aber er sagt Ja zu allem Unkonventionellen, zu neuen Konzepten und Ideen. Deshalb ist seine Holding auch breit aufgestellt, in etlichen Bereichen aktiv, die nichts miteinander zu tun haben. Neues reizt ihn – auch wenn er anfangs davon keine Ahnung hat.

8. Mitarbeiter respektieren

Branson hat früh erkannt, dass eine Firma nur so gut ist, wie die Mitarbeiter. Er respektiert sie und gibt ihnen ein Gefühl der Wertschätzung. Und die belohnen das mit Treue zum Unternehmen und dem Chef. Zudem sind motivierte Mitarbeiter die besten Botschafter eines Unternehmens. Und die beste Werbung.

9. Zurück geben

Wie viele andere erfolgreiche Unternehmer ist sich Branson seiner Verantwortung bewusst. Er engagiert sich in sozialen Projekten, unterstützt Arme und Hilfsbedürftige in Afrika, unterstützt den Kampf gegen den Klimawandel. Damit zahlt er aber nicht nur auf sein Karma-Konto ein. Pragmatisch gesehen ist auch das eine Art Werbung für sein Unternehmen und sich selbst.

10. Groß denken

Branson hat klein angefangen. Mittlerweile hat er acht Unternehmen, die über eine Milliarde umsetzen. Und hunderte andere. Sich zurücklehnen, den Erfolg genießen? Kommt nicht in Frage. Er denkt auch mit 66 Jahren immer noch groß, ist ständig auf der Suche nach der nächsten großen Idee. Auf seiner Agenda stehen noch die Eroberung der Meere und des Weltalls.