InterviewDas ist Deutschlands Pferde-Millionär

Holger Hetzel, Turnierreiter, Pferdetrainer und PferdehändlerAlesya Safe/PR


Holger Hetzel, 59, zählt zu Deutschlands besten Springreitern. Neben seiner sportlichen Karriere baute er vor über 30 Jahren die Firma Hetzel Horses in Goch am Niederrhein auf. Er trainiert Pferde und Reiter für den internationalen Spitzensport. Zudem handelt er mit den lukrativen Tieren über Auktionen und eine Investmentgesellschaft.


Herr Hetzel, warum pilgern Promis wie Prinzessin Haya aus Dubai oder Jennifer Gates, Tochter des Microsoft-Gründers, zu Ihnen ins beschauliche Goch am Niederrhein?

HOLGER HETZEL: Wir haben Kunden aus der ganzen Welt, weil wir ein super Gesamtpaket anbieten: wir verkaufen erstklassige Pferde, die wir perfekt ausbilden und die wir auch zusammen mit dem Reiter zur professionellen Spitzenleistung bringen können. Das ist eher unüblich. In dieser Branche sind viele entweder Trainer oder Pferdehändler oder Turnierreiter. Wir heben die Synergieeffekte aus dem gesamten Spektrum.

Sie haben selbst Dutzende Turniere gewonnen. Wie sind Sie darauf gekommen, nebenbei ein Geschäft aufzubauen?

Ich habe mit neun Jahren die ersten Turniere gewonnen, bin aber kein Naturtalent gewesen. Was ich kann, habe ich mir hart erarbeitet. Ich habe 38 Nationenpreise für Deutschland gewonnen, das ist wie Länderspiele im Fußball. Ich habe an den Europameisterschaften teilgenommen und zweimal die Silbermedaille bei den deutschen Meisterschaften gewonnen. Mir war immer wichtig, sportliche Leistungen zu bringen und finanziell erfolgreich zu sein. Das musste ich auch, da ich keine Sponsoren hatte.

Haben Ihre Eltern das unterstützt?

Die wollten nicht, dass ich bei den Pferden hängen bleibe. Reitsport hatte damals keinen guten Ruf. Sie hatten mir erlaubt, dass ich nach dem Abitur noch ein Jahr lang reiten darf. Bedingung war aber, dass ich danach was Vernünftiges mache.

Und was haben Sie gemacht?

Ich habe einen Profistall in Mönchengladbach gefunden. Da habe ich nicht nur geritten, sondern auch eine Lehre zum Pferdewirt gemacht. Das hat allerdings zwei Jahre gedauert. Dafür habe ich danach noch BWL studiert. Das war vernünftig, hat Spaß gemacht und ich habe die Grundlagen für meine Firma gelegt.

Brauchten Sie Startkapital?

Mein erstes Pferd hat 8500 D-Mark gekostet. 3500 D-Mark hatte ich auf meinem Sparkonto, der Rest kam von meinen Eltern. Das Pferd habe ich mit Gewinn verkauft. Dann kam das nächste und so weiter. Die habe ich auf dem Bauernhof meiner Großeltern gehalten, neben Kühen und Schweinen. Den Hof habe ich dann langsam zum Pferdebetrieb umgewandelt und ausgebaut.

Hatten Sie dafür irgendein Vorbild?

Ich kenne wohl fast jeden Stall in Deutschland, habe in der ganzen Welt viele Anlagen gesehen und mit den besten Leuten trainiert. Ich habe mir viel angeschaut, das beste rausgesucht, aber ich imitiere niemanden. Ich habe die Fähigkeit, schon bei sehr jungen Pferden die Anlagen und Talente zu erkennen. Und ich weiß, wie ich diese Grundlagen bestmöglich trainiere und verfeinere. Da liegt der Hebel für den sportlichen und finanziellen Erfolg.

Es ist mittlerweile ein luxuriöses Gestüt. Warum veranstalten Sie dort regelmäßig Auktionen, zu denen hunderte Bieter kommen?

Das ist vor 15 Jahren bei einem „Tag der offenen Tür“ entstanden. Anfangs war das mühsam, manchmal sogar ein Verlustgeschäft. Aber mittlerweile ist dieser Termin Ende November mein Highlight – auch geschäftlich. Wir verkaufen da in der Regel 20 unserer besten Pferde. Seit ein paar Jahren erzielen wir mit jeder Auktion auch einen beachtlichen Gewinn.

2018 wurde für ein Pferd 950.000 Euro gezahlt. Geht noch mehr?

Das war bislang der Spitzenpreis. Sicher werden wir auch mal eine Million erlösen. Wir sind jetzt bei Durchschnittspreisen von 200.000 Euro und verzeichnen ein kontinuierliches Wachstum. Viele sehen darin ein gutes Investment. Die lassen die Pferde bei uns, bis wir sie weiterverkaufen. Die erzielen Toprenditen. Wem 10 bis 30 Prozent reichen, kann stattdessen in unsere Pferde-Investmentgesellschaft anlegen.

Klingt ziemlich lukrativ. Und welchen Luxus gönnen Sie sich?

Ich genieße mein Leben auf meinem wunderschönen Hof. Ich brauche keine dicken Autos, kein Boot und keinen Hubschrauber. Damit kann ich meiner Klientel auch nicht imponieren. Respekt verschaffe ich mir bei denen nur durch solide Geschäfte. Das einzige: Ich liebe Miami. Da fliege ich jedes Jahr für zwei Wochen hin. Den Urlaub genieße ich sehr. Manchmal verbinde ich das aber auch mit Kundenterminen, wenn die gerade bei Turnieren in Florida sind.

Sie haben zuletzt auch Online-Auktionen gestartet. Was planen Sie sonst noch?

Wir wollen auf unserem Hof in Goch ein kleines Luxushotel bauen, damit unsere Kunden bei uns optimal betreut sind. Manche trainieren bei uns über Wochen, Monate bis zu einem Jahr. Die sind einen gewissen Standard gewohnt, den Sie hier auf dem Land bislang nicht finden. Wir planen mit 28 Zimmern und einer Investition von rund 5 Mio. Euro. Die Bauzeit soll rund ein halbes Jahr dauern. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass wir zur nächsten Auktion im November 2020 fertig sind.

 


Erste Million erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Interviews aus dieser Serie finden Sie hier. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay