ExklusivSAP-Topmanagerin wechselt zu Software-Start-up Celonis

Die Celonis-Gründer Martin Klenk, Alexander Rinke und Bastian Nominacher (v. l.)
Die Celonis-Gründer Martin Klenk, Alexander Rinke und Bastian Nominacher (v. l.)Janek Stroisch

Hala Zeine ist gerade einmal 40 Jahre alt – und war bei SAP dennoch schon ein echtes Urgestein. Seit 2001 arbeitete die Managerin für den Softwarekonzern, neun verschiedene Rollen hatte sie in der Zeit inne. Zuletzt war sie als President für den Bereich Digital Supply Chain and Manufacturing zuständig, berichtete direkt an Produktvorstand Bernd Leukert. Der wechselte dieses Jahr zur Deutschen Bank; auch Zeine war von einer Umstrukturierung betroffen, die Zuständigkeit für digitale Lieferketten wurde mit der für das SAP-Kernprodukt S/4 Hana zusammengeführt und landete bei Thomas Saueressig, einer weiteren SAP-Nachwuchshoffnung.

Zeines Zukunft blieb zunächst offen. Jetzt ist klar: Zum 1. Oktober fängt die Industrieexpertin bei einem kleinen, aber schnell wachsenden SAP-Konkurrenten an – das Münchner Software-Start-up Celonis hat sich Zeines Dienste gesichert und macht sie zur CPO. Celonis, inzwischen 750 Mitarbeiter groß und seit 2018 mit 1 Mrd. Dollar bewertet, ist seit seiner Gründung 2012 zu einem der wichtigsten Anbieter von Process-Mining-Anwendungen für Unternehmen aufgestiegen.

Von SAP zur Celonis: Hala Zeine
Von SAP zur Celonis: Hala Zeine

Dabei wird die Celonis-Software über die IT-Systeme eines Unternehmens gestülpt, saugt so alle verfügbaren Daten ab und rekonstruiert daraus sämtliche Prozesse, die in der Firma stattfinden. Aus der grafischen Aufbereitung können Manager ständig erfahren, wo Abläufe ineffizient sind, wo Zeit verloren geht und wo tatsächliche Prozesse nicht wie gedacht funktionieren. Siemens etwa durchleuchtet mit Celonis Einkauf, Bestelllogistik, Produktion, Auftragsabwicklung und Kundenbelieferung und hat dadurch nach eigener Aussage einen zweistelligen Millionenbetrag gespart.

Zeine wird bei Celonis die für Produkt und Technologie zuständigen Gründer Martin Klenk und Alexander Rinke entlasten und Produktstrategie sowie produktbezogene Partnerschaften verantworten. „Wir heben mit Hala die Produktentwicklungsorganisation auf ein neues Level“, sagt Co-CEO Bastian Nominacher im Gespräch mit Capital.de. „Unsere Technologie hat ständig neue Anwendungsfälle, die häufig von Kunden identifiziert werden. Wir brauchten nun jemanden im Team, der dieses Thema vorantreibt. Hala bringt ein tiefes Kundenverständnis mit.“

Zeine sagt über ihren Schritt: „Nach 19 Jahren SAP zu verlassen ist wie sich von seiner Familie zu trennen. Aber ich will Teil der Celonis-Geschichte werden.“ Die Managerin ist sich bewusst, dass ihr Karriereschritt ungewöhnlich ist. „In den USA ist es total üblich, dass Manager von Konzernen auch zu Start-ups wechseln – in Deutschland ist das noch selten. Aber es bringt die Skalierbarkeit voran, weil die Start-ups nicht alles alleine lernen müssen.“

Zeine steht in einer Reihe von hochkarätigen Neueinstellungen bei dem Münchner Start-up. Im Sommer machte Celonis Marcell Vollmer zum Chief Innovation Officer, er kam ebenfalls von SAP. Seit September wacht mit Guido Torrini erstmals ein CFO über Finanzen und Fundraising – und möglicherweise über einen späteren Börsengang.