Act D!fferent KonferenzGeben Sie der Freiheit eine Chance!

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Aber auch in Deutschland haben wir bereits positive Erfahrungswerte. So hat Detlef Lohmann, geschäftsführender Gesellschafter des mittelständischen Unternehmens „allsafe JUNGFALK“ unter anderem die Bestellung der Verbrauchsmaterialien jedem Mitarbeiter selbst überlassen. Seitdem sind die Kosten im gesamten Unternehmen um 30 Prozent gesunken. Im Krisenjahr wurden sogar 80 Prozent eingespart ohne verordneten Sparkurs. Die Mitarbeiter haben zum Wohl des Unternehmens selber mitgedacht.

Nicht jedes Unternehmen ist so innovativ und mutig, die Verantwortung als Ganzes an ihre Mitarbeiter zu delegieren. So lange das noch so ist, agieren Sie in Unternehmen mit Strukturen. Doch auch dort haben Sie die Möglichkeit, als Subeinheit Freiheiten zu gewähren. Möglichkeiten zu schaffen, Freiheit zu nutzen.

Jedoch hat nicht jeder die Fähigkeit, diese zu nutzen. Menschen in den skandinavischen Ländern lernen von Kindesbeinen an projekt- und lösungsorientiertes Denken und wachsen damit in den Unternehmen weiter auf. Finnland hat sich Anfang April dazu entschlossen Schulfächer komplett abzuschaffen und ab 2020 nur noch themenbezogenen zu unterrichten.

Deutschland hinkt auf diesem Gebiet hinterher. Das mag an der Größe des Landes liegen, das gegenüber seinen wendigen, kleinen Nachbarn wie ein träger Tanker agiert. Das liegt aber sicherlich auch in der deutschen Mentalität begründet, dem starken Bedürfnis nach Sicherheit, den Vorbehalten gegenüber Neuem und der Autoritätshörigkeit. Diese Mentalität nehmen wir täglich in unserer Tasche mit zur Arbeit. Ihre Mitarbeiter und – Sie. In wie weit nutzen Sie selber schon Ihre persönliche Freiheit? Wo hängen Ihre inneren Absperrbänder?

Immer geradeaus?

BWL-Studium und nach ein paar Jahren in der freien Wirtschaft ein Straßenrestaurant eröffnen? Mit 50 keine Lust mehr Richter zu sein und stattdessen eine Hütte am See kaufen und von nun an Schnee schieben für andere? Kein Problem. In Kanada, Schweden oder Dänemark. Es geht, weil diese Menschen frei denken und dafür die Verantwortung übernehmen. Es geht, weil die Gesellschaft und die Unternehmen dies akzeptieren. Weil Erfolg in diesen Ländern bedeutet, das Beste aus dir selbst zu machen, egal ob das Bankkonto davon profitiert oder nicht. Es geht, weil Freiheit in diesem Land mehr zählt als Sicherheit. Es funktioniert, weil jeder hier so denkt.

Haben Sie selber gelernt persönlich frei zu agieren? Es sind nämlich nicht nur die Unternehmensstrukturen, die unseren Wirkungsraum begrenzen. Es ist auch unsere persönliche Unfähigkeit, Freiheiten für uns selbst zu erschaffen und zu nutzen. Wir übernehmen in Bezug auf unser Leben selten bis zur letzten Konsequenz das Ruder in die Hand. Die Liste der brillanten Ausreden ist lang: Teilzeit ist im Unternehmen nicht möglich, die Renten sind unsicher und sowieso ist die Politik an allem Schuld. Vielleicht wenn das Haus abbezahlt ist oder die Kinder aus dem Haus sind.

Lieber kriechen wir die vertraute Karriereleiter weiter hoch, übernehmen Führungspositionen, die uns gar nicht liegen, anstatt noch einmal komplett die Richtung zu ändern und etwas zu tun, was unseren Talenten und Vorlieben entspricht. Wie versuchen das Beste aus uns zu machen und kennen dabei nur eine Richtung: Immer geradeaus.

Warum nicht öfter die Richtung ändern?

Was Sie gewinnen

Freiräume befähigen Sie und Ihre Mitarbeiter dazu, ihren Job nach Interessen und Talenten zu gestalten. Was erfordert das von Ihnen? Vertrauen und Fehlertoleranz. Was erhalten Sie? Eine sinnvolle Arbeitsumgebung und glückliche Mitarbeiter. Denn Freiheit und Vertrauen scheint einer der Hauptfaktoren für Glück zu sein, so Professor Christian Bjørnskov von der School for Business der Universität Århus in Dänemark. Seine Aussage findet vor Ort Bestätigung: „Die besten Mitarbeiter arbeiten da, wo sie glücklich sind. Und wir versuchen wirklich, nur die Besten zu haben. Gehalt ist nur ein Aspekt, viel wichtiger ist es, wie wir uns verhalten. Wir respektieren einander für das, was wir tun nicht wegen einer Position im Unternehmen.“, so Kjeldgaard. Am glücklichsten ist der Mensch dann, wenn er die Freiheit hat, selbstständig zu handeln und sein Potenzial maximal zu nutzen. Und damit nutzt er auch seinem Unternehmen am meisten.

Denn glückliche Mitarbeiter sind engagiert und kreativ. Nach einer Umfrage des Unternehmens Stepstone unter mehr als 14.800 Unternehmen und Arbeitnehmern werden sie gerade deshalb wertgeschätzt. 83,4 Prozent der Arbeitgeber nannten als weiteren Vorteil glücklicher Mitarbeiter „höhere Gewinne“. Schenken Sie also Freiheit und Vertrauen, so steigern Sie zugleich Ihren Gewinn und das Glück Ihrer Mitarbeiter. Warum sollten Sie auf diese Win-win-Situation verzichten?

Individuum, Unternehmen und Gesellschaft sollten in ihrer Mentalität ineinander greifen. Nur dann verstärken sie sich. Wenn Sie Veränderung wünschen, dann fangen Sie am besten ganz bodenständig an. Bei sich selbst. Wie frei verhalten Sie sich persönlich? Wie viel Vertrauen schenken Sie anderen? Gehen Sie als gutes Beispiel voran: Steigen Sie über Ihre eigenen Absperrbänder im Kopf. Wenn Sie es nicht tun, warum sollte es jemand anderes tun? Freiheit beginnt in Ihrem eigenen Kopf. 

 

Maike van den Boom ist Autorin und Vortragsrednerin. Die Halbholländerin hat Kunsttherapie studiert und in zahlreichen Managementjobs in den Niederlanden und Deutschland gearbeitet. In Kürze erscheint von ihr das Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück“