ManagementHauptsache Ich!

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Macht heißt jetzt Freiheit

Macht genießt heute bei vielen jungen Menschen ein schlechtes Image. Auch ein Großteil älterer Angestellter lehnt sie als Karriereziel oder Mittel zum Zweck inzwischen völlig ab. Denn sie haben die manipulativen Seiten von Macht durch ihre alten Chefs selbst zu spüren bekommen.

Trotzdem gibt es sie natürlich noch. Denn statt andere zu steuern oder zu manipulieren, gibt es nun den Anspruch, sich selbst zu steuern. Eigene Handlungs- und Entscheidungsspielräume sind die neuen Ausprägungen von Macht und Einfluss. Je größer die erkämpfte Freiheit und die dadurch gewonnene Flexibilität, desto größer die Möglichkeiten auf dem eigenen Weg zur Selbstoptimierung. Macht heißt heute Freiheit, immer größere Herausforderungen zu meistern und Unabhängigkeit, das zu tun, was jedem von uns wirklich wichtig ist.

Status heißt jetzt Anerkennung

Was vor 20 Jahren ein „Seht her, wie erfolgreich ich bin!“ war, ist heute zum „Zeigt mir, wie gut Ihr mich findet!“ geworden. Junge Berufstätige motiviert nicht mehr der teure Dienstwagen, sie fahren mit dem Fahrrad vor und freuen sich über Likes hierfür auf Facebook und Instagram.

Aus Status wurde Anerkennung, Glück hat das Geld abgelöst. Die neue Währung von Erfolg ist Selbstverwirklichung. Aus dem Wir und Wunsch nach Zugehörigkeit ist das Ich mit dem Streben nach selbst empfundenem Sinn und Glück geworden. Eine neue Form von Status, nicht nur im Privaten, sondern immer mehr auch im Beruf.

Wo bleibt das Wir?

Ich oder Wir – oder beides? Ob die Wir-schaffen-das-Kultur in der Flüchtlingskrise oder das Wir im Kampf gegen neue Ausprägungen des Terrorismus: Klar ist, dass wir für Freiheit und damit unsere Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung auch immer das Wir benötigen.

Die Arbeitswelt erprobt momentan neue Formen der Zusammenarbeit. Mit dem Ziel der Verbindung von altem Wir und neuem Ich. Das demokratische Unternehmen, die Abschaffung von Hierarchien, die Führung ohne Führung: Es geht um das gemeinsame Erreichen unternehmerischer und gleichzeitig individueller Ziele auf Basis von Selbstorganisation und Selbstverantwortung. Und es geht um ökonomischen und persönlichen Erfolg auf dem Nährboden von Glück und Sinn mit dem Ziel der individuellen Freiheit zur Selbstverwirklichung.

Das klingt gut, doch die Werte- und Zielkonflikte sind heute allenthalben sichtbar: In Politik und Gesellschaft, in Unternehmen zwischen dort aufeinander treffenden Generationen und auch im ständigen Zwiespalt mit uns selbst. Sie werden sich nicht von heute auf morgen in Luft auflösen. Ob uns die Haltung „Hauptsache Ich!“ wirklich gut tut und ob sie auf Dauer mit dem für uns alle ebenso notwendigen Wir verträglich ist, das werden die nächsten Jahre zeigen.

Die ausführliche Dokumentation mit allen Ergebnissen seiner neuen Studie „Karrieretrends 2016“ können Interessierte bei Bernd Slaghuis anfordern: (mail@bernd-slaghuis.de)